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Hechingen Lindich-Versteigerung für 1,11 Millionen

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Eine verwunschene Idylle ist das Gelände am Lindich, das einst von der Polizei genutzt wurde. Nun hat es Gabi Jäger aus Erbach für 1,11 Millionen Euro in einer Zwangsversteigerung erworben. Sie will einen gut erhaltenen Gebäudeteil sanieren, mit ihrer Familie dort einziehen und eine Stiftung gründen, deren Zweck sie allerdings noch nicht preisgeben wolle. Auf jeden Fall soll künftig auch die Öffentlichkeit Zugang zu dem Gelände erhalten. Foto: Stopper

Hechingen - Für 1,11 Millionen Euro ist am Donnerstag das Baracken-Gelände am Lindich zwangsversteigert worden. Den Zuschlag erhielt Gabi Jäger aus Erbach bei Ulm. Sie will mit ihrer Familie dort einziehen, eine Stiftung gründen und keinesfalls das Hotelprojekt weiterverfolgen.

Es war ein spannendes Bieterduell, das sich im Amtsgerichtssaal 181 am Donnerstagmorgen von 9.30 Uhr an entspann. Viele neugierige Zuschauer, vier Interessenten, die Gebote abgaben. Darunter Landwirt Ernst Strudel, der in der Versteigerung vor einem Jahr noch alleine bot, aus Unkenntnis der Rechtslage aber nur 4000.000 Euro. Damit lag er unter dem Mindestgebot von 512 850 Euro. Das dürfte ihn wohl sehr geärgert haben, denn so endete die Versteigerung damals ergebnislos. Er habe halt mit Versteigerungen keinerlei Erfahrung, meinte er hinterher.

Jedenfalls war er bereit, wesentlich mehr Geld für das Gelände auszugeben. Sein letztes Gebot am Donnerstag lag bei 1,1 Millionen Euro. Dann stieg er aus. Ebenfalls als Bieter aktiv war der Hechinger Unternehmer Josef Albus, der bei 900.000 Euro ausstieg.

Und wer ist nun Gabi Jäger, die für eine Million und 110.000 Euro den Zuschlag erhielt? Viel gab sie nach der Versteigerung nicht über sich preis. Aufgewachsen ist sie wohl in Biberach, die Familie wohnt in Erbach bei Ulm, möglicherweise ist es eine Unternehmerfamilie, das war im kurzen Gespräch herauszuhören. Während sie in der Versteigerung absolut kaltblütig vorging und stets gleichmütig das Gebot der anderen um 10.000 Euro überbot, war sie anschließend im Gespräch eher emotional und begeistert vom besonderen Flair des Lindich-Geländes.

Vor drei Wochen erstmals zum Lindich gefahren

Von der Versteigerung habe sie aus dem Internet erfahren, vor drei Wochen sei sie dann mit ihrer Familie erstmals zum Lindich gefahren, und alle – ganz besonders wohl ihre Tochter – seien hellauf begeistert von dem Anwesen gewesen. In Biberach aufgewachsen, kennt sie den Zoller und die Gegend natürlich. "Das ist einfach schön hier", sagt sie erfreut.

Von ihren Erkundigungen in Hechingen über den Lindich – unter anderem auch bei der Stadt – war sie etwas enttäuscht. Ihr Eindruck: Da sei alles schon irgendwie abgeklärt gewesen. Sie habe das eher angespornt, hier nun mitzubieten.

Nun soll das Hauptgebäude links vom Eingangstor, das noch halbwegs intakt ist, als Wohngebäude saniert werden, "und das weitere sehen wir dann", sagte sie. Die zerfallenen Baracken müsse man natürlich abreißen. Wichtig sei ihr, dass das Gelände nun nicht maximal "kapitalistisch" verwertet werde – die bereits genehmigten Wellness-Hotel-Pläne lehnt sie deshalb ab.

Stattdessen will die Familie eine Stiftung gründen und einen Teil des Geländes so nutzen, dass es für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Weitere Fragen ließ sich höflich lächelnd unbeantwortet.

Ernst Strudel gratulierte ihr nach der Versteigerung zu ihrem Erfolg. Er könne "mit dem Ergebnis leben", sagte er auf Nachfrage unserer Zeitung. Er hatte mit Gabi Jäger bereits vor der Versteigerung Kontakt, sein persönlicher Eindruck: "Wir werden als Nachbarn sicher keinen Ärger kriegen."

Piccinni kann noch vor Gericht klagen

Denn eines seiner Motive, das Lindich-Gelände ersteigern zu wollen, waren die negativen Erfahrungen, die er mit Cosimo Piccinni, dem vorigen Eigentümer des Geländes, gemacht hat. Gerichtsklagen, ständige Reibereien. Strudel ist beruhigt, dass das nun vorbei zu sein scheint, obwohl Piccinni hier noch nicht ganz Vergangenheit ist.

Wegen offener Darlehensforderungen hatte die Tübinger Sparkasse 2015 die Zwangsversteigerung des Geländes beantragt und es unter Zwangsverwaltung gestellt. Piccinni durfte nicht mehr auf das Gelände, aber juristisch war er weiter höchst aktiv und versuchte durch allerlei juristische Einwendungen, die Versteigerung zu verhindern, was stets vom Amtsgericht verworfen wurde.

Den vorläufig letzten Versuch startete er am Donnerstag kurz vor der Versteigerungsbeginn. Wieder ohne Erfolg. In einem fünf Jahre dauernden Verfahren kurz vor der Versteigerung einen Eilfall geltend machen zu wollen, da machte das Gericht nicht mit. Nun kann Cosimo Piccinni noch vor Gericht klagen, sodass derzeit niemand sagen kann, wann das Versteigerungsergebnis rechtsgültig ist und Familie Jäger einziehen kann.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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