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Hechingen Corona-Krise: Sternenbäck steckt in Schwierigkeiten

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Die Hechinger Großbäckerei Sternenbäck ist durch Corona in wirtschaftliche Schieflage geraten. Foto: Stopper

Hechingen - Die Hechinger Großbäckerei Sternenbäck ist durch Corona in wirtschaftliche Schieflage geraten. Am Freitag gab das Unternehmen bekannt, dass es ein Schutzschirmverfahren beantragt hat.

Dieses Verfahren ist in der deutschen Insolvenzordnung besonders geregelt. Es erhält einem Unternehmen vorläufig weitgehend die Möglichkeit der Eigenverwaltung und verfolgt das Ziel, möglichst schnell einen vorläufigen Insolvenzplan vorlegen zu können. Am Ende soll auf diese Weise eine Sanierung des Unternehmens ermöglicht werden.

Dass es nicht gut läuft für Sternenbäck, kann auch Hechinger Kunden nicht überraschen. Seit Corona das öffentliche Leben lahm legt, war in den beiden Filialen in der Ober- und in der Unterstadt deutlich weniger Kundenverkehr zu beobachten. Die Verkaufstheken hatten zwar offen, aber die Cafés mussten geschlossen sein. Angesichts der Empfehlungen, möglichst wenig unter Leute zu gehen, würden viele frühere Sternenbäck-Kunden ihr Brot nun wohl lieber im Supermarkt kaufen, vermutetet kürzlich eine Verkäuferin in einer Filiale angesichts des leeren Verkaufsraums. Die Öffnungszeiten waren deshalb schon länger eingeschränkt . Früher hatten hier Sonntags Frühstücksgäste geschlemmt, die Brötchenschlangen reichten bis auf die Straße.

Fakt ist, dass es "dramatische Umsatzeinbrüche" gegeben habe, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Grund sei die drastisch gesunkene Kundenfrequenz. Das Bäckereigeschäft könne diese Ausfälle nicht ausgleichen. Eventuell hat die Sternenbäck-Führung – als klassisches Familienunternehmen ist Gerhard Bumiller Junior Geschäftsführer, weitere Familienmitglieder sind im Beirat– noch auf die angekündigten Lockerungen der Corona-Auflagen gehofft. Das erfüllte sich nicht, die Lockerungen gingen dafür einfach nicht weit genug. Jedenfalls hätten die aktuellen Lockerungen zu "keiner Änderung an dieser Situation" geführt, so die Pressemitteilung des Unternehmens.

Nun seien die eigenen wirtschaftlichen Möglichkeiten der Firma ausgeschöpft, und nach der Prüfung alternativer Lösungsmöglichkeiten habe man ein Schutzschirmverfahren eingeleitet.

Unternehmensführung will Konzept für Zeit nach Corona ausarbeiten

Das Ziel der Sternenbäck-Unternehmensführung ist es nun, für die Zeit nach der Corona-Krise ein schlüssiges Geschäftsmodell zu entwickeln, das die Geschäftspartner überzeugen kann. Voraussetzung dafür, dass dieses Verfahren überhaupt möglich ist, ist eine frühzeitige Antragstellung und eine solide Begründung. Vor allem interessant in dieser Lage ist die Liquidität der Firma und die Aussicht, dass in absehbarer Zeit die Geschäfte wieder besser laufen können.

Das Schutzschirmverfahren gibt Sternenbäck jedenfalls mehr Freiheit als im normalen Insolvenzverfahren, über seine Geschicke selbst zu bestimmen. In normalen Insolvenzverfahren wird ein Insolvenzverwalter eingesetzt, der statt der bisherigen Unternehmensführung die Leitung übernimmt.

In Hechingen werden der Firma sicher viele die Daumen drücken, dass diese Geschichte gut ausgeht. Die 1766 gegründete Firma wird mittlerweile in neunter Generation von Familienmitgliedern geführt. 260 Filialen in fünf deutschen Bundesländern wurden unter anderem vom Hechinger Hauptsitz aus geführt, einer der drei großen Produktionsanlagen mit vielen Arbeitsplätzen ist in Hechingen. Insgesamt hatte Sternenbäck im vergangenen Jahr 1800 Mitarbeiter.

Außerdem aber tragen die beiden Sternenbäck-Filialen am Obertorplatz und an der Johannesbrücke sehr zum geselligen Leben in der Stadt bei. An der Johannesbrücke war Sternenbäck mit seinen Cafétischen im Freien ein Garant dafür, dass sich mitten in der schwäbischen Kleinstadt mediterranes Wohlgefühl entwickeln konnte.

Genau hier lag ja auch eine Keimzelle der Firma. Das Unternehmen hatte vor allem in der Zeit des Wirtschaftswunders eine beeindruckende Erfolgsgeschichte erlebt, wuchs auch kleinen Anfängen unten im Stammhaus an der Johannesbrücke zu einem großen Unternehmen. Nach der Wiedervereinigung stieg Sternenbäck auch im Osten ein und ist nun in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit Filialen vertreten.

Neue Konkurrenz durch Tankstellen und Discounter zu spüren

Allerdings waren in jüngster Zeit eher Krisensignale zu vernehmen. Unter anderem die Konkurrenz durch Anbieter von aufgebackenen Selbstbacklingen in Tankstellen und Discountern machte Sternenbäck zu schaffen, 2017 musste bereits in Erfurt ein Insolvenzverfahren durchgestanden werden. Im vergangenen Jahr wurde externe Expertise in die Unternehmensführung dazugeholt.

Auf diesem ohnehin unsicheren Grund sind die Erschütterung durch die Corona-Krise nun offenbar nur noch schwer zu verkraften. Nun bleibt die Hoffnung auf bessere Zeiten.

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Klaus Stopper

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