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Hechingen "Ich sah nie wieder so viel Brutalität"

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Uwe Dähn (links) spricht über die Ereignisse rund um den Tag des Mauerfalls im Jahr 1989, aber auch über seine Jugend als Widerständler in der DDR. Die Schüler folgen dem Vortrag des Zeitzeugen und befragen ihn anschließend. Fotos: Witte Foto: Schwarzwälder Bote

Anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls besuchte Uwe Dähn als Zeitzeuge das Gymnasium. Er erklärte den Schülern, was rund um den 9. November geschehen ist, sprach aber auch über seine eigene Jugend in der ehemaligen DDR.

Hechingen. " Ich bin in einem staatstreuen kommunistischen Elternhaus aufgewachsen", erzählt Uwe Dähn in der gut gefüllten Aula des Hechinger Gymnasiums. Dies half dem Berliner, unter die vier Leute in seiner Klasse zu kommen, die das Gymnasium besuchen durften – hinderte ihn jedoch nicht daran, später im Widerstand gegen das Regime der DDR aktiv zu werden. Der Berliner erzählte Schülern der Klassen 9 bis 12, wie es war, in der DDR aufzuwachsen – als er als Fünfjähriger mit seinen Eltern etwa die Großmutter besuchen wollte, wurde die Familie von Stasibeamten für Flüchtlinge gehalten und nach Hause geschickt. Erst drei Jahre später durfte Dähn seine Großmutter wieder sehen. Auch sprach der Berliner im Gymnasium über den Widerstand und darüber, wie die Demonstrationen im Oktober und November 1989 schließlich zum Mauerfall führten.

"Es ist selten, dass wir Personen zu Gast haben, die uns die Geschichte aus eigener Erfahrung näher bringen", sagt Geschichtslehrerin Antonia Schmidt, die gemeinsam mit einem Kollegen den Berliner über die Havemann-Gesellschaft dafür gewinnen konnte, nach Hechingen zu reisen – mitsamt alten Zeitungsausschnitten, Stasi-Dokumenten über seine Person und alten DDR- Karten von Berlin.

Dähn wurde 1950 geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Berlin. Nach dem Abitur machte er eine Berufsausbildung zum Facharbeiter für Filmherstellung, wonach er von 1969 bis 1976 Politische Ökonomie in Leipzig und Berlin studierte. Dähn war ein fleißiger Student, der sich jedoch die Fähigkeit zum kritischen Denken bewahrte – spätestens, als Liedermacher Wolf Biermann 1976 nach einer Konzerttour in der BRD die Einreise in die DDR verweigert wurde, war dem damals jungen Berliner klar: "Dieser Spießerstaat kann nicht das sein, was Marx gewollt hat".

Die Mitglieder der Widerstandsgruppe wurden abgeführt

Dähn arbeitete nach dem Studium am Institut für Wirtschaftswissenschaften an der Akademie der Wissenschaften in Berlin. Doch bereits als Student gründete der Berliner mit Gleichaltrigen die Widerstandsgruppe, um "theoretische und praktische Alternativen zum real existierenden Sozialismus zu erarbeiten", wie ein interner Vermerk des Ministeriums für Staatssicherheit festhielt. Die jungen Widerständler organisierten Bücher aus dem Westen. Als die Gruppe aufflog, wurden die Mitglieder von der Stasi verhaftet und verhört – Dähn erhielt ein Berufsverbot, was ihn aber nicht davon abhielt, sich dann eben in freien Theatergruppen als Regisseur zu engagieren.

Der Berliner schilderte den Schülern die Ereignisse im Oktober und November des Jahres 1989, kurz bevor und als die Mauer fiel: "Ich habe nie wieder in meinem Leben so viel Brutalität gesehen", sagt der Zeitzeuge über die Demonstrationen am 7. Oktober anlässlich der Feierlichkeiten zum 40. Geburtstag der DDR. Frauen wurden an den Haaren gezogen, Männer mit Knüppeln geschlagen und auch Kinder seien nicht verschont geblieben, so Dähn. Doch der Wunsch der Menschen nach einem Leben in Freiheit war groß: "Das Irre ist, dass die Leute die Power hatten, das durchzuhalten", sagt Dähn.

Anfangs noch zurückhaltend, trauten sich einige der Schüler dann doch, dem Zeitzeugen Fragen zu stellen: "Haben Sie darüber nachgedacht, zu flüchten?", wollte ein Schüler wissen. "Ja, aber es gab auch Gründe zu bleiben", so der Berliner. Seiner Mutter sei es nicht gut gegangen und er habe Angst gehabt, sie alleine zu lassen.

Und ob es Dinge gab, die in der DDR besser waren als im Westen, wollte ein anderer Schüler wissen: "Nicht ohne ein aber", lautet die Antwort des Berliners: "Ich habe damals für 45 Mark in einer 1,5-Zimmerwohnung gewohnt – man konnte billig leben, aber die Wohnung würde ich nicht wieder wollen", so Dähn.

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