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Hechingen Durch Corona fehlen einfach die Rituale

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Rektor Wolfram Göhner gefällt der Schulhof besser, wenn die Schüler da sind. Foto: Witte Foto: Schwarzwälder Bote

Wie alle anderen Schulen auch, hat die Weiherschule in Hechingen aufgrund der Pandemie derzeit geschlossen. In der Schule, an der Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung unterrichtet werden, befinden sich derzeit nur Rektor Wolfram Göhner und Sekretärin Heidi Klüber.

Hechingen. Was für Jugendliche anderer Schulen im ersten Moment vielleicht nach einer frohen Botschaft klingt, finden die meisten Schüler der Weiherschule gar nicht gut. Dass der Unterricht ausfällt, ist für die Schüler und deren Familien mit besonderen Herausforderungen verbunden. "Das Wochenende halten viele unserer Schüler für überflüssig und Ferien finden sie blöd", sagt Schulleiter Wolfram Göhner.

In der Regel kommen die insgesamt 75 Schüler der Einrichtung sehr gerne zur Schule, vor allem auch wegen der sozialen Kontakte, die sie hier pflegen. "Unsere Schule ist für die Kinder ein schöner Lebensraum". Dadurch, dass die Heranwachsenden aus dem halben Zollernalbkreis angefahren kommen, ist es für sie auch in gewöhnlichen Ferien nicht unbedingt einfach, Kontakt zueinander zu halten. "Sechs Wochen Sommerferien sind eigentlich zu lang für unsere Schüler", sagt der Schulleiter.

Die Nachricht, dass die Schule für einige Wochen schließt, traf die jungen Leute also hart, wenn auch nicht unvorbereitet. "Das Thema Corona ist ja in allen Medien, überall wird darüber gesprochen und so haben wir es auch in unserem Unterricht behandelt", so Göhner. Im Flur hängen Schilder mit Symbolen die beschreiben, worauf die Schüler achten sollten: auf den Händedruck verzichten, regelmäßig Hände waschen und in die Armbeuge husten in etwa.

Der Alltag der Heranwachsenden ist in der Schule für gewöhnlich durch viele Rituale geprägt, die ihnen Halt geben – so gibt es beispielsweise große Tagespläne, an denen sich die Schüler orientieren können – mit Wörtern und Symbolen für jene, die nicht lesen und schreiben können. "Einer unserer Schüler hat auch einen ganzen Wochenplan, er findet sich damit zurecht – andere wiederum orientieren sich lieber Tag für Tag", sagt Göhner.

"So wie ich es bislang mitbekommen habe, kommen die Schüler damit gut zurecht"

Wie an den anderen Schulen auch, erhalten die Schüler während der Schließzeit nun von ihren Lehrern Hausaufgaben, die ihnen in Kuverts zugeschickt werden. "So wie ich es bislang mitbekommen habe, kommen die Schüler damit gut zurecht", sagt Göhner. Doch nicht alle können mit Stift und Papier umgehen, lesen und schreiben – und so gibt es leider nicht für alle Schüler geeignete Aufgaben, die mit der Post verschickt werden können. "Wir haben eben auch Schüler, die eher basal orientiert arbeiten, für die haben wir auf die Distanz im Moment keine Angebote", sagt Göhner.

Sonja Straubinger, Elternsprecherin an der Weiherschule, arbeitet vor allem morgens mit ihrer Tochter Sophie, die für gewöhnlich die Weiherschule besucht. "Zuerst mussten wir als Eltern herausfinden, wo sie gerade steht und wie viele Pausen sie braucht – jetzt läuft es aber ganz gut", sagt die Bisingerin. Es sei vor allem der soziale Kontakt zu ihren Mitschülern, der der 16-Jährigen im Moment fehle. Straubinger arbeitet als Krankenschwester und ist froh, die Betreuung ihrer Tochter mit ihrer Teilzeitstelle gut unter einen Hut zu bringen, zumal Sofia recht selbstständig arbeiten kann.

Etwas schwieriger ist die Situation für die 14-jährige Eva Kalbacher, wie ihre Mutter am Telefon erzählt: "In der Schule macht sie schon gut mit, Zuhause fällt es ihr aber schwer", so Vera Kalbacher, die als Diätassistentin im Krankenhaus arbeitet.

Wolfram Göhner sieht fast traurig aus, während er im leer gefegten Schulhof steht

Ihre Tochter benötigt eine Vollzeitbetreuung, da sie nicht alleine gelassen werden kann. Manchmal kümmern sich die älteren Geschwister, 15 und 18 Jahre alt, mit – dies ginge aber natürlich nicht ganze Tage lang.

Warum sie aktuell nicht zur Schule darf, haben ihre Eltern ihr erzählt – ganz verstehen kann Eva es allerdings nicht – wobei sie die Situation einfach so hinnimmt, wie sie gerade ist. "Wenn das Ganze zeitlich absehbar wäre, wäre es einfacher", so Kalbacher. Wenn das Wetter gut ist, machen sie derweil Spaziergänge in den Wald, gemeinsam mit dem jüngeren, acht Jahre alten Bruder – das mag Eva.

Wolfram Göhner jedenfalls sieht fast traurig aus, während er im leer gefegten Außenbereich der Schule steht: "Ich hoffe, dass wir am 20. April wieder öffnen können", sagt er. Im Juli geht er in den Ruhestand – und die Schüler fehlen ihm schon jetzt.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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