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Hechingen "Es ist eine mittlere Katastrophe"

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Der erste Tempel ist fertiggestellt, zwei weitere sollen bald folgen (oben). Beschäftigung gegen die Sorgen: Die Corona-Krise trifft auch das Römische Freilichtmuseum hart. Die Arbeiten am Tempelbezirk führen die Ehrenamtlichen um Gerd Schollian (Foto) trotzdem weiter. Fotos: Maute Foto: Schwarzwälder Bote

Nicht nur zahlreiche Geschäfte und Firmen haben unter der aktuellen Situation zu leiden. Auch das Römische Freilichtmuseum in Stein trifft die Corona-Krise hart. Der Förderverein blickt einer ungewissen Zukunft entgegen.

Hechingen-Stein. Es ist eines von zahlreichen Puzzlestücken, die das düstere Bild vervollständigen: Leere Theatersäle, verschlossene Konzerträume und nicht zuletzt verwaiste Museumsanlagen. Das kulturelle Leben – es ist mittlerweile völlig zum Erliegen gekommen.

Die Auswirkungen der Pandemie spürt auch das Freilichtmuseum in Stein, das am 1. April seine Winterpause beendet hätte. Der eisige Wind, der Ende März um die Mauern der Villa rustica weht, ist zu einem Symbol der Krise geworden, denn bereits seit einiger Zeit ist klar: Dort, wo sich in Kürze wieder Schulklassen und Touristen getummelt hätten, wird der Betrieb bis auf Weiteres ruhen. Das Gelände bleibt menschenleer, der Saisonstart ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

"Es ist eine mittlere Katastrophe", bringt es Gerd Schollian auf den Punkt. Dem Vorsitzenden des Fördervereins ist die Sorge um die Zukunft des Museums anzumerken. Der Gedanke, wie es weitergehen wird, bereite ihm derzeit manche schlaflose Nacht, gesteht er.

Rund 60 000 bis 80 000 Euro Umsatzverlust alleine von April bis Mai

Besonders quälend ist die Ungewissheit. Wie lange wird diese Situation noch andauern und kann der Betrieb in diesem Jahr überhaupt noch aufgenommen werden? Fakt ist: Die Veranstaltungen im April und Mai – den beiden wichtigsten Monaten für das Freilichtmuseum – mussten bereits abgesagt werden. "Rund 60 000 bis 80 000 Euro", so rechnet Schollian vor, "fallen uns in dieser Zeit komplett weg." Ein herber Rückschlag. Und ein Blick in die fernere Zukunft ist derzeit kaum möglich. Die Krise – sie kommt für das zum Großteil von Ehrenamtlichen getragene Museum zur Unzeit. Denn nicht nur die Arbeiten am Tempelbezirk sind in vollem Gange und mehrere Aufträge bereits vergeben. In diesem Jahr steht auch noch das große Römerfest im Veranstaltungskalender.

Nur noch Hausmeister und eine Teilzeitkraft sind bei der Arbeit

Der daraus erwirtschaftete Überschuss ermöglicht es dem Förderverein normalerweise, den Museumsbetrieb zwei Jahre lang aufrecht zu erhalten. Ob das Fest im August stattfinden kann, steht jedoch in den Sternen. Beunruhigende Nachrichten kommen zudem aus Italien, dem Land, aus dem die Akteure stammen, die die Attraktion eines jeden Römerfests sind. "Sie leben in der Lombardei, einem der von Corona am stärksten betroffenen Gebiete", erzählt Schollian, der bereits versucht hat, Kontakt zu ihnen aufzunehmen, bislang allerdings noch nichts Näheres in Erfahrung bringen konnte.

Sorgen macht er sich indes nicht nur um die italienischen Freunde, sondern auch um die Mitarbeiter des Freilichtmuseums. "Momentan arbeiten nur noch der Hausmeister und eine Teilzeitkraft", erklärt er. Sollte sich die Lage nicht bald entspannen, müsste auch der Hausmeister in Kurzarbeit geschickt werden.

Die Situation ist für alle Beteiligten sehr belastend. Obwohl der Förderverein im vergangenen Jahr einmal mehr gut gewirtschaftet hat und sich bei einem normalem Saisonverlauf hätte "gut über Wasser halten können", ist es nun nicht mehr möglich, dem Projekt Tempelbezirk wie geplant 20 000 Euro zuzuführen. Da sämtliche Einnahmen wegbrechen, steht im Gegenteil sogar die Aufnahme eines Darlehens im Raum. "Zwei, drei Monate", so schätzt Schollian, sei es in etwa möglich, das Ganze durchzustehen. Danach werde es sehr eng. "Wir sind dringend auf Unterstützung angewiesen", macht er deutlich und hofft, dass Staat und Kommunen auch den Museen im Land Hilfe angedeihen lassen.

Trotz Sorgen und Ungewissheit: Nach wie vor ist Gerd Schollian so gut wie jeden Tag gemeinsam mit zwei, drei Helfern vor Ort, um den Bau des Tempelbezirks weiter ehrenamtlich voranzutreiben. Mittlerweile ist der erste Tempel fertiggestellt, zwei weitere sollen bald folgen. Im nächsten Monat werden dann auch die beiden ersten Götterfiguren eintreffen. Dass diese zum Teil durch Sponsorengelder finanziert werden können, dafür ist Schollian sehr dankbar.

Es ist ein schönes Zeichen in Zeiten der Krise und macht Mut, weiter tatkräftig anzupacken. Für die Zeit nach Corona.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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