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Hechingen Geld ergaunert: Betrüger bleibt in Haft

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Irgendwann fliegt alles auf: Ein 40-jähriger kommt wegen gewerbsmäßigen Betrugs für die nächsten Jahre hinter Gitter. Foto: Dedert

Hechingen - Aus mit den Betrügereien: Der 40-Jährige, der über Jahre hinweg gutgläubige Zeitgenossen um fast 800.000 Euro erleichtert hat, bleibt in Haft: Die Große Strafkammer des Hechinger Landgerichts schickt ihn für fünf Jahre und neun Monate hinter Gitter.

"Sie sind eine schillernde Persönlichkeit", sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. "Sie hätten Ihre Fähigkeiten auch ganz anders nutzen können. Es ist ein Trauerspiel, es gibt in dieser Situation keine Gewinner." Beim Strafmaß sei das Gericht entgegenkommend gewesen, habe Augenmaß bewahrt: "Wir wollen Sie bestrafen, aber nicht vernichten."

Ungewöhnlich ist nach Einschätzung des Staatsanwalts, dass "ein einzelner Mensch über Jahre mit derselben Betrugsmasche Menschen ausnimmt und an den Ruin führt". Dabei habe dieser durchaus Talent gezeigt: Manch einer der Geprellten habe gar nicht glauben wollen, dass es ein und derselbe Mann war, der sie mal als Schweizer, dann wieder als "Herr Fischer" oder unter anderen Namen kontaktiert und dazu gebracht hatte, ihr Erspartes herauszugeben.

Angeklagter hat "zwei Gesichter"

Er habe die Geschädigten allesamt an einem empfindlichen Punkt getroffen: Sie hätten davor schon Geld in den Sand gesetzt, indem sie in eine Firma investierten, die Pleite ging. Daher seien sie für die leeren Versprechungen des Angeklagten besonders empfänglich gewesen. "Zwei Gesichter" habe dieser Mann – das eine familiär und nett, man habe sich auch über Privates unterhalten, das andere skrupellos: Wenn den Opfern das Geld ausgegangen sei, habe er sie ermutigt, ihr Hab und Gut zu veräußern, um welches locker zu machen.

Nach der Verständigung zwischen Gericht, Staatsanwalt und Verteidigung waren viele Anklagepunkte eingestellt worden. Die übrigen 182 Fälle seien "besonders schwere Fälle des Betrugs", sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Und: "Jede einzelne Tat war gewerbsmäßig." Zumindest einer der Geschädigten sei dadurch in eine finanzielle Notlage geraten. Das habe der Angeklagte billigend in Kauf genommen.

Zwar habe der "talentierte Herr Fischer" mit dem Geld seine Spielleidenschaft finanziert. Ein Sachverständiger habe ihm Spielsucht bescheinigt, jedoch keine verminderte Schuldfähigkeit. Auch habe der Angeklagte "relativ früh die Hosen runtergelassen", was für ihn spreche. Aber eine Wiedergutmachung des Schadens, die er in Aussicht gestellt habe, sei nicht möglich, sagte der Staatsanwalt. Denn das Geld sei weg. Sechs Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe forderte der Staatsanwalt, zudem den Einzug von 735.321 Euro zu Lasten des Angeklagten.

Der Verteidiger konnte den Vorwürfen des Staatsanwalts nicht in jedem Punkt folgen. Vor allem, was die finanzielle Notlage der Opfer betraf. Das Ehepaar aus dem Zollernalbkreis habe ein gutes Einkommen, plädierte er, und etliche Immobilien. Der Landwirt vom Starnberger See besitze einen landwirtschaft­lichen Betrieb, der Millionen wert sei. Und der Designer aus München habe ein Patent angemeldet, das er für 400.000 Euro verkaufen könne, um die Schulden bei Banken und Freunden zu tilgen. Wenn er sich in München eine Miete von 1200 Euro leiste, könne er so bedürftig nicht sein. Dass ein Zeuge seinen Mandanten als "Gauner" und "Drecksack" bezeichnet habe, sei unfair. Tatsache sei, dass die Geschädigten "sehr leichtgläubig" gewesen seien.

Sein Mandant habe seinen Lebensmittelpunkt in Aachen, und weil er seit acht Monaten in Untersuchungshaft sitze, habe er seine Lebensgefährtin und das gemeinsame kranke Kind ein einziges Mal sehen können. Er halte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten für angemessen, sagte der Verteidiger.

"Ich habe Bockmist gebaut", sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort, "es tut mir von ganzem Herzen Leid. Für mich ist nicht klar, warum es so weit gekommen ist."

Das Gericht blieb mit dem Strafmaß unter dem, was der Staatsanwalt gefordert hatte, und einige Monate über dem, was der Verteidiger für angemessen hielt – vorausgesetzt, eine frühere Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt ist, kommt nicht noch in Vollzug: Dann nämlich müsste der 40-Jährige vier Monate länger sitzen.

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