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Hechingen Im Plauderton über das römische Landgut

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Die Römerin Quintilla gewährte ihren Gästen bei der Kostümführung im Freilichtmuseum in Stein viele interessante Einblicke in ihr alltägliches Leben als wohlhabende Landgutbewohnerin. Foto: Maute Foto: Schwarzwälder Bote

Wenn sie ihre Türen öffnet, taucht man nicht nur in eine völlig andere Welt, sondern auch in eine andere Zeit ein: Herzlich willkommen im Domizil der Römerin Quintilla, hieß es im Freilichtmuseum Stein.

Hechingen-Stein. Sie läuft nicht, nein, sie schreitet. Geradezu hoheitsvoll wandelt sie durch die Gänge der Villa Rustica, begleitet von den ehrfurchtsvollen Blicken der Besucher. Ihre vornehme Erscheinung lässt keinen Zweifel daran: Hier gewährt eine wohlhabende Dame der römischen Gesellschaft Einblick in ihre Gemächer.

Und parallel dazu in eine Zeit, in der die Reise bis "Sumelocenna" (Rottenburg) schon mal einen ganzen Tag in Anspruch nahm. Doch wen wundert es. Schließlich befinden wir uns im Jahr 990 nach der Gründung Roms.

"Ich nehme an, Sie wollen sich nicht auf Latein mit mir unterhalten?", begrüßt Quintilla ihre Besucher. Nein, darauf legen diese nun wirklich keinen gesteigerten Wert. Dann eben auf Hochdeutsch mit schwäbischem Akzent. Schließlich war ihre Amme Schwäbin, wie sie verrät. Nun denn – "Salve in Stein."

Aber Achtung beim Betreten des Gebäudes, warnt Quintilla ihre Gäste gleich vor. Denn dabei soll man unbedingt den linken Fuß zuerst auf die Treppe setzen. Alles andere bringe Unglück. Während die gut 30 Führungsteilnehmer ihrer Gastgeberin im Gänsemarsch folgen und konzentriert ihren Ratschlag beherzigen, kommt diese schnell ins Plaudern.

Das Landgut, so erklärt sie, sei gleichzeitig ein Hotel. Die Besucher könnten hier ein Bad nehmen und sich stärken. Einige von ihnen scheinen das auch bitter nötig zu haben. "Sie tragen Beinkleider?", fragt Quintilla sichtlich entsetzt in die Runde. "Dann müssen Sie überfallen worden sein!" Plünderungen seien hier eben leider an der Tagesordnung, bedauert die letzte Bewohnerin der Villa Rustica und weist auf Hinterlassenschaften wie Sicheln ohne Griff.

Kurznachrichten per Wachstäfelchen

"Mir bleibt nur noch Schrott", klagt die Römerin, die Luxusgütern wie Wein aus anderen Provinzen alles andere als abgeneigt ist und Mercurius, den Gott des Handels und des Geldes, bevorzugt. Um sich nicht auf die Straßen wagen zu müssen, verschickt Quintilla Kurznachrichten, die sie in Wachstäfelchen einritzt und von einem reitendem Boten zum nächsten Landgut bringen lässt. Sind diese nicht für das Auge des Gatten bestimmt, vergisst sie auch nicht, sie vor dem Eintreffen desselben über einer Flamme wieder zu löschen.

Ansonsten lässt sie sich auch gerne in ihrer Sänfte von vier starken Männern von A nach B tragen. Am Sonntag standen allerdings ihre Gastgeberpflichten im Mittelpunkt. Was sie den Anwesenden zum Mahl servierte? Auf jeden Fall keine Flamingozunge. Denn diese gönne sich höchstens mal Kaiser Augustus. Stattdessen kamen Speisen wie Moretum (eine Kräuter-Käsemischung) und Libum (ein Opferbrot) auf den Tisch. Angestoßen wurde mit Mulsum, einem römischen Wein mit Honig.

Doch wer steckt hinter der charmanten Römerin? Es ist Iris Kappler aus Leinfelden-Echterdingen, die im richtigen Leben eine Anwaltsrobe trägt. Seit sie sich als Schülerin in den 80er Jahren mit dem "Villa-Rustica-Virus" infiziert hat, teilt sie, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Kanzlei in Sindelfingen führt, die Leidenschaft von Museums-Chef Gerd Schollian.

Dem Römischen Freilichtmuseum in Stein ist Iris Kappler bis heute treu geblieben und engagiert sich dort auch im Förderverein. Wenn sie in die Rolle der Quintilla schlüpfe, gehe sie ganz darin auf und genieße es, die Augen der begeisterten Besucher zum Leuchten zu bringen, erzählt sie. Das nächste Mal wird sie das im September tun, denn dann wird es wieder eine Kostümführung in Stein geben.

Ihre Redaktion vor Ort Hechingen

Klaus Stopper

Fax: 07471 9874-21

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