Ein Ausnahmepianist, der in Hechingen für ein Benefizkonzert Saalmiete zahlen muss: Justus Frantz begeisterte mit seinem Konzert die Zuhörer, übte aber auch Kritik an der Stadt. Foto: Beyer

Justus Franz wendet sich mit kostenlosem Vortrag an Kinder. Konzert schlecht besucht.

Hechingen. Justus Frantz – der Name steht für großartige Konzerte mit hervorragenden Orchestern und für engagierte Talentförderung. Am Mittwoch zeigte er sich in der Stadthalle als Kulturbotschafter. Und übte leise Kritik an der Stadt Hechingen.

Der Begründer des "Schleswig-Holstein-Festival" stellte sich zunächst zu einem Kinder-Nachmittagsprogramm bei freiem Eintritt zur Verfügung, um jungen Hörern klassische Musik näher zu bringen. Im abendlichen Konzert unter dem Motto "Klavierdialoge" wandte er sich an die Erwachsenen und gab ihnen Einblick in die Entstehung und die Besonderheiten von drei Klaviersonaten Mozarts.

Die Auswahl des Komponisten war kein Zufall. Mozart, Beethoven, Brahms - für Justus Frantz sind dies Identität stiftende Persönlichkeiten des deutschen Volkes. Er kämpft dafür, dass seine Heimat in Zeiten "akustischer Umweltverschmutzung" nicht kulturelles Entwicklungsland wird. Musik vermittele jungen Menschen Werte, Musikunterricht sei "ein Muss".

Meister entpuppt sich als Magier

Die Hechinger Stadthalle war am Mittwochnachmittag mit etwa 250 Besuchern gefüllt. Mütter mit Kindern aus dem gesamten Kreisgebiet waren angereist, der Hechinger Grundschulrektor Hartmut Markert und seine Lehrerkollegen hatten 60 Schüler für diese Veranstaltung begeistert. Niemand bereute seine Entscheidung, die Klassik-für-Kids-CDs verkauften sich gut, der Meister entpuppte sich als Magier, der es verstand, die Kinder zu begeistern und in den Bann zu ziehen. So verdeutlichte er an Klang-Beispielen aus Mozart-Klavierstücken, wie Musik Gefühle ausdrücken kann.

Auch in seinem Konzert am Abend ging es ihm darum, Mozarts Emotionen auf dessen Paris-Reise als Grundlage für die Entstehung von Sonaten herauszustellen. Hierbei zeigte Justus Frantz mit Klangbeispielen zunächst die formalen Grundlagen und inhaltlichen Besonderheiten der Stücke, bevor er in der ihm eigenen, faszinierend-makellosen Interpretation die Werke spielte. Jedem wurde dabei klar, warum er als Ausnahmepianist gilt.

Es war ein Benefizkonzert zugunsten der Stiftung des von ihm geleiteten Junge-Talente-Orchesters "Philharmonie der Nationen". Wohl auch deshalb war Justus Frantz enttäuscht, dass nicht einmal 100 Gäste im Publikum saßen. Sein letztes Konzert im Museum sei ausverkauft gewesen, wunderte er sich. Enttäuscht zeigte er sich auch darüber, dass er Saalmiete bezahlen musste, obwohl es sich um ein Benefizkonzert handelte. Für die Bemerkung, dass "auch ein Hechinger Bürgermeister ethische Grundsätze beachten" müsse, erhielt er viel Beifall.