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Hechingen Aus dem Hobby wird eine Passion

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Willkommen im Reich der stoffgewordenen Träume: Vor 30 Jahren eröffnete Gerda Weinundbrot ihr Kostümparadies in Stein, das heute über einen Fudus von mehreren tausend Teilen verfügt. Fotos: Maute Foto: Schwarzwälder Bote

Der Stoff, aus dem die Träume sind – im Kostümparadies nimmt er auf vielfältige Weise Gestalt an. Seit drei Jahrzehnten lässt Gerda Weinundbrot textile Wünsche wahr werden.

Hechingen-Stein. Es ist, wie wenn der Blick auf eine blumenübersäte Frühlingswiese fällt. Das Auge kann sich gar nicht sattsehen, schwelgt in einem wahren Farbrausch, versucht jedes Detail zu erfassen.

Ähnlich ist das Empfinden, wenn man das Kostümparadies in der Römerstraße betritt. Dass die Bezeichnung "Paradies" nicht von ungefähr kommt, wird hier schnell deutlich. Wie an einer Perlenschnur reiht sich Kostüm an Kostüm. Spitzenbesetzte Roben warten ebenso auf ihre Trägerin wie edle Piratenmäntel auf denjenigen, der einmal auf den Spuren von Captain Jack Sparrow wandeln möchte. Unterhalb der Decke hängen in Reih und Glied prächtig ausgeschmückte Hüte, bei deren Anblick nicht nur Modisten ins Schwärmen geraten.

Ob Königin für eine Nacht, abenteuerlustiger Freibeuter oder etwas völlig anderes – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Rund 5000 Kostüme hauchen einem Satz Leben ein, der als geflügeltes Wort Einzug in den Sprachgebrauch gefunden hat: Kleider machen Leute. Und wirklich – wer in ein bestimmtes Kleidungsstück schlüpft, nimmt unwillkürlich eine andere Rolle an. Der Reiz der Maskerade – er ist ungebrochen.

Kreativität liegt quasi in der Familie

Jetzt, im Januar, machen die Nikoläuse und Engel im Kostümparadies wieder den Partyhexen und Zombibräuten Platz. Auch die Schaufensterpuppen haben mittlerweile ihr weihnachtliches Gewand abgelegt. Passend zur Jahreszeit hat sie die Geschäftsinhaberin in Schneekönig und -königin verwandelt. Bei der Umgestaltung kann sie zwar aus einem umfangreichen Bestand schöpfen, originelle Ideen sind aber freilich ebenfalls vonnöten.

Gerda Weinundbrot gehen diese nicht aus. Kreativität liegt bei ihr sozusagen in der Familie. Schon früh fertigte sie – ebenso wie die Mutter und die Schwestern – verschiedene Kostüme für Vereinsveranstaltungen an. Im Laufe der Jahre kamen auf diese Weise immer mehr Stücke zusammen, die in ihrem Elternhaus in Melchingen aufbewahrt wurden. Dass sie damals schon über einen größeren Fundus verfügte, machte unter ihren Kunden rasch die Runde, als sie 1984 ihr Friseurgeschäft in Stein eröffnete. "Immer wieder wurde ich gefragt: Hättest Du dieses, hättest Du jenes", erinnert sich Weinundbrot, die schließlich den Entschluss fasste, den Kostümverleih professionell aufzuziehen.

Mit 500 Teilen fing im Jahr 1990 alles an. Was sich für den Laien nach einer Menge anhört, lässt die Expertin nur nachsichtig lächeln. "Das ist im Grunde gar nichts", erklärt sie. Mit Feuereifer wurde deshalb entworfen, gestaltet und genäht. Sogar die Enkelinnen betätigten sich als Kostümdesignerinnen. Unterstützung erhielt die Inhaberin viele Jahre lang von der gelernten Schneiderin Gabi Kautter.

Mittlerweile sind aus den 500 Kostümen Tausende geworden. Die meisten sind selbst gefertigt, bei festlicher Abendmode setzt die Fachfrau auf hochwertige Marken. Heute werde nur noch genäht, was nicht zu beziehen sei, sagt Weinundbrot. Die Arbeit geht ihr trotzdem nicht aus – ganz im Gegenteil. Wenn andere abends fernsehen oder stricken, hantiert sie mit Nadel und Faden, schmückt hier einen Rock mit Perlen oder bessert dort die Spitze aus. Sogar einige Originale wie ein aus den 20er-Jahren stammendes Kleid ihrer Tante konnte sie dank guter Pflege erhalten.

"Man muss ein Gespür für Wünsche haben"

Geschick ist indes nicht nur im Umgang mit empfindlichen Textilien, sondern auch mit Kunden gefragt. "Man muss auf die Leute eingehen, ein Gespür für die Wünsche haben", erklärt die Inhaberin. Dass bisweilen auch Improvisationstalent vonnöten ist, zeigte sich, als vor einigen Jahren 40 Mitglieder eines Projektchors aus Ellwangen anreisten, um Kostüme für ihre Aufführung von "My Fair Lady" anzuprobieren. Kurzerhand organisierte Gerda Weinundbrot eine Kaffeerunde im Pfarrzentrum, sodass sie sich etappenweise um sie kümmern konnte.

Ihre Kunden sind in ganz Deutschland beheimatet, sogar bis nach Sylt haben es die Kostüme aus dem Schwabenland schon geschafft. Zahlreiche Fotos zeigen glückliche Brautpaare bei Mittelalter-Hochzeiten oder gutgelaunte Gäste auf Motto-Partys. Momentan sehr angesagt seien die 20er-Jahre oder sogenannte Krimidinner, weiß die Expertin, für die ihr Hobby schon lange eine Passion ist.

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Klaus Stopper

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