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Hechingen Exponate sorgen für Gänsehaut

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In der aktuellen Sonderausstellung im Hohenzollerischen Landesmuseum werden Amulette und Talismane aus der Sammlung Köstlin gezeigt. Museumsleiter David Hendel präsentiert eine Monstranz, die ursprünglich aus Stetten bei Hechingen stammt. Fotos: Maute Foto: Schwarzwälder Bote

Das Glück ist verschwenderisch, aber unbeständig, heißt es. "Pech gehabt?", fragt in diesem Sinne die aktuelle Sonderausstellung im Hohenzollerischen Landesmuseum. Und verspricht: "Wir haben was dagegen!"

Hechingen. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er nach Glück strebt. Doch mit dem Glück ist es freilich so eine Sache. Zu viele Fallstricke und potenzielle Gefahrensituationen pflastern den Lebensweg, seien es Unwetter, Krankheiten, Unfälle oder der einst viel beschworene böse Blick. Und so kann es nicht schaden, im Besitz von Amuletten und Talismanen zu sein, die Schutz in allen Lebenslagen verheißen. Davon war man zumindest in früheren Zeiten überzeugt. Rund 400 Glücks- und Schutzobjekte aus längst vergangenen Jahrhunderten sind derzeit in einer Sonderausstellung im Hohenzollerischen Landesmuseum zu sehen.

Die Exponate stammen aus der Sammlung des Hechinger Ehepaares Brigitte und Helmut Köstlin und zeigen auf faszinierende Weise, wie erfinderisch die Menschen damals waren, wenn es darum ging, das Pech zu bannen. "Die Objekte beziehen sich auf ganz unterschiedliche Themenbereiche", erklärt Museumsleiter David Hendel bei einem Rundgang. Von der Geburt bis zum Tod begleiteten sie den gesamten Lebensweg ihrer Besitzer, sollten etwa bei Kinderwunsch und Schmerzlinderung helfen.

Im Foyer im ersten Obergeschoss tickt treu eine Hochzeitsuhr aus dem Schwarzwald. Wem sie wohl einst die Stunde schlug? Das Besondere an diesem Objekt: Die "magischen Zahlen", aus denen sich meist religiöse Zusammenhänge ergaben.

Eines der Exponate aus menschlichem Schädel hergestellt

Die eins steht dabei für Gott, die Einheit. Die drei für die Dreifaltigkeit und die sieben für die damals bekannten sieben Planeten oder die Wochentage. Symbolen der Volksfrömmigkeit begegnet der Besucher auch in den Ausstellungsräumen. Neben Reliquiaren wie Kreuzen oder einer Monstranz, die ursprünglich aus Stetten bei Hechingen stammt und angeblich einen Splitter aus dem Kreuz Christi enthalten soll, fällt der Blick unter anderem auf filigrane Reiseamulette und verschiedene symbolträchtig gestaltete Rosenkränze. In einen der Kränze sind etwa Gerätschaften in Miniaturausführung eingearbeitet, mit denen Jesus gemartert wurde. Gefertigt sind sie aus unterschiedlichen Materialien wie Bernstein oder Korallen.

Ein bisschen schaudern macht der Gedanke, dass eines der Exponate aus menschlichen Schädelknochen hergestellt wurde. Gänsehautgefühl ruft auch ein sehr kleines, auf den ersten Blick ziemlich unscheinbares Objekt hervor – ein nur wenige Zentimeter langer Strick mit Befestigungshaken. Wie David Hendel erklärt, ist dieser aus einem Strick gemacht, durch den ein Mensch einst eines gewaltsamen Todes starb.

Die damalige Vorstellung: Darin könnten noch "Kraftreserven" stecken, die sich der Besitzer des Objekts aneignen kann. Kraft und Stärke versprachen ihrem Träger auch Tieramulette, bei denen die Eigenschaften des jeweiligen Tieres auf den Menschen übergehen sollten.

Wie in der Ausstellung deutlich wird, vermischen sich oftmals Glaube und Aberglaube. "Manchmal kommt etwas aus dem christlichen Glauben, das in den Volksglauben hineinspielt – und umgekehrt", verdeutlicht der Museumsleiter. So auch beim ältesten Exponat, dem "Salomonssiegel" aus dem Jahre 1551.

Ein Ring als Schutz gegen Geister und Hexen

Die erstaunlich gut erhaltene, aus beschriebenem und bemaltem Pergament bestehende "Zauberrolle" schmücken farbige Siegel in verschiedenen Variationen mit christlichen Symbolen und magischen Kreisen. Sie wurden König Salomo zugeschrieben, der Macht über Geister und Krankheiten gehabt haben soll. Schutz gegen Geister, Hexen und den bösen Blick versprach zum Beispiel auch ein Messingring, den eine ausgestreckte Hand mit gespreizten Fingern ziert, die als Abwehrgeste zu verstehen ist. Ob er seinem Besitzer einst geholfen hat? Der Glaube, so heißt es, versetzt ja bekanntlich Berge.

Weitere Informationen: Zu sehen ist die Sonderausstellung im Hohenzollerischen Landesmuseum (Öffnungszeiten: Mittwochs bis sonntags von 14 bis 17 Uhr) noch bis zum 27. Oktober. Öffentliche Führungen mit dem Sammler Helmut Köstlin gibt es am 1. September und 13. Oktober, jeweils um 14.30 Uhr. Um Anmeldung wird gebeten. Für Kinder findet am 24. Juli, 22. August und 23. Oktober eine Glücksbringer-Bastelaktion statt. Weitere Infos gibt es unter www.hzl-museum.de.

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