Kinderärztin Rita Ziebach (Zweite von links) steht für ihre kleinen Patienten wie gewohnt zur Verfügung. Die medizinischen Angestellten (von links) Lisa Fechter, Anika Stehle und Auszubildende Sarah Göring tun alles dafür, dass die Praxisräume steril bleiben. Foto: Witte

In Kinderarztpraxis ist seit Schließung der Kindergärten weniger los. Verstärkte Hygienemaßnahmen.

Hechingen - Kinderärzte stehen auch in der aktuellen Situation für ihre kleinen Patienten bereit. Die meisten Praxen haben aber ihre hygienischen Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, um die Gefahr einer Infektion mit dem Coronavirus von vorneherein einzudämmen. Wir haben Kinderärztin Rita Ziebach gefragt, was sich für sie und ihr Team im Alltag verändert hat.

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Vielen Eltern war es wahrscheinlich gar nicht bewusst, aber in der Kinderarztpraxis von Rita Ziebach wurde auch schon vor Corona viel getan, um die Gefahr eine Ansteckung zwischen den kleinen Patienten möglichst gering zu halten. "Zur Zeit behandeln wir vormittags in der Regel Kinder ohne Infektion und die Kinder mit Infektion kommen am späteren Nachmittag zu uns", erklärt die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin die Organisation in ihrer Praxis.

Da die meisten Kinder aufgrund der geschlossenen Kitas derzeit zuhause sind und viele Eltern im Homeoffice arbeiten, ließe sich das im Moment auch vonseiten der Eltern und Kinder meist zeitlich ganz gut einrichten. Und noch eine weitere Wirkung hat die Schließung der Kindergärten und Schulen: "Es kommen momentan nur ganz wenige Kinder mit Infekten zu uns", so Ziebach – die Ansteckungsquote auch mit anderen Krankheiten scheint sich also durch die Maßnahmen deutlich verringert zu haben.

Gefahr einer Übertragung auf Personal wird eingedämmt

Einige Patienten habe sie bereits auf das Virus getestet, in Hechingen habe es aber bislang unter den von ihr behandelten Kindern noch keinen Fall gegeben, so Ziebach. Trotzdem trifft das Team alle Vorkehrungen, um im Fall eines infizierten Kindes die Gefahr einer Übertragung auf das Personal oder andere Kinder maximal einzudämmen. "Alle Flächen werden ständig desinfiziert, kranke und gesunde Kinder begegnen sich nicht", so Ziebach.

Sogar die Behandlungsräume werden seit der Pandemie je nach Grund des Arztbesuches unterschiedlich genutzt. In der Praxis stehen zudem mehrere unterschiedliche Wartebereiche zur Verfügung, in denen die Patienten, möglichst separiert voneinander, warten können. Wer einen Termin hat – zur telefonischen Voranmeldung wird dringend geraten – kann je nach Situation oft auch schon direkt im Behandlungszimmer warten. "Wenn jemand sehr ängstlich ist, haben wir im Zweifelsfall auch noch die Möglichkeit, den Flur des Gebäudes zu bestuhlen und zum Warten zu nutzen", so Ziebach.

Beim Patientenkontakt tragen alle im Team Mundschutzmasken – denn bei einer Untersuchung lässt sich der Mindestabstand eben nicht einhalten. Und wenn die Kinder Husten oder Fieber haben, also ein Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus besteht, tragen sie die komplette Schutzausrüstung. "Das finden die meisten Kinder dann sehr gruselig, aber es ist ja zum Glück nur in wenigen Fällen notwendig", so Ziebach.

Rolle der Kinder als Virusüberträger wird kontrovers diskutiert

Was das Verhalten der Eltern angeht, zieht die Kinderärztin eine positive Bilanz: "Viele halten sich im Moment eher zurück damit, wegen eines gewöhnlichen Schnupfens sofort zum Arzt zu gehen und warten erstmal ab, ob die Symptome nach wenigen Tagen abklingen".

Mittlerweile sei den meisten Eltern durch die Medien bekannt, dass das Coronavirus bei Kindern in den allermeisten Fällen einen sehr schwachen Verlauf nimmt und somit nicht lebensgefährlich wird. "Es wird kontrovers darüber diskutiert, ob Kinder eine wesentliche Rolle bei der Übertragung des Virus auf Erwachsene spielen, ich gehe aber schon davon aus, dass sie das Virus auch auf Erwachsene übertragen", so Ziebach. Dadurch, dass der klassische Coronainfekt ausbleibe, sei eine Ansteckung anderer aber vermutlich etwas unwahrscheinlicher.

Eltern, die sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder machen, aber nicht sicher sind, ob und wann ein Arztbesuch notwendig ist, können sich immer telefonisch in der Praxis melden. Ziebach bittet generell darum, nicht ohne telefonische Voranmeldung zu kommen. "Die medizinischen Fachangestellten können viele Fragen, auch bezüglich Corona, telefonisch klären", so Ziebach. Und das Team tausche sich täglich über Neuigkeiten bezüglich der Pandemie aus.

Generell habe sie aber auch das Gefühl, dass die meisten Eltern schon relativ gut aufgeklärt sind. "Bei Corona scheint die Berichterstattung recht gut zu sein – es wird wenig Unsinn verbreitet", so Ziebach. Verunsichert seien oft schwangere Frauen oder Mütter von Neugeborenen: "Nach allem, was wir bisher wissen, ist ein schwerer Verlauf bei Schwangeren und Neugeborenen aber eher unwahrscheinlich", beruhigt Ziebach. Viele der Eltern stellen vor ihrem Besuch auch die Frage "Sind Sie da?" – und die beantwortet Ziebach mit "selbstverständlich" – denn gerade in solchen Zeiten sei es wichtig, dass die Kinder in einer ihnen vertrauten und nahen Umgebung behandelt werden können.

Die Kinderärztin rät übrigens davon ab, Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen aufgrund des Virus zu verschieben – schiebt man diese auf, könnten für Kinder weitaus schlimmere Infektionen als Covid19 wie Masern oder Hirnhautentzündung, oder das Verpassen von relevanten Entwicklungs- und Gesundheitsrisiken die Folge sein.