Der Hofkonditorentitel ist ihnen Verpflichtung: Joachim Röcker und sein Sohn Thomas. Der Familienbetrieb wurde heute vor genau 125 Jahren gegründet. Foto: Stopper Foto: Schwarzwälder-Bote

Jubiläum: Hofkonditorei Röcker wurde vor genau 125 Jahren gegründet / Leidenschaft für Pralinen

Es ist kein richtiger Adelstitel, aber auch er verpflichtet: Hofkonditorei. Seit genau 125 Jahren führt die Familie Röcker diesen Zusatz im Namen. Eine buchstäblich süße Tradition.

 

Hechingen. Johann Georg Röcker gründete seine Konditorei 1892, den Hofkonditorentitel aber erhielt er 1901, als er den Hechinger Betrieb übernahm, der damals den Titel führte. Eine fürstliche Urkunde berechtigt die Röckers seither zum Führen des Titels, "wenn ich das unter Kollegen erwähne, dann schauen die schon ehrfürchtig", sagt Joachim Röcker, heute Seniorchef der Firma.

Aber der Titel wäre nichts wert, "wenn unser Niveau nicht stimmen würde", ist er sich sicher. Das sieht auch sein Sohn Thomas so, der in seine Fußstapfen getreten ist. Seit 2013 gibt es sogar in Tübingen eine Röcker-Konditorei. Und die Tübinger waren dem Vernehmen nach richtig stolz darauf, dass sich diese Konditorei dort angesiedelt hat.

Röcker, das steht bis heute für Torten "auf Weltniveau", wie echte Fans schwärmen. Die stehen sonntags oft Schlange an der Kuchentheke, und wenn die Verwandtschaft dann mittags zum Kaffee sich vor Kuchenlob überschlägt, kommt echter Lokalpatriotismus auf. Brautpaare kommen vom Bodensee bis Stuttgart, um hier die Hochzeitstorte zu ordern.

Und dann erst die Pralinen. Sie rechtfertigen fraglos jeden Konditoren-Hochadelstitel. "Betriebswirtschaftlich müssten wir eigentlich etwas weniger Vielfalt anbieten"‹, meint Thomas Röcker. Aber die Pralinen sind eben eine Leidenschaft. "Für jede Pralinensorte, die wir aus dem Programm nehmen, entwirft mein Vater drei neue", erzählt er. Aber letztlich könne ein Betrieb wie die Hofkonditorei Röcker nur durch solche Besonderheiten überleben, "denn das Normale gibt es ja überall." Die Begeisterung für besondere Zutaten, neue Geschmacksideen, am süßen Genuss, die teilen sich Vater und Sohn.

Mutter und Schwiegertochter sind Konditorinnen

Dass beide Schweizerinnen geheiratet haben, die Stützen des Familienbetriebs sind, ist schon ein Zufall. Vater Joachim hat seine Frau Christina dort als Geselle kennengelernt, und auch sein Sohn Thomas lernte seine Nicole dort während der Ausbildung kennen. Mutter und Schwiegertochter sind natürlich beide auch Konditorinnen.

Dieser Beruf ist bei den Röckers traditionell mehr als ein reiner Broterwerb. Als Unternehmensgründer Johann Georg Röcker starb, ließ er sich in Konditorenkluft beerdigen, ebenso sein Sohn Albert. Familienzusammenhalt und Liebe zum Beruf – das sicherte das Überleben der Firma. "Wir sind wohl die älteste Firma in der Stadt", vermutet Joachim Röcker.