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Hechingen Familiäre Probleme sind der Türöffner für Salafismus

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Samet Er Foto: Renner Foto: Schwarzwälder Bote

Hechingen. "Das Thema ist sehr brisant und hochaktuell", leitete Zehra Alkisoglu, Projektkoordinatorin des Hohenzollern Bildungsvereins, den Vortrag zum Salafismus am Donnerstagabend im Bildungshaus St. Luzen ein und übergab das Wort an Samet Er, islamischer Theologe und Berater in Gefängnissen.

"Das Thema wird uns auch in 20, 30 Jahren beschäftigen", erklärte Er, der in der niedersächsischen Justizvollzugsanstalt mit Syrien-Rückkehrern zu tun hat und Koordinator des Imamweiterbildungsprojekts am Institut für islamische Theologie an der Universität Osnabrück ist. Außerdem ist er seit mehr als zwei Jahren im Projekt "Dialog macht Schule" ehrenamtlich als Schulkoordinator aktiv. Für seine Doktorarbeit mit dem Titel "Der Salafismus als Jugendphänomen zwischen Religion und Extremismus" beschäftigte der ehemalige Metzinger sich mit diesem Thema und stellte in Hechingen die Ergebnisse vor.

Viele Jugendliche könnten nicht unterscheiden, welcher Art von Salafismus der Prediger, mit dem sie sich identifizieren, angehört. Es gebe den quietistischen, politisch-missionarischen und extremistischen/dschihadistischen Salafismus. Der politisch-missionarische Salafismus habe eine Affinität zu Gewalt. 3000 bis 5000 solcher Salafisten gebe es bundesweit, schätzt Er.

"Alle hatten familiäre Probleme", erzählte Er über seine Erfahrungen mit den Gefängnisinsassen. Es gebe vier Stufen der Radikalisierung, die physische und psychische Abwesenheit des Vaters und somit die fehlende Vaterrolle sei ein Merkmal von Salafisten. Ebenso eine lückenhafte Bildungsbiografie und ausbleibende Erfolgserlebnisse.

Dies könne in der zweiten Stufe zu einer Identitätskrise führen, verbunden mit Isolation und Entfremdung sowie Einsamkeit. Protest und das Gefühl der Provokation seien die Folge. Der aufgestaute Hass werde sodann durch Gewalthandlungen kompensiert.

Er nannte zusammenfassend sechs Punkte, die einen Menschen in den Salafismus treiben: Armut, Zwietracht (Familie, Umfeld, Gesellschaft), Gemeinschaft und Mission, Orientierung und Halt, Suche nach Gerechtigkeit und Unwissenheit.

Gefahr "Echokammer"

Dadurch könne man in eine Radikalisierungsspirale gelangen. "Die Echokammer ist die große Gefahr", erklärt er. Gemeint ist der Umstand, wenn viele Menschen in sozialen Netzwerken dazu neigen, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben und sich dabei gegenseitig in der eigenen Position zu verstärken. Dann passiere es, dass die Identifikation mit dem Islam als starker "Pull-Faktor" dient und dem Einzelnen das Gefühl des sinnvollen Handels gibt.

Als kurzfristige Lösungsmaßnahmen sieht Er polizeiliche Maßnahmen (zum Beispiel Fußfesseln) und Justizregelungen. Langfristig empfiehlt er das Vier-Phasen-Modell auf Basis des "Wing-Chin-Verfahrens mit Vertrauen und Authentizität. Dies bedeutet erstens Mentoring im Sinne vom langfristigem Beziehungsaufbau, Netzwerkarbeit sowie Fortbildungs- beziehungsweise Weiterbildungsmaßnahmen. Als vierten Punkt nannte Er Präventionsworkshops sowie die Umsetzung von offenen Diskussionsgruppen im Strafvollzug, in der Schule und Moscheegemeinde sowie in Wohnungen.

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