Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Hechingen Corona-Bußgeld gegen Arzt Bernd Stekeler

Von
Von Bildzeitung und Stadtverwaltung zu Unrecht angeklagt fühlt sich der Hechinger Arzt Bernd Stekeler. Auch seine Medizinerkollegen sind über diese Behandlung empört. Foto: Stopper

Hechingen - Die Stadtverwaltung hat 4000 Euro Geldbuße gegen den Hechinger Arzt Bernd Stekeler verhängt, weil er trotz Coronainfektion Senioreneinrichtungen in Hechingen und Bisingen besuchte. Stekeler sagt, er habe von der Infektion da noch nichts gewusst.

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zur Arbeit von Ärzten in Corona-Zeiten auf. Stekeler berichtet, er habe drei Tage vor dem Besuch in den Senioreneinrichtungen Erkältungssymptome gespürt. Das sei bei ihm als Arzt aber im Winter oft der Fall, weil er viele erkältete Patienten behandelt und zudem an Asthma leidet. Es sei ihm so gut gegangen, dass er sogar einen Tag später sein morgendliches Lauftraining problemlos absolviert habe.

Und dann sei er am Montag, 16. März, in Hechinger Senioreneinrichtungen gegangen, um bei Patienten, die verdächtige Symptome hatten, Abstriche für einen Corona-Test zu machen. "Aber natürlich ging ich da nicht verantwortungslos vor", versichert er. Die Abstriche seien vor der Tür gemacht worden, und dabei habe er "volle Schutzmontur" getragen. Also Gesichtsmaske, Handschuhe, Schutzkleidung. Und in dieser Situation habe er bei sich selbst noch einen Abstrich gemacht, "um jeden Verdacht ausschließen zu können."

Corona-Symptome bei Familie Stekeler durchweg nur leicht

Das Ergebnis lag zwei Tage später vor und hat ihn geschockt: Positiv. Bernd Stekeler hatte Corona. Um so mehr, weil er an diesem Tag in zwei Senioreneinrichtungen war – allerdings bevor ihm das Testergebnis bekannt gegeben wurde. Hätte er dieses abwarten müssen? Eine Beschäftigte musste deshalb in Quarantäne. Sie hatte auch Kontakt zu Bewohnern. Ob es Infektionen gab, ist derzeit nicht bekannt.

Bernd Stekeler hat die Corona-Erkrankung mittlerweile fast hinter sich. "Ich hattekaum gesundheitlichen Probleme mehr", sagt er. Übrigens auch seine Frau, Tochter und Schwiegersohn sowie die Enkel hatten sich infiziert. "Es lief bei allen gut ab,sagt Stekeler erleichtert.

Im Grunde sei diese Infektion für ihn selbst "das Beste gewesen, was passieren konnte", denn jetzt könne er zumindest in nächster Zeit nicht mehr an Corona erkranken und damit diese Krankheit nicht mehr direkt übertragen. Sehr wichtig für seine Arbeit als Arzt. Am Donnerstag wird er seine Praxis wieder eröffnen. Anstecken kann er niemand mehr. Dass er die Bewohner der Seniorenheime – aus seiner Sicht ohne Verschulden – einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt habe, tue im leid.

Aber damit ist diese Geschichte nicht zu Ende. Denn der Stadt wurde gemeldet, dass Stekeler trotz Corona-Infektion Kontakt zu zwei Senioren-Einrichtung hatte. Und nach der neuen Corona-Gesetzgebung ist das eine Ordnungswidrigkeit, die mit sehr hohen Bußgeldern belegt wird. Weil Stekeler in zwei Einrichtungen aktiv war, macht das 4000 Euro Buße.

Auch die Staatsanwaltschaft soll bereits ermitteln

Damit nicht genug, die Staatsanwaltschaft ermittle gegen den Arzt, und es drohe am Ende auch die Entziehung der Approbation, berichtete Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn gestern auf Nachfrage unserer Zeitung. Und Hahn macht auch klar, dass er die Strafen für durchaus angemessen hält.

Sensible Senioreneinrichtungen aufzusuchen, obwohl klar sei, dass ein Testergebnis unterwegs sei, sei verantwortungslos, ist er überzeugt. Und er sieht gleich mehrere weitere Hinweise – unter anderem Aussagen von Heimpersonal, die auch der Redaktion vorliegen – dass Stekeler das Corona-Risiko nicht ausreichend ernst genommen habe, was vor allem beim Besuch von Senioreneinrichtungen keine Bagatelle sei. Das Landesgesundheitsministerium habe klar gestellt, dass Aufsichtsbehörden in solchen Fällen sehr hart durchgegriffen werden müssegreifen sollen.

Das ist die eine Seite. Denn einige Hechinger Mediziner stärken Stekeler in diesem Fall eindeutig den Rücken, unter anderem auch das Ärztenetz, für das die Mediziner Jürgen Lehmann und Rita Ziebach eine Stellungnahme abgegeben haben.

Die aktuelle Epidemie stelle Ärzte vor enorme Herausforderungen, halten sie fest. Man wolle den Patienten keinen Schaden durch Infektionen zufügen, andererseits wolle man ihnen in Not helfen. Und da dies praktisch immer mit körperlichem Kontakt verbunden sei, seien Ansteckungsrisiken nicht zu vermeiden. So könne man etwa Corona verbreiten, bevor man als Arzt alarmierende Symptome bei sich feststelle. Ein klassisches Dilemma. Dass es derzeit für Ärzte schwer ist, angemessene Schutzkleidung für ihre Arbeit zu erhalten, erwähnen sie auch. Sie versichern, dass sie Stekeler in der Auseinandersetzung mit der Stadt beistehen. Und sie weisen auf eine Gefahr hin, die eine Bestrafung von Ärzten mit sich bringen könnte: "Mehrere Allgemeinmediziner sehen sich aufgrund der Ereignisse nicht mehr in der Lage, die Pflegeheime zu besuchen."

Mittlerweile ist der Hechinger Fall auf enormes Medieninteresse gestoßen. Die Bildzeitung berichtete als erstes mit Namennennung des Arztes. Fazit hier: Stekeler hätte es "besser wissen müssen". Eine RTL-Anfrage lehnte Stekeler später dann ab. Der Wirbel um die Sache ist ihm mittlerweile unangenehm. Lokalzeitungen gibt er aber Auskunft.

Zu berichten wird es wohl noch längr über den Fall geben. Bernd Stekeler will den Bußgeldbescheid auf jeden Fall vor Gericht anfechten. Ein Richter wird dann entscheiden, wie sein Verhalten zu bewerten ist.

Top 5

2

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.