Bildungsreferent Jochen Frank spürt Gott und Maria in der Welt. Ausgerechnet ein Buch über die Geschichte der Physik bestärkt ihn in der Auffassung, dass er damit nicht falsch liegt. Foto: Stopper

Gibt es Gott? Gut möglich, würde ein richtiger Physiker sagen. Je mehr erforscht wird, um so klarer wird, dass die Welt viel mehr ist als harte Materie. Und als Jochen Frank darüber in einem Buch gelesen hat, hat ihn das sehr froh gemacht.

Hechingen - Jochen Frank ist sei eineinhalb Jahren Leiter des Bildungshauses St. Luzen, und das Werk, das er in unserer Buchtipp-Reihe vorstellt, heißt "Es werde Licht" und wurde von Frido und Christine Mann geschrieben. Frido Mann ist der Enkel von Thomas Mann, seine Frau Christine die Tochter von Werner Heisenberg. "Wenn man bedenkt, dass Heisenberg auch in Labors direkt neben St. Luzen geforscht hat, ist das natürlich doppelt interessant", so der Bildungshausleiter.

Wissen, fühlen, Religion und Intuition – das sind die großen Themen im Leben des 58-Jährigen, der vor seiner Arbeit in Hechingen zwölf Jahre in Tübingen an seiner Promotion in Theologie saß und in dieser Zeit als Sozialpädagoge arbeitete. Für ihn ist die Marienverehrung ein wichtiger Teil seines Glaubens, die Theologie dagegen etwas, an dem er sich reibt.

"Es gab das Heilige, und niemand fand das komisch"

Glauben ist für ihn etwas, was der Mensch intuitiv erspüren soll, weniger etwas, was sich mit dem Kopf erschließen lässt. Dieser Ansatz passt gut zur Tradition des Bildungshauses, dass schon lange Achtsamkeit, Meditation, Kunst oder andere Aktivitäten als Zugang zum Glauben erschließen möchte. Das ehemalige Kloster ist ein idealer Ort dafür mit seinem historisch aufgeladenen Gemäuer und den Reliquien.

"Früher waren praktisch alle davon überzeugt, dass solche Gegenstände, aber eigentlich sogar die ganze Welt viel mehr ist als die reine Materie. Das Transzendente war das Normale, erzählt Frank. "Es gab das Heilige, und niemand fand das komisch. Er erklärt das auch gern an einem profanen Gegenstand, einem Messer, das er von seinem Vater geerbt hat. Dieser Gegenstand sei für ihn ohne Zweifel mehr als die reine Materie, sagt er.

Und das Buch "Es werde Licht" hat ihn darin bestärkt, obwohl es eigentlich gar kein religiöses Buch ist, sondern ein für Laien gut lesbares Werk über die Entwicklung der Physik von Galileo bis in die Moderne. "Klingt kompliziert, ist aber toll geschrieben und leicht lesbar", versichert Frank. Besonders die Erkenntnisse der modernen Physik sind besonders spannend für den Bildungshaus-Leiter, denn längst geht es um die Beschreibung der Welt aus Teilchen, über die Physiker gar nicht so viel sagen können, außer das, dass die Welt aus ihnen besteht. Aber eigentlich sind sie Wellen, die Größte so lang wie das ganze Universum, und sie enthalten Informationen – und ganz sicher können sich Menschen nie wirklich vorstellen, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält.

Ein Widerspruch zur modernen Welt

"Das schafft einen Widerspruch zu unserer modernen und materialistischen Welt mit ihrem Ursache-Wirkung-Denken", sagt Frank. In dieser allzu simplen Auffassung der Welt sei für einen Gott kein Platz", in der Welt der modernen Physik dagegen sehr wohl. Warum sollte ein intensives Gebet hier keine Wirkungsmacht entfalten? Warum sollte Intuition hier nur ein psychologisch erklärbares Gefühl sein und keine Wahrheit? Warum sollte Gott hier keinen Platz haben? "Es werde Licht" ist in der Bibel eine der ersten Aussagen Gottes bei der Erschaffung der Welt. Und Licht dient bekanntlich der Erkenntnis, es steckt aber auch im Begriff der Erleuchtung.

Was Frank interessant findet: Es seien im Kern die Erkenntnisse der Physik gewesen, die die Religion im Lauf der vergangenen 300 Jahre verdrängt habe. Die Kirche habe sich lange gesträubt, diese Erkenntnisse anzuerkennen, vielleicht aus der Angst heraus, mit ihrer Gottesauffassung nicht bestehen zu können. "Und mittlerweile habe ich manchmal das Gefühl, die Kirche findet sich mit diesem Materialismus ab", sagt Frank nachdenklich, "und dann kommt jetzt wieder die Physik und sagt, alles Quatsch, es gibt Materie gar nicht wirklich." Was es aber wirklich gebe, dem gemeinsam mit den Gästen nachzuspüren hat er sich als Leiter des Hechinger Bildungshauses zur Aufgabe gemacht.

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