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Hechingen Banales Stillleben auf zwei Ebenen

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In der Villa Eugenia und im Weißen Häusle können die Besucher Werke des Malers Heribert C. Ottersbach (links) in Augenschein nehmen, der höchstpersönlich in die Ausstellung einführte. Fotos: Maute Foto: Schwarzwälder Bote

"Kunst ist nicht Fälschung der Erfahrung, sondern Erweiterung derselben." Spinnt man den Faden des Kunsttheoretikers Konrad Fiedler weiter, führt Erfahrung unwillkürlich zu Reflexion; ein Begriff, der auch bei Heribert C. Ottersbach eine Rolle spielt.

Hechingen. Sie sind in der Villa Eugenia und im Weißen Häusle zu sehen: Werke des bekannten, zeitgenössischen Malers, dessen Arbeiten in öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten sind.

Dass sich ab sofort auch Hechingen in die Reihe prominenter Ausstellungsorte einreiht, ist ein Verdienst von Roland Milkau, der den Kontakt zwischen Ottersbach und dem Kunstverein Hechingen vermittelt hat.

Die Arbeiten, die in der Werkschau in der Zollernstadt präsentiert werden, sind alle in den vergangenen Jahren entstanden und rücken einen Aspekt in den Vordergrund, der die Malerei selbst als Reflexion über Malerei und ihre Positionierung im gegenwärtigen Kunstbetrieb in einen – im buchstäblichen Sinne – vielschichtigen Zusammenhang stellt. Ebenso wie sie sich aus der Tiefe unzähliger Farbschichten entfaltet, kratzt sie – und das nun im sprichwörtlichen Sinne – an der Fassade dessen, was heute eben jenen Kunstbetrieb charakterisiert.

Was beinhaltet sie ganz generell für ihn, den Künstler – die Malerei? In der Welt der neuen digitalen Medien ist sie, wie es Ottersbach im Gespräch mit dem Kunsthistoriker Clemens Ottnad zum Ausdruck brachte, "automatisch ein Medium der Verspätung." Dennoch ist sie weit davon entfernt, nicht mehr en vogue zu sein, ist Malerei doch "ähnlich wie Musik" ein "Kommunikationsmedium", das sinnbildlich dort in die Bresche springen kann, wo Worte nicht ausreichen oder gänzlich ausbleiben: "Wenn man sagt, mir fehlen die Worte, dann hat man vielleicht noch ein Bild."

Malerei ist mehr als nur "das Herstellen von "Dekoware"

Ottersbach hat ein Bild. Oder besser gesagt, er macht es sich – jenseits alles Zweckdienlichen. Malerei sei für ihn mehr als nur "das Herstellen von Dekoware", betonte er. Sie ist vielmehr und unter anderem ein "Hinterfragen", dem sich ab 2014/15 ein eigener künstlerischer Komplex widmet, der "Irritationen im Kunstbetrieb" kritisch unter die Lupe nimmt. Dass diesbezüglich "Interessen im Gange sind, die nichts mehr mit Kunst zu tun haben", zeige sich etwa daran, dass der gesamte künstlerische Wert eines Bildes ökonomischen Interessen untergeordnet sei: "Früher kauften Käufer Bilder mit Signaturen. Heute kaufen sie nur Signaturen", so Ottersbach. In Folge dieser Entwicklung habe er angefangen, Signaturen zu malen. "Und die waren auch noch ›gefakt‹", erklärte er mit einem Augenzwinkern. Auf das Phänomen der Ablenkung, des Nicht-mehr-Sehens des eigentlichen Bildinhaltes, machen auch die "Bildstörungen" aufmerksam, die er etwa in Form roter Punkte in seine Arbeiten einbaut. Der Betrachter ist sichtlich irritiert; eine gewollte Irritation, die sich manchmal auch auf bestimmte Erwartungen erstreckt.

Der Bitte eines Besuchers, das Werk "Bedingungen und Möglichkeiten" zu beschreiben, folgte eine überraschende Antwort: "Das ist ein ganz banales Stillleben auf zwei Ebenen. Banaler kann es gar nicht sein." Was darauf zu sehen ist? Auf der unteren Ebene: "der Inhalt meines Kühlschranks." Und auf der oberen: "mein Arbeitsumfeld"; im Grunde "die Bedingungen des täglichen Lebens meiner selbst. Ein Nachdenken über das, was mich ausmacht." Es manifestiert sich in Ottersbachs "Geländebildern", in denen Natur, Kultur und Wildnis "Identität und Gelände" zu Reflexion verweben.

Nicht zuletzt wird auch der Besucher zum Nachdenken aufgefordert – etwa, wenn er im Weißen Häusle eine Wand vor sich sieht, an der ein einziges Bild hängt. Es lohnt sich der Blick auf die Rückseite, auf der sich der Ausstellungstitel erschließt: "Alles nur Tapete" – in der Kunst wie im Leben.

Zu sehen ist die Doppelausstellung von Ottersbach in der Villa Eugenia und im Weißen Häusle noch bis 13. Oktober, jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr

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