Rumänienhilfe: Besuche aus Hechingen kaum möglich / Ostereierfärben als kleine Freude

Corona macht vieles schwierig, auch die Arbeit des Vereins Kinderhilfe Rumänien, der seit 30 Jahren private Familienhäuser für rumänische Sozialwaisen betreibt.

Hechingen. Waren früher alle paar Wochen Besuche von Vereinsmitgliedern dort normal, so fand nun bereits seit einem Jahr keine Reise mehr statt.

Der Kontakt wird online gehalten, aber die Nachrichten aus Rumänien sind nicht gut. Die 65 Kinder in den neun Familienhäusern müssen seit über einem Jahr starke Einschränkungen in ihrem Alltag hinnehmen. Wochenlang durften sie Haus und Hof nicht verlassen. In einigen Familienhäusern wohnen bis zu zwölf Kinder unterschiedlichen Alters und Geschlechts mit mehr oder weniger ausgeprägten Verhaltensauffälligkeiten.

Für Erzieher, Pflegeeltern und Hilfspersonal ist das schon unter normalen Bedingungen schwierig. Jetzt ist es noch schwieriger. Unterricht erfolgt online, obwohl dazu weitgehend die Voraussetzunge fehlen. Viele Kinder reagieren mit Aggressionen und Depressionen.

Viele weitere Probleme türmen sich auf. Mal geht eine Tür oder ein Fenster zu Bruch, dann flieht ein Mädchen zu ihrem Freund und die Polizei holt sie zurück. Eine Pflegemutter hat ein Gipsbein, die Heizung fällt aus, ein junger Mann muss neurologisch behandelt werden.

Manches scheint unfassbar. In einem Familienhaus wurde ein Mädchen neu aufgenommen, von dessen Existenz bislang niemand wusste, obwohl Geschwister von ihr bereits in dem Haus leben. Der leibliche Vater sitzt im Gefängnis. Die Mutter lebt im Ausland. Dort wurden die Geschwister jahrelang als Bettler eingesetzt. Eine Schule besuchten sie nicht.

Kinder über Jahre als Bettler eingesetzt

Gelegentlich taucht ihre Mutter auf, um ihre Kinder dann unverhältnismäßig zu verwöhnen. Nun war sie wieder auf Besuch, machte irreale Versprechungen, dass sie ein Haus für die ganze Familie kaufen will. Dann reiste sie wieder ab. Um die zutiefst enttäuschten und frustrierten Kinder müssen sich nun die Mitarbeiter kümmern.

Alle zwei Wochen werden alle Bewohner der Kinderhäuser durchgetestet und Jugendliche ab 16 Jahren können sich auf freiwilliger Basis impfen lassen. Momentan ist der Kreis Arad besonders von Corona betroffen, und es wird erwogen, eine totale Isolation einiger Ortschaften wie Lipova durchzuführen.

Es gibt aber auch schöne Dinge zu berichten: Im weitgehend orthodox geprägten Rumänien wird Ostern in zwei Wochen gefeiert. In allen neun Einrichtungen bereitet man sich auf dieses Fest vor, putzt und schmückt man gemeinsam die Häuser. Auch Ostereier werden gefärbt. In einem Haus wurden über 100 Küken ausgebrütet, und in den Gärten sprießt überall die frische Saat. Ein weinig Hoffnung und Freude in schwierigen Zeiten.

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