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Hechingen Junger Schotte liebt adlige Französin

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Ulrich Wanner, bekennender Lesefanatiker und ehemaliger Feuilleton-Redakteur großer Tageszeitungen, gibt einen ungewöhnlichen Buchtipp. Foto: Stopper Foto: Schwarzwälder Bote

Wenn man ein Intellektueller ist – und Uli Wanner kann man sicher zu dieser Gruppe zählen – dann greift man für die Bewältigung von Corona-Fragen auch schon mal auf Philosophen zurück. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling etwa oder Henri Bergson.

Hechingen. Aber natürlich ist ihm auch klar, dass für die Fortführung unserer im Frühjahr begonnen Lesetipp-Reihe solcherlei Lesestoff zu schwere Kost wäre. Obwohl; aber darauf kommen wir später zurück.

Zuerst also die Empfehlung. Und da muss es natürlich ein Buch sein, das nicht mehr im normalen Buchhandel erhältlich ist, nur noch antiquarisch. Früher musste man sich für so etwas durch vergilbte Stapel in verstaubten Antiquariaten wühlen, deren Adresse kaum jemand kannte. Heutzutage schaut man im Internet, wo gebrauchte Bücher ganz einfach gehandelt werden. Ist zwar unkomplizierter, aber irgendwie auch reizloser. Egal.

Also der Tipp: "Der Botschafter des Königs" von Walter Scott. Erschienen im Insel-Verlag. Walter Scott lebte von 1771 bis 1832 in Schottland, war über Europa hinaus einer der meistgelesenen Autoren seiner Zeit und gilt als Begründer des Geschichtsromans.

Das Buch handelt denn auch von einem jungen schottischen Adligen mit wachem Geist und resoluter Kampfeskraft, dessen Familie durch Intrigen ausgemerzt wird, so dass er an den französichen Königshof flüchten muss, wo er dem König so imponiert, dass er gleich in die Leibgarde gedungen wird.

"Der Schwierige" liest er alle paar Monate

Eigentlich eine Ehre, nur halt nicht für einen so jungen Freigeist. Und dann kommt noch ein Sonderauftrag, der darin besteht, eine wunderschöne junge Adlige auf einer Reise zu schützen. Da zündet es natürlich schnell. Aber auf das Fräulein hat auch ein ekliger anderer Aristokrat ein Auge geworfen. Intrigen. Hinterhalte. Wunderbar. Wer da an "Die drei Musketiere" denkt, liegt von der Gattung her richtig.

Aber was imponiert Uli Wanner am Scott-Buch besonders? Natürlich der Schreibstil. Wuchtig, differenziert, farbig, mit Herz und aufgeladen mit Aktivitäten, die einen in die romantischen Strudel dieser alten Zeiten saugen. Dazu kommt: Es ist hier ein einzelner Held, was viel Raum für eine ambivalente Zeichnung seiner Persönlichkeit gibt. Gerade das gefällt Uli Wanner, denn er ist überzeugt, dass in der heutigen Massengesellschaft als Form des Widerstands nur in Frage kommt "ein Einzelner zu sein".

Nicht um sich abzusondern, sondern um "Lebensschwungkraft" zu gewinnen. Dieses Wort hat Uli Wanner im Werk von Henri Bergson gefunden, den er für sich zu seinen "Lebensphilosophen" zählt. Für Uli Wanner, der vor der Rente beruflich Feuilletonist bekannter Tageszeitungen war, sind Auseinandersetzungen mit philosophischen Texten stets Lebensinspiration gewesen. Er bezeichnet sich als "Lesefanatiker". Wer ihn kennt, wird da nicht widersprechen.

Wie man so wird? Brutstätte für sein Wesen war sicher die Bücherei des Internats in Königsfeld, "da saß ich den ganzen Tag", erzählt er. Manchmal strich er auch mit einem Geistesfreund durch die Natur und diskutierte über Kafka und Becket. Der Büchereileiter war ein Künstler, der den jungen Leser mit Freude begleitete. Was ihm auffiel: Uli Wanner las intensivst die Werke von Hugo von Hofmannsthal. Das machten sonst wenige. Um nicht zu sagen: schlicht niemand.

"Ich traf den Jahre später, und er erzählte mir, dass ich immer noch der einzige Name bin, der als Leser dieser Bücher eingetragen ist", erzählt Uli Wanner. "Der Schwierige" von Hoffmannstal ist bis heute eines seiner Lieblingsbücher, "das lese ich alle paar Monate mal", erzählt er.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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