Marita Sickinger bietet den Bürgern in ihrem Atelier Kurse in Acrylmalerei an. In Wessingen fühlt sie sich wohl.   Foto: Witte Foto: Schwarzwälder Bote

Jahresausstellung: Marita Sickinger ist neues aktives Mitglied im Kunstverein

Im Rathaus ist noch bis Sonntag, 1. Dezember, die Jahresausstellung des Hechinger Kunstvereins zu sehen. Vier Künstler sind neu hinzugekommen, darunter Marita Sickinger aus Wessingen.

Hechingen. Wer seine Heimatstadt verlässt und in eine neue Region zieht, braucht meist etwas Zeit, um sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden – könnte man meinen. Bei Marita Sickinger, die vor vier Jahren von Bremen nach Wessingen zog, scheint die schwäbische Umgebung geradezu schöpferischen Tatendrang entfacht zu haben – längst ist Sickinger diejenige, die kunstinteressierte Leute aus der Gegend in Kontakt miteinander bringt.

Die alte Schiede in der Kirchstraße 9 direkt am Weidenbach fiel ihr sofort ins Auge, und als sie die Besitzer fragte, ob sie darin ein Atelier einrichten könne, stimmten die ganz spontan zu. Gemeinsam mit Ehemann Fridolin Sickinger baute sie den historischen Raum, der bis in die neunziger Jahre hinein als Näherei genutzt wurde, in ein helles, freundliches Atelier um – und integrierte dabei so manches Utensil aus der Textilbranche, das dabei zum Vorschein kam.

Die dörfliche Bevölkerung mit einzubeziehen, war der gebürtigen Bremerin von Anfang an wichtig – bei einer Veranstaltung wurde die Geschichte des Gebäudes anhand von Zeitzeugenberichten erzählt und auch für Konzerte möchte Sickinger es zur Verfügung stellen.

An den Wänden hängen Figuren, Gesichter, Landschaften und abstrakte Bilder, meist in Aquarell gemalt. Besonders sticht die Abschlussarbeit hervor, die Sickinger im Rahmen ihres Studiums der Gestaltenden Kunst an der Hochschule Bremen gemacht hat: Sickinger portraitierte mit Aquarellfarben und Fäden eine Künstlerin, die selbst Portraits stickte. Gerne arbeitet die gebürtige Bremerin auch mit mehreren Schichten aus unterschiedlichen Materialien: "Es kommt vor, dass ich Bilder komplett übermale und am Ende kommt das ursprüngliche Bild wieder hervor", so Sickinger, die mit Spachteln Striche in die mehrschichtigen Landschaften hinein kratzt.

Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie auch schon einen Bildband mit Häusern, neben denen Gedichte von ihm stehen, herausgebracht. "Häuser haben für mich viel mit Heimat zu tun", sagt die gebürtige Bremerin, die in der aktuellen Ausstellung im Rathaus mit den Exponaten "Ankunft. Vorläufig", "Grund" und "Weg" auf denen Landschaften, und Abstrakt-Figürliches zu sehen ist, vertreten ist.

Für Kunstinteressierte, die sich selbst mal ausprobieren möchten, bietet Sickinger Malgruppen an, inzwischen sind es schon drei. "Es sind vor allem Frauen, die auf mich zugehen, die Männer getrauen sich oft nicht", schmunzelt die Neu-Wessingerin, die auch als Fachberaterin und ausgebildete Mediatorin für Kindertagesstätten arbeitete. Auch im Bildungsbereich engagierte sich Sickinger stets im Rahmen ihrer Leidenschaft an der Kunst: als Dozentin begleitete sie etwa das bundesweite Projekt "Kunst und Spiele" der Robert Bosch Stiftung, das schon jungen Kindern die Teilhabe an Kunst und Kultur ermöglicht.

"Mir ist bei meinen Kursen wichtig, dass jeder am Ende etwas mit nach Hause nimmt, das ihm gefällt und er selbst erschaffen hat", erzählt Sickinger. Wer etwas lernen will, trifft also auf eine erprobte Lehrerin – und eine nordische Frohnatur. Mehr Informationen gibt es auf ihrer Homepage unter www.marita-sickinger.de.

Weitere Informationen: Die Ausstellung im Hechinger Rathaus ist bis einschließlich 1. Dezember am Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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