Die drei Steinmetze (von links) Paulus Roth, Frank Eger und Alexandre Aubry freuen sich zusammen mit Bürgermeister Philipp Hahn und Heiko Ewert über das Steinkreuz. Foto: Jauch

Hechingen. "Bei der gestrigen Himmelfahrtsprozession, die bei schönem Maiwetter unter großer Beteiligung des katholischen Volksteiles stattfand, ist ein neues Kreuz im Dreieck bei der Silberburg (Ecke Zollerstraße-Feilbach) kirchlich geweiht worden", so berichteten die Hohenzollerischen Blätter in ihrer Ausgabe vom Freitag, 14. Mai 1915.

Das neue Steinkreuz ersetzte ein morsch gewordenes Holzkreuz aus dem Jahr 1872. Am Mittwoch dieser Woche wurde das beschriebene Kreuz 106 Jahre später erneut aufgestellt – nachdem es für rund zweieinhalb Jahre in der Ostdorfer Werkstatt von Frank Eger, Diplom-Restaurator für Steinobjekte, in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege restauriert worden war.

Unglücklicherweise war die qualitätvolle Arbeit bei Grünpflegearbeiten beschädigt worden – das Kreuz selbst war mehrfach gebrochen. Dass die Restaurierung gedauert hat, ist unter anderem dem benötigten Material geschuldet. Der Sockel und das Kreuz sind nämlich aus sogenanntem Savonnières-Stein, einem leicht zu bearbeitenden Kalkstein, benannt nach dem Ort Savonnières-en-Perthois in Lothringen.

Der Stein wurde zunächst für die Notre-Dame in Paris benötigt

Und als Restaurator Frank Eger den Stein in Frankreich bestellte, dauerte es bis zur Lieferung, denn ein "Objekt nationaler Bedeutung" hatte Vorrang: die bei dem Großbrand 2019 schwer beschädigte Kirche Notre-Dame de Paris. Schlussendlich konnte auch Hechingen versorgt werden, und Eger hat ein neues Kreuz hergestellt und den Sockel ausgebessert.

Die Christusfigur aus "Zaberngestein", wie die Hohenzollerischen Blätter es nennen, ist aus Buntsandstein aus den Nordvogesen gefertigt. Namengebend für den Stein war die französische Stadt Saverne, deutsch Zabern. Restaurator Eger bestätigt, was schon die Hohenzollerischen Blätter feststellten: Dass das Kreuz, gefertigt von Bildhauer Scheffer aus Offenburg, ein "Meisterwerk der Bildhauerkunst" ist.

Dafür hatten im Kriegsjahr 1915 rund 30 Geldgeber aus der Zollernstadt, darunter auch die Stadt selbst, namhafte Beiträge gespendet. Die Aufstellung war eine knifflige Angelegenheit, schließlich darf beim Bewegen der schweren Steine nichts zerbrechen.

Beim Aufbau waren noch zwei weitere Steinmetze anwesend

Unter Steinmetzen hilft man sich aber aus, und so waren beim Aufbau neben Frank Eger die Kollegen Paulus Roth aus Haigerloch und Alexandre Aubry aus Horb-Betra mit von der Partie. Beobachtet wurden die Arbeiten von Bürgermeister Philipp Hahn und Betriebshofleiter Heiko Ewert. "Ich bin froh, dass das sehr schöne Kreuz jetzt wieder am angestammten Platz steht, als Zeugnis der Frömmigkeit und als interessantes Denkmal der Hechinger Geschichte", so Hahn.