Naturbelassene Wiesen geben den Insekten einen Lebensraum.Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Naturschutz: Nabu empfiehlt, Gräser stehen zu lassen

Hechingen. Der Hechinger Naturschutzbund (Nabu) weist in einer Mitteilung darauf hin, dass eine frühe Mahd im öffentlichen und privaten Bereich den Insektenrückgang verstärkt.

In vielen Gärten wird allenthalben Rasen gemäht, Straßen- und Wegränder werden gemulcht und auch die Heuernte wird mancherorts schon bald losgehen. Der Tübinger Biologe Professor Oliver Betz, der bei der wegen Corona abgesagten Eröffnung der Insekten-Ausstellung der Hechinger Nabu-Gruppe die Einführung vorgenommen hätte, äußerte sich in einem Beitrag zu den Auswirkungen einer frühen Mahd auf die Insektenwelt:

"Der gegenwärtig zu verzeichnende Insektenrückgang betrifft nicht nur Bienen und Schmetterlinge, sondern die ganze Bandbreite von Insekten unserer Offenland-Lebensräume". Eine der Ursachen liege in der zu frühen und zu häufigen Mahd der Wiesen und betreffe nicht nur Wirtschafts-Grünland, sondern auch Streuobstwiesen, Wegränder, öffentliche Grünflächen sowie Grünbereiche in Privatgärten und Gewerbegebieten.

Wird zu früh (vor Mitte Juni) und zu häufig (mehr als zweimal pro Jahr) gemäht, verhindere dies bei vielen Wiesenpflanzen, von der Blüte bis zur Samenreife zu gelangen, so der Biologe. Dieser Prozess benötige im Durchschnitt etwa sechs Wochen.

Und auch Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten profitierten von der späten und selteneren Mahd – sie könnten sich dadurch vom Ei über die Larve bis zum geschlechtsreifen erwachsenen Stadium entwickeln. "Eine zu frühe und zu häufige Mahd wirkt wie ein Staubsauger, wodurch die Pflanzen- und Tiervielfalt unserer Grünflächen zunehmend verarmt. Darunter leiden auch die Vögel", so Betz.

Ein weiterer wichtiger Hinweis des Professors gilt der Entfernung des Mähguts. Häufig werde nur gemulcht, also das Schnittgut zerhäckselt und liegengelassen. Der hierdurch bewirkte Düngeeffekt führe zum Verlust der auf nährstoffarme Böden angewiesenen Pflanzen.

Erst ab Mitte Juni mähen

Die Hechinger Nabu-Gruppe appelliert Gartenbesitzer und Kommunen, Wiesen und Wegränder in möglichst großem Umfang erst ab Mitte Juni zu mähen. Landwirte sollten bei der Mahd des Grünlands einen gewissen Flächenanteil stehen lassen und entlang der Äcker Blühstreifen ermöglichen. Weitere Tipps im Internet unter: www.buntewiese-tuebingen. de.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: