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Hechingen "Bruchstücke der Erinnerung"

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Die Ausstellung zur Erinnerung an Eberhard Wünnenberg führte am Sonntag zahlreiche Besucher im Weißen Häusle zusammen. Fotos: Maute Foto: Schwarzwälder Bote

"Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur": Eberhard Wünnenberg hat viele Spuren hinterlassen. Mit einer Ausstellung im Weißen Häusle erinnert der Kunstverein an seinen früheren Vorsitzenden.

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Hechingen. Selten kamen in der kleinen Galerie im Fürstengarten mehr Menschen zusammen, als an diesem Sonntagmorgen. Es waren Familienmitglieder, Freunde und Weggefährten des im November vergangenen Jahres verstorbenen Eberhard Wünnenberg. Sie alle wohnten der Eröffnung einer Werkschau bei, die an den Zeichner und Maler erinnert.

Diese folgt seinen "Lebenslinien" und spiegelt wieder, was der Kunstpädagoge Gert Selle in einer Studie in Worte zu fassen versucht: "Wir können uns die Zeit und den Ort einer Begebenheit in Erinnerung rufen, oder aber, weit darüber hinaus, wie es war, zu jener Zeit an jenem Ort zu sein: an die sinnliche Präsenz, die Atmosphäre, das Erleben dieses Ortes."

Letzteres ist in seinen Werken auf so vielfältige Weise spürbar, dass bei der Konzeption der Ausstellung sofort klar war, dass diese nur einen kleinen Teil des großen Ganzen vor Augen führen kann. Wie der Kunsthistoriker Clemens Ottnad am Sonntag betonte, sind es lediglich "Bruchstücke der Erinnerung", die in der Galerie zu sehen sind.

Gerade das ist es jedoch, was der Retrospektive einen "ganz persönlichen Charakter" verleiht. So solle dann auch "kein Versuch einer kunsthistorischen Würdigung" unternommen werden, ließ Clemens Ottnad die zahlreichen Anwesenden wissen, sondern Eberhard Wünnenberg in seinen Werken "selbst zu Wort kommen."

Im Titel "Lebenslinien" manifestiere sich dabei zweierlei. Zum einen das Subjektive, Fragmentarische. Der Versuch, eben jene Lebenslinien nachzuzeichnen. Zum anderen die buchstäbliche Bedeutung des Wortes Linie; das, was sich mal in "amorph verdichteten Linienvegetationen", mal in "Strichwildnissen" niederschlägt.

Landschaft in ihrer ureigenen Form erfasst

Es sind spezifische Landschaftsbilder, mit denen sich Eberhard Wünnenberg in seinen Arbeiten auseinandersetzte. Jenseits des gezähmten, oberflächlichen Postkartenidylls erfasste er die Landschaft in ihrer ureigenen Erscheinungsform, ließ die besagte sinnliche Präsenz, die Atmosphäre, das Erleben dieses Ortes auf Papier und Leinwand auferstehen.

Die Frage nach dem Wie, nach dem, was intuitiv Pinsel und Zeichenstift führt, beantwortete der Künstler einst selbst. "Wie wird denn nun so ein Bild gemacht? – Am Anfang muss es wohl das Sehen sein. Wir legen den Kopf in den Nacken – da ist es: weiße und blaue Fetzen. Der Himmel, davor 100 000 Linien, Krickel, Krackel, Gewimmel, Bruchstücke, Dornen, braune verkrüppelte Blattreste, versprengte Hagebuttentupfer: ein Durcheinander, ein vollständiges Chaos."

Ebenso wie sich Wind und Wetter austoben, wie die Naturgewalten bisweilen ein faszinierendes Schauspiel inszenieren, tobte sich künstlerisch auch der Zeichner und Maler Eberhard Wünnenberg aus. Denn die Landschaft, war er überzeugt, "beginnt im Kleinen und im Ungeordneten." So sei es denn auch nicht ein "Malen, was andere freut", sondern ein "Malen, was beunruhigt, aufhorchen, innehalten lässt"; ein "Schöpfen aus dem Schillernden, Wirren", erläuterte Ottnad.

Eberhard Wünnenberg hat die ausgetretenen Pfade stets verlassen. Und dabei viele eigene Spuren hinterlassen. Ist unsere Existenz, wie ein Schweizer Autor einmal mutmaßte, "ein Puzzlespiel" und wir müssten "alles daran setzen, damit sich sämtliche Einzelteile in der richtigen Reihenfolge zusammenfügen lassen" – dann hat er ein perfektes Bild geschaffen. "Viele gute Begegnungen" mit Eberhard Wünnenberg in seiner Kunst wünschte den Anwesenden am Sonntag die kommissarische Kunstvereinsvorsitzende Monika Bühr.

Weitere Informationen: Zu sehen ist die Ausstellung im Weißen Häusle noch bis 17. November, jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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