Joachim Steyer kandidiert im Landtags-Wahlkreis 61 als AfD-Vertreter. Migration, Energiewende und Fachkräfte sind für ihn wichtige Themen. Foto: Privat Foto: Schwarzwälder Bote

Landtagswahl: AfD-Kandidat Joachim Steyer distanziert sich nicht vom rechten Flügel seiner Partei

Fachkräftemangel, politischer Islam, Energiewende, Corona – das sind die Themen, mit denen Joachim Steyer punkten will. Der Landtagskandidat der AfD im Wahlkreis schimpft auch gegen "rechtes Gesindel", sieht den rechten Flügel der AfD aber als akzeptablen Teil seiner Partei an.

Hechingen/Burladingen. Steyer bedauert einerseits, dass es "gar keine wirklichen Diskussionen mehr mit uns gibt, wir werden immer gleich in die rechtsradikale Ecke gestellt." Andererseits räumt er ein, dass er schon gern mal polarisiert.

Schon in nach seiner Ansicht "eher linken" Gesamtschule in Bremen, wo er aufwuchs, bekannte er sich samt Sticker am Revers als Fan von Franz Josef Strauß, während die Schulkameraden Anti-Atomkraft-Demos besuchten. CDU/CSU, "das war 100 Prozent meine politische Heimat", sagt er über die folgenden Jahre.

Beruflich führten die ihn ins Gas-Wasserinstallateurhandwerk. Lehr- und Gesellenjahre in Haigerloch und Hechingen. Dann der Meister und die Selbstständigkeit mit eigenem Betrieb in Burladingen. Politisch aktiv war er in dieser Zeit nicht, aber eine seiner Ansicht nach zu wenig stringente Flüchtlingspolitik ließen ihn an "seiner" Partei zunehmens zweifeln. Dann die so genannte Flüchtlingskrise. Steyer, Vater von vier mittlerweile erwachsenen Kindern, sah eine Gefahr für die Zukunft seiner Heimat heraufziehen.

Ab 2015 suchte er die Nähe zur AfD, ging zu Treffen und Stammtischen und fand: "Die Leute da haben mir alle aus dem Herzen gesprochen". Er wurde Gründungsmitglied des Burladinger AfD-Ortsverbands, Gemeinderat und schließlich Landtagskandidat.

Ein Schwerpunkt seiner politischen Agenda sind Migration und Integration. Seine Position: Wer nach Deutschland kommt, muss sich hier anpassen. Bekämpfen will er vor allem den "politischen Islam", der seiner Ansicht nach eine aggressive Eroberungsideologie ist. Die vom türkischen Staat gelenkten Moscheegemeinden sieht er auch in dieser Richtung verortet. Religion soll reine Privatsache sein, fordert er. Dagegen habe er nichts. Aber ihm falle auf, dass beispielsweise Türken, die nicht religiös seien, "sich hier problemlos einpassen." Gegen solche Zuwanderer habe er nichts.

Ein anderes Thema, das ihn beschäftigt, ist der Fachkräftemangel. Schlecht sei, dass so viele deutsche Fachkräfte ins Ausland ziehen. Dafür kämen ausländische Fachkräfte nach Deutschland, die dann in ihrer Heimat fehlen. Ob sich das ändern lässt? Löhne anders besteuern, schlägt er etwas diffus als Gegenreaktion vor. Den Ärztemangel auf dem Land müssten Kommunen durch entsprechende Förderungen bekämpfen. Dafür müssten sie mehr Geld vom Land- und Bund erhalten.

ÖPNV auf der Alb maximal als Ergänzung zum Auto

In der Umweltpolitik ist ihm wichtig, die deutsche Industrie nicht zu schädigen. Klimagase kämen weltweit überwiegend aus anderen Ländern, China oder Indien. Und bei E-Mobilität sei Asien eindeutig vorne. Deutschland sei stark bei Verbrennungsmotoren und müsse deshalb auf Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge setzen, die Elektro und Verbrennung kombinieren, das finde er gut. Kraftstoffe dürften auch gerne synthetisch sein.

Öffentlicher Nahverkehr? Auf der dünn besiedelten Alb maximal eine Ergänzung zum Auto, meint Steyer. Schiene ausbauen sei hier keine Option. "Wie soll das gehen auf dem Land?", fragt er. Mehrere Stunden Fahrzeit mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Stuttgart seien einfach nicht akzeptabel. Stattdessen müsse man die seiner Beobachtung nach "teils sehr kaputten" Straßen sanieren.

Die Ausweisung neuer Baugebiete und Einfamilienhäuser sieht er als unproblematisch an. Er wisse von einem Landwirt, der versichert habe, dass in Deutschland noch mehr als genug Fläche übrig sei, "um uns alle mehr als genug zu ernähren."

Digitalisierung an den Schulen? Da fehlt Steyer ein Konzept. Als er noch Lehrlinge ausgebildet habe, sei ihm aufgefallen, dass viele nicht gut rechnen und schreiben konnten, "ich sehe nicht, was digitaler Unterricht da ändern soll", sagt er. Da erwarte er mehr Aufklärung.

Die Hersteller dazu zwingen, weniger Verpackung einzusetzen

Müllvermeidung sei auch ein Thema, das ihm wichtig sei. Die Industrie zwingen, weniger Verpackung einzusetzen, so sein Vorschlag, zudem acht Jahre Garantiezeit für Elektrogeräte, da wäre er dafür. Die Geräte wären dann zwar teurer, räumt er ein, würden dafür aber auch länger halten.

Die Maßnahmen gegen Corona hält er für überzogen, das hat er auch bei mehreren Demonstrationen in Balingen geäußert. Natürlich wisse, er dass auch Menschen an dieser Krankheit sterben, vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankung. "Aber die müssen ohnehin auf sich aufpassen" und seien auch durch viele andere Erkrankungen ebenso gefährdet. So zu leben, wie das aktuell verordnet sei, "das ist für mich kein richtiges Leben", hält er fest.

Und wie hält er es mit den Teilen seiner AfD, die der Verfassungsschutz als hochproblematisch ansieht? "Rechtes Gesindel" lehne er ab, betont er, nicht aber den "Flügel" der AfD, den der Verfassungsschutz als hochproblematisch einstuft. Steyer findet, "radikale Richtungen gibt es doch auch in der CDU und bei den Grünen".

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