Gesetzlich wird die Möglichkeit, das HCH-Kennzeichen zu führen, wohl im Herbst eingeführt. Über Hintergründe und Gestaltungsspielräume sprach nun Bürgermeisterin Dorothea Bachmann mit Professor Ralf Bochert. Foto: Stopper

Professor Bochert erläutert in Hechingen aktuellen Stand der Kennzeichen-Debatte.

Hechingen - Ein HCH-Autokennzeichen für Hechingen – dafür wird der Bundesrat wohl im Herbst die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen. Interessant wird, wie sich dann der Landkreis verhalten wird.

Gestern machte Professor Ralf Bochert Station im Hechinger Rathaus und erläuterte Bürgermeisterin Dorothea Bachmann seine Forschungen an der Universität Heilbronn, mit denen er die bundesweite Alt-Kennzeichen-Welle mit angeschoben hat.

Bochert schilderte auch die Entscheidungsmacht, die die Landkreise in dieser Frage erhalten können. Da das Gesetz noch nicht erlassen sei, könne er nur Vermutungen anstellen, betonte er. Grundsätzlich aber hält er es für wahrscheinlich, dass die Landkreise die entscheidende Instanz für die Einführung von Altkennzeichen werden. Landrat Günther-Martin Pauli hat aber früher schon angedeutet, dass er Vorbehalte gegen HCH hat, weil er eine Spaltung im Landkreis fürchtet.

Denkbar wäre, dass der Kreis sein bisheriges Kennzeichen von BL auf ZA ändert, erklärte Bochert. Diese Idee hatte Landrat Günther-Martin Pauli bereits im Frühjahr auf Nachfrage unserer Zeitung geäußert. Die Balinger könnten BL dann als Sonderkennzeichen beantragen, die Hechinger HCH und die Albstädter ALB, falls dies gewünscht wäre. Für kleinere Gemeinde gäbe es diese Möglichkeit nicht. Die Mehrkosten würden über die Gebühren für die Sonderkennzeichen weitergegeben.

Bochert geht davon aus, dass die Nachfrage groß ist. Er nannte Wetzlar, das bereits die Möglichkeit zum eigenen Kennzeichen erhalten hat. "Am ersten Tag wurden 700 Anträge gestellt", so der Professor. Im Herbst will er in Hechingen in einer Umfrage ein Meinungsbild erheben. Er rechnet mit mehrheitlicher Zustimmung zu HCH.

Stärker mit ihren Städten identifizieren

Menschen würden sich viel stärker mit ihren Städten identifizieren als mit Landkreisen, die eher als Verwaltungsebene gesehen würden, erklärte der Professor. Und ein eigenes Kennzeichen werbe als Marke für eine Stadt. "Städte mit eigenen Kennzeichen werden als größer und für Einkäufe attraktiver bewertet, als sie eigentlich sind", fasste er Umfrageergebnisse zusammen. Auch im Tourismus sei ein eigenes Kennzeichen ein Werbeträger, "und zwar einer, der die Gemeinden nichts kostet".

Bürgermeisterin Bachmann horchte bei diesem Argument auf, grundsätzlich wollte sie sich aber nicht festlegen. Nicht gleich wieder Gräben zum Landratsamt aufreißen, schien ihre Devise zu sein. Sie verwies darauf, dass der Gemeinderat bereits entschieden hat, die Initiative für ein HCH-Kennzeichen zu unterstützen. Wenn das Gesetz dafür im Herbst vorliege, werde über das weitere Vorgehen noch einmal beraten. "Aber wenn alle das HCH wollen, bin ich natürlich auch dabei", versicherte sie.