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Hechingen Autofahrer und Kröten teilen sich die Straße

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Mit der Taschenlampe sind die Kröten gut zu erhaschen. Wenn sich Männlein und Weiblein paaren, sitzen die Tiere aufeinander.Fotos: Rommel/privat Foto: Schwarzwälder Bote

Die Kröten sind unterwegs. Der Nabu stellt auf den Strecken zwischen Hauser Hof und Weilheim sowie Rangendingen den sogenannten "Promillesträßchen", noch bis Anfang April nachts Schranken auf, um die Kröten auf ihrer Wanderung zu schützen und zu beobachten.

Hechingen. Wenn Eckhart Rommel vom Nabu Hechingen sich aufmacht, um die Aktivitäten der Kröten zu dokumentieren, dann dämmert es in der Regel bereits. Er gehört zu den ehrenamtlichen Naturschützern, die sich zu ungemütlicher Stunde und bei nassem Wetter auf den Weg machen, um die Verkehrsschranken abends auf- und morgens wieder abzubauen, zum Schutze der Tiere. "Eigentlich sind diese Straßen für den Verkehr ohnehin gesperrt, aber manche nutzen sie halt als Abkürzung", erklärt Rommel.

Das Wetter war vergangene Woche noch nass und mild, wodurch er bereits einige Tiere beobachten konnte. Erdkröten haben ihn bereits als Kind fasziniert: "Man kann sie so gut beobachten, es sind einfach faszinierende Tiere", erzählt der Geologe begeistert.

Zum Schutz vor einigen Fischen sondern Kröten Bitterstoffe ab

Nur das Fotografieren war an diesem Abend doch nicht so einfach, die Kröten sprangen ständig aus dem Bild: "Ich schätze, dass einige sich bereits auf dem Rückweg in die Waldgebiete, in denen sie leben, befinden", meint der Naturschützer.

Die Teiche brauchen die Tiere nur, um dort zu laichen – der Weg dorthin beträgt jedoch häufig bis zu zwei Kilometern. Das liegt zum einen daran, dass es in Deutschland nur noch wenige Gewässer gibt, die für Amphibien nutzbar sind – ausgesetzte Fische oder Verschmutzungen sind beispielsweise für viele Arten ein Todesurteil. "Kröten sondern aber glücklicherweise einen Bitterstoff ab, der sie vor einigen Fischen schützt", sagt Rommel. Auch die Teiche in Nähe des Hausener Hofes waren zu verschlammt, um für die Tiere attraktiv zu sein – im November wurden sie extra ausgebaggert. "Es ist spannend nun zu schauen, ob sich hier nun vermehrt Amphibien versammeln werden", so Rommel.

Den Laubfrosch etwa sehe man hier selten – er brauche einfach noch mehr Gebüsch. Ein weiterer Grund, weshalb die Tiere oft diesen langen Weg auf sich nehmen ist ihre Angewohnheit, sich immer wieder zu denselben, ihnen bekannten Gewässern zu begeben. Was die Wanderung zum Teich unter anderem so gefährlich speziell für die Kröten macht, ist das Verhalten der Männchen. "Die sind in der Überzahl, da die Weibchen nur alle zwei oder drei Jahre zu den Laichgewässern wandern", sagt Rommel. Um ein Weibchen zu finden, mit dem sie sich paaren können, halten die Männchen sich einige Zeit auf dem Straßenasphalt auf: "Auf dieser Fläche haben sie eine gute Übersicht – die Männchen versuchen, sich bereits vor den Teichen zu verpaaren", so Rommel. Dieses Verhalten erkenne man daran, dass die Tiere oft aufgerichtet auf der Straße sitzen.

Aktuell konnte Rommel bei einzelnen Kontrollgängen etwa 200 Kröten zählen. "Dieses Jahr sind es bislang so mittelmäßig viele", sagt der Hechinger. 2016 habe er besonders viele Kröten beobachten können – das Wetter war in diesem Jahr feucht und warm, in den Jahren 2017 bis 2019 sei es hingegen häufig zu kalt und trocken gewesen. "Wenn das Wetter ungünstig ist, brechen die Tiere die Wanderung manchmal auch wieder ab", so Rommel, der ehrenamtlich Amphibien und Reptilien für das Baden-Württembergische Projekt Landesweite Artenkartierung (LAK) zählt, bei dem sich im Übrigen jeder, der sich eingehender mit dem Schutz der Tiere beschäftigen möchte, bewerben kann.

Doch auch im Alltag kann man viel tun, um das Leben der Kröten sicherer zu machen: Wer etwa eine Kröte auf der Straße entdeckt, kann helfen: "Die lassen sich ganz einfach aufheben und über die Straße tragen", so Rommel. An ihrer Positionierung erkenne man meist, in welche Richtung sie wandern wollten – das sollte man natürlich beachten.

Den Kröten mit geringerem Tempo ausweichen

"Die eigene Sicherheit sollte man dabei aber auf keinen Fall gefährden", fügt der Hechinger hinzu – gerade auf Landstraßen fahren Autofahrer oft sehr schnell und vermuten keine Fußgänger. Eine etwas sicherere Alternative besteht darin, das eigene Auto nicht zu verlassen und die Kröten in ganz langsamem Tempo zu umfahren. "Es bringt aber nichts, die Kröte zwischen die Reifen zu nehmen, wenn man nicht langsam genug ist", so Rommel. Bei 50 Kilometern die Stunde sterben die Tiere bereits durch den Strömungsdruck, der ihnen schwere innere Verletzungen zufügt. Im Idealfall sollten es nicht mehr als 30 Kilometer die Stunde sein – je langsamer, desto besser. "Auf den kleinen Nebensträßchen gibt es im Grunde keinen Grund, schnell zu fahren", so Rommel. Im Zweifelsfall gehe aber die eigene Sicherheit vor.

Wer den Kröten abseits der Laichgewässer einen Lebensraum schaffen will, sollte seinen Garten naturbelassen und abwechslungsreich gestalten – und die Tiere haben sogar noch einen Nutzen: "Die fressen auch Nacktschnecken", so Rommel.

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