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Hechingen Ein einsamer Widerstandskämpfer

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Josef Seibold von der Elser-Gedenkstätte in Königsbronn referierte in der Alten Synagoge zum Thema "Georg Elser – gegen Hitler, gegen den Krieg." Foto: Maute Foto: Schwarzwälder Bote

Am Ende des Vortrags von Josef Seibold stand eine eindringliche Mahnung: "Wenn wir so weit sind, Widerstand leisten zu müssen, haben wir zu spät reagiert." Einer der die Zeichen der Zeit erkannte, war Georg Elser.

Hechingen. "Ich habe den Krieg verhindern wollen" – es ist ein Satz, den Elser nach seiner Festnahme in einem Verhör äußerte. Wäre sein Plan aufgegangen und hätte die Bombe, die im November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller explodierte, die drei Männer "beseitigt", die er im Visier hatte, wäre die Geschichte anders geschrieben worden, erklärte Josef Seibold am Sonntag in der Alten Synagoge. So aber überlebten Hitler, Goebbels und Göring, und was dann folgte, ist bekannt.

Wer war der junge Widerstandskämpfer, der unter hohem Risiko alles auf eine Karte setzte? Das beleuchtete der Vortrag, den die Initiative Alte Synagoge aus Anlass des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar) in Kooperation mit dem Weiterbildungsnetzwerk Hechingen und dem Hohenzollerischen Landesmuseum veranstaltete.

Nicht nur Georg Elser selbst rückte Josef Seibold, der sich in der Elser-Gedenkstätte in Königsbronn engagiert, ins Bewusstsein. Auch die Tatsache, mit welch rasantem Tempo sich die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur im Deutschen Reich vollzog, führte er lebhaft vor Augen.

Geboren wurde Georg Elser 1903 im württembergischen Hermaringen. Bald zog die Familie nach Königsbronn, wo sie Landwirtschaft und Holzhandel betrieb. "Es war eine harte und gnadenlose Arbeit", erklärte der Referent. "Trotz unserer Landwirtschaft mussten wir am Ende eines Jahres meistens ziemlich hungern, weil wir fast alles abgeben mussten", wird Elser später aussagen.

Er begann nach den Volksschuljahren 1917 eine Lehre als Eisendreher, wechselte krankheitsbedingt ins Holzhandwerk und schloss 1922 seine Schreinerlehre ab. Zeitlebens legte Georg Elser bei seiner Arbeit großen Wert auf Präzision, wird berichtet. "Das, was er anfertigte, musste absolut funktionieren", hob Seibold mit Blick auf das Attentat hervor.

Einen harten Einschnitt markierte die Weltwirtschaftskrise 1929/30, durch die auch in Deutschland die Zahl der Arbeitslosen sprunghaft anstieg. "Die Not der Menschen nutzte Hitler gnadenlos aus", betonte der Referent und skizzierte anhand verschiedener Ereignisse dessen Griff nach der absoluten Macht: Ernennung zum Reichskanzler im Jahre 1933, Einschränkung der Pressefreiheit, Ermächtigungsgesetz, Berufsverbot für jüdische und regimekritische Beamte, Zerschlagung der Gewerkschaften und Bücherverbrennungen bis hin zur Zusammenlegung der Ämter des Reichskanzlers und -präsidenten.

Bombe explodierte zum geplanten Zeitpunkt

"Nur 18 Monate und vier Tage – und Hitler hatte die ganze Gewalt in der Hand", verdeutlichte Seibold. "Die seit 1933 in der Arbeiterschaft von mir beobachtete Unzufriedenheit und der von mir seit Herbst 1938 vermutete unvermeidliche Krieg" ließen in Elser schließlich den Plan reifen, die NS-Führung "zu beseitigen." Nach einem Jahr akribischer Vorbereitungszeit explodierte im Münchner Bürgerbräukeller am 8. November 1939 seine Bombe exakt zum geplanten Zeitpunkt um 21.20 Uhr.

Allerdings hatten Hitler und seine Gefolgsleute den Saal jedoch entgegen der ursprünglichen Planung bereits 13 Minuten zuvor verlassen. Acht Menschen starben. Georg Elser hatte vorgehabt, zu diesem Zeitpunkt schon in der Schweiz zu sein, allerdings wurde er auf der Flucht direkt an der Grenze in Konstanz von einer Streife verhaftet. Im Gepäck hatte er eine Ansichtskarte des Bürgerbräukellers und ein Abzeichen des Roten Frontkämpferbundes.

Die Nazis verhörten ihn brutalst, wollten ihm die Namen von Mitwissern abpressen. Irgendwann war klar, dass Elser ganz alleine gehandelt hatte. Er wurde im KZ Dachau inhaftiert und kurz vor Kriegsende am 9. April 1945 ermordet.

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