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Hechingen Dörfliche Kultur gerät in Schieflage

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Mit dem Schießeisen will ein Dorfbewohner gegen Veränderungen im Dorf vorgehen. Doch nicht nur das bietet Gesprächsstoff. Das ganze Dorf ist in Aufruhr. Fotos: Witte Foto: Schwarzwälder Bote

Das Ensemble des Amateurtheaters der Volkshochschule Hechingen, das "Theatertrepple", bringt am Samstag, 14. September, um 20 Uhr in der Stadthalle Museum das neue Stück "Die Neigung des Peter Rosegger" des jungen österreichischen Autors Thomas Arzt auf die Bühne. Henriette Lüdenbach führt Regie.

Hechingen. Ein unerwartetes Ereignis zerstört die gewohnte Idylle in einer österreichischen Kleinstadt: Die Statue des steiermärkischen Dichters Peter Rosegger hängt plötzlich schief. Die Einwohner, allen voran Unternehmer Wiesinger (Gustav Zahn), machen sich große Sorgen um die Sicherheit der Bürger – und dann steht auch noch der Besuch einer Unesco-Delegation an, die den Stadtkern zum Kulturerbe ernennen soll.

Wiesinger tut sich schwer damit, die Veränderung als solche anzuerkennen und Konsequenzen zuzulassen: "Der Boden bleibt, wie er ist". Rat sucht er bei der Archivarin (Anna-Maria Rager), die mit ihm Rosegger (1843 - 1918) liest, deren Ausführungen zu Roseggers heiklem Heimatbegriff er jedoch nicht ganz folgen kann: "Ich mein, es sollten alle Rosegger lesen, oder? Sie verwirren mich."

Doch wie ist mit dem nun schief hängenden Denkmal umzugehen? Die Bürgermeisterin (Simone Saedler) sorgt sich primär um die Sicherheit der Bürger und setzt auf die Untersuchungen durch einen von der Hauptstadt entsendeten Experten: Der Seismologe (Marius Voigt) macht tektonische Verschiebungen europäischen Ausmaßes für die Verschiebung verantwortlich, trifft aber keine klare Aussage dazu, wie relevant seine Untersuchungsergebnisse eigentlich für die Sicherheit sind: "Denn wie schlimm es uns etwa aus der Versprechung einer allgemeinen Sicherheit herausreißt, das hängt dann schon am Ende von ihnen ab".

Dem Seismologen zur Seite steht ein an der Flasche hängender Arbeiter (gespielt von Berthold Lüdenbach), der für die spekulative Untersuchung sogar zur Waffe greift: "Ich hab dafür zu sorgen, dass hier keiner was anfasst. Mit dem Papa seinem Gewehr."

Auf die spitze getrieben wird das extreme Gedankengut in der Figur der Angestellten (Jana Lüdenbach), die die Verantwortlichen für das Unheil gefunden haben will: "Das ist der Bluterguss, nachdem mich zwei scheiß Marokkaner angegrabscht haben und ich ihnen dann ins Gesicht gespuckt habe", während eine Wandererin (Martina Ziegler) das ganze still beobachtet.

Figur Rosegger steht sinnbildlich für die aktuelle Situation

Die beim Theatertrepple inzwischen bewährte Regisseurin Henriette Lüdenbach suchte das Stück aus, da es ein hochaktuelles Thema der Gesellschaft behandelt: "Durch den Rechtsruck, der aktuell in unserer Gesellschaft passiert, bin ich auf das Stück gekommen – die Figur des Peter Rosegger ist ein Sinnbild dafür".

Die insgesamt sieben Darsteller beschäftigten sich im Dezember zunächst mit dem Begriff der Heimat, einem zentralen Element in der Geschichte: "Ich fand es interessant zu bemerken, dass für mich der Begriff der Heimat nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist, sondern von den Leuten, dem persönlichen Umfeld, dem Beruf und wo man sich angenommen fühlt abhängt", sagt Anna-Maria Rager, im Stück die Archivarin. "Es ist ein Kernelement des Stücks, dass die Leute ein Problem mit der Veränderungen haben, auch die Bedeutung des Begriffs Heimat kann sich ja verändern", so Marius Voigt, der den Seismologen spielt. "Der Begriff wird aktuell häufig missbraucht, um rechtsradikales Gedankengut darzustellen", so Martina Ziegler (Wandererin), was schade sei. Bei der Arbeit am Stück bemerkten die Schauspieler, dass sie viele der rechts gerichteten Aussagen auch schon in ihrem persönlichen Umfeld gehört hatten – mit beklemmenden Gefühlen.

Mit ihrem aktuellen Stück regt das Theatertrepple zum Nachdenken und zur politischen Diskussion an – und das ab und an mit lokalen Bezügen. Das Theatertrepple finanziert sich übrigens komplett über die Eintrittsgelder. Über neue Mitglieder freut sich die Truppe, die seit 2015 in dieser Konstellation zusammenarbeitet, immer: "Viele werfen aber das Handtuch, wenn sie sehen, wie viel Arbeit da drin steckt", sagt die Regisseurin. Da die Gruppe keine feste Probebühne hat, sind alle Requisiten auf- und abbaubar, alle bringen sich da mit ein. Das schöne an der Arbeit in dem Amateurtheater sind aber die Gestaltungsmöglichkeiten: Jeder der Darsteller befasste sich selbst ausführlich mit seiner Figur und entwickelte diese mit: "Da wir keine Profis sind, müssen die Rollen zu den Schauspielern passen und werden auch etwas angepasst", erklärt Lüdenbach. Das Publikum darf auf das Ergebnis gespannt sein.

Spieltermine:  Samstag, 14. September, 20 Uhr in der Stadthalle Museum. Karten gibt es in der Buchhandlung "Das Buch".  Samstag, 21. September, 20 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Balingen. Karten gibt es bei der Buchhandlung Rieger.  Samstag, 12. Oktober, 20 Uhr im Forum Bodelshausen. Karten gibt es in der Bücherei im Forum.  Samstag, 19. Oktober, 20 Uhr im Vorstadttheater Tübingen. Karten gibt es an der Abendkasse.

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