Faszinierende Bezüge zu Zeit und Raum erschloss die Ausstellung von Claus Reichert-Böhme (rechts) im Weißen Häusle.Foto: Maute Foto: Schwarzwälder Bote

Kunst: Claus Reichert-Böhme stellt im Weißen Häusle aus / Viertes Wochenende der siebenteiligen Reihe

Es ist ein Bezug im doppelten Sinne. Eine künstlerische Reflexion von Ort und Zeit. Im Weißen Häusle waren am Wochenende Arbeiten von Claus Reichert-Böhme zu sehen.

Hechingen. Jeder Kunstschaffende weiß um das besondere Verhältnis von Ort und Kunst. Dementsprechend steht er schon bei der Vorbereitung seiner Ausstellung vor einer ersten großen Hürde, die in der Frage gipfelt, welche Exponate mit dem Raum harmonieren. Welche sie in einen reizvollen Kontrast zu ihm setzen oder kurz gesagt: Welche Werke für den jeweiligen Ausstellungsort ausgewählt werden.

Bei Claus Reichert-Böhme, der das nunmehr vierte Wochenende der Sommer-Reihe des Hechinger Kunstvereins gestaltete, lag die Antwort auf eben diese Frage zumindest bei einer Arbeit schon auf der Hand. Ins Weiße Häusle passt – natürlich das Weiße Häusle! So lieh er sich kurzerhand das Werk, das er bereits verkauft hatte, für seine Ausstellung noch einmal aus.

Und in der Tat: Das kleine, aus Holz gefertigte, weiß gefasste Objekt weist Parallelen zum Gebäude im Fürstengarten auf. Wie dieses besticht auch das Kunstwerk durch schlichte Eleganz. Klare Formen – emotionaler Kern. Das mag nicht wenigen Besuchern durch den Kopf gegangen sein, die das auf einer Säule im Raum stehende Exponat bei der Ausstellung aufmerksam in Augenschein nahmen und rege das Gespräch mit dem Künstler suchten.

"Manche wollen es sehr genau wissen, auch auf intellektueller Ebene", erklärte Reichert-Böhme in Bezug auf die unterschiedlichen Herangehensweisen der Rezipienten an die Kunstwerke. Während sich die einen zunächst nach seiner Intention erkundigten, fanden andere wiederum auf Anhieb einen ganz eigenen emotionalen Zugang zu den Arbeiten, brachten spontan zum Ausdruck, was sie besonders ansprach und berührte. "Es sieht so aus, als wären das ganz viele Flächen", konstatierte etwa eine Besucherin, die fasziniert die Hinterglasmalerei betrachtete.

Durch die Farbe in den Ritzungen erhält Werk eine räumliche Struktur

"Das sind viele Flächen", unterstrich Reichert-Böhme und beschrieb den Ablauf des Arbeitsprozesses, der das Malen auf eine Plexiglasplatte und das anschließende Ritzen beinhaltet. Durch die Farbe in den Ritzungen erhält das Werk eine räumliche Struktur und Vielschichtigkeit, die auch den anderen Werken des Künstlers zu eigen ist.

In einem weiteren Bild fallen geometrische, sich aufbauende Formen ins Auge, die Anklänge an eine Collage eröffnen. Während für dieses helle, leuchtende Farbe verwendet wurden, hat Reichert-Böhme bei einer anderen Arbeit viel mit Erdfarbenpigmenten gearbeitet. Ob er schon zu Beginn des Arbeitsprozesses im Kopf hat, wie das Bild am Ende aussehen wird?

Eher klar sei anfangs die Farbgebung. "Die Einzelelemente entstehen dann meist beim Machen", erklärt er. Dennoch: Eine bestimmte Form, so weiß der Künstler, "hat man in sich." Und mit dieser zu experimentieren und mit der Farbe zu spielen – das macht den Reiz des Gestaltens aus.

Da die Ausstellungs-Reihe im Weißen Häusle bewusst auf Reduktion setzt und nur wenige Werke gezeigt werden, hat Reichert-Böhme vor Ort entschieden, welche am Ende Bestandteil seiner Ausstellung sein sollen. Hatte das "Weiße Häusle" einen thematischen Bezug zum Ort, passt ein weiteres Exponat sehr gut in die Zeit. Unter dem programmatischen Titel "Zeitenwende" war ein kleiner Wecker zu sehen, der als Symbol, vielleicht auch als Zeichen verstanden werden kann, das in künstlerisch verdichteter Gestalt einen ganzen Erfahrungsschatz bündelt.

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