Der Rummel wird aufgebaut. Waldtraud Jäger-Hutzelmann und ihr Sohn Michael managen die Arbeit. Foto: Stopper

Derzeit wird der Hechinger Rummelplatz aufgebaut. Waltraud Jäger-Hutzelmann ist Organisatorin.

Hechinger - Vier Tage Rummelplatz, auch das gehört zum Hechinger Irma-West-Kinder- und Heimatfest. Für die Besucher ist es ein Eintauchen in eine bunte, fremde Glitzerwelt, für die Schausteller ist diese Welt das Leben.

"Ich bin Schausteller", sagt Nils stolz. Der 22-Jährige montierte am Dienstag den "Babyflug" zusammen, ein Kinderkarussell. "Ich war schon als Kleiner ganz verrückt auf Rummel", erklärt er. Mit 17 Jahren heuerte er bei einem Fahrgeschäft an. Seither lebt er in Wohnwagen, Freunde hat er unter den anderen Arbeitern auf dem Platz, "und in Pforzheim, wo ich herkomme, da gibt es auch ein paar Leute", sagt er. Da ist er dann den Winter über. Die Stimmung auf dem Rummelplatz liebt er immer noch, eine andere Arbeit würde ihn nicht reizen. Karussells aber fährt er kaum noch. "Ja gut, das hat sich etwas gelegt", sagt er.

"Ich bin Schausteller, was sonst?", sagt auch Michael Hutzelmann. Er ist 29 Jahre alt, hat in einem Internat Abitur gemacht, und er hat eine wichtige Rolle auf dem Platz. Er ist der Sohn von Waltraud Jäger-Hutzelmann, die für die Organisation des Hechinger Rummelplatzes zuständig ist.

Wenn es irgendwo auf dem Platz klemmt, ist der Sohn präsent. Er kann Laster reparieren, havarierte Fahrgeschäfte wieder flott machen, und er hat die Platz-Technik im Blick. Immerhin verbraucht der Hechinger Rummel unter Volllast 1000 Kilowatt Strom, über 100 Menschen arbeiten hier. Und er blickt auch bei den vielen Genehmigungen durch, die man für so einen Rummelplatz braucht. "Der hat nicht umsonst Abitur gemacht, das braucht man heutzutage", sagt die Mutter strahlend.

Beide haben gemeinsam die Fahrgeschäfte für den Hechinger Rummelplatz zusammengestellt. Minikarussells für Kleinkinder, was zum selber steuern für die Älteren, Boxautos – ohne die ist kein Rummel komplett – aber auch große und schnelle Fahrgeschäfte für Jugendliche und junge Erwachsene. "Die Mischung muss stimmen", sagt sie.

Die Hutzelmanns sind uralter Schausteller-Adel, sie haben mehrere eigene Fahrgeschäfte und Süßigkeitenstände, und sie haben Kontakte. "Da hinten, da sind Kinder drin verheiratet", sagt die Chefin und zeigt auf Fahrgeschäfte am anderen Ende des Platzes. Von den richtigen Schaustellern auf dem Platz seien fast alle irgendwie miteinander verbandelt, "das gibt einen Riesenzusammenhalt".

Im herkömmlichen Sinne romantisch und frei sei das Schausteller-Leben auf dem Rummelplatz nicht, versichert Waldtraud Jäger-Hutzelmann. Sommerurlaub gibt es nicht. "Wir arbeiten viel und leben sonst eigentlich ganz normal." Die Wohnwagen haben Wasseranschluss, Duschen, Toiletten. Einer der Schausteller habe im Wagen sogar einen Whirlpool. In den Wohnwagen wird gekocht, mittags wird gemeinsam gegessen, gelegentlich wird abends mal mit Freunden gegrillt. Zum Entspannen wird auch einfach mal Fernsehen geschaut. Waschmaschinen drehen sich.

"Wissen Sie, ich habe mir nie überlegt, ob ich was anderes werden will als Schausteller", sagt Michael Hutzelmann. Es mache einfach Spaß, mit diesem bunten Rummelplatz-Gewirbel die Leute zu unterhalten. "Und wenn die glücklich sind, sind wir es auch."