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Hechingen Angeklagte: "War wohl zu blauäugig"

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"Blauäugigkeit" hat eine Hechingerin auf die Anklagebank des Amtsgerichts geführt. Dabei dürfte sie sich durchaus auch als Opfer ihres Mitangeklagten fühlen, der sie offenbar mit leeren Versprechungen in ein wirtschaftliches Desaster schickte.

Hechingen. Schon vor dem Urteil ist sie hart bestraft. Um ihre Schulden an das Finanzamt zahlen zu können, musste sie ein Haus verkaufen, seit Jahren führt sie ein Leben an der Pfändungsgrenze. Die Ursache dafür liegt ein paar Jahre zurück. Die heute 52-Jährige hatte sich damals gerade von ihrem Mann getrennt, ein Enkelkind war im Anmarsch, der Sohn ohne Einkommen. Sie fühlte sich verantwortlich für die ganze Familie, war bereit dafür hart zu arbeiten. "Ich habe dringend eine Arbeit gesucht", berichtete sie vor Gericht.

In einem Geschäft für Fenster, Türen und weitere Bauelemente, geführt von einem Bekannten, wurde sie eingestellt. Bestellungen rausgeben, Rechnungen schreiben – Arbeiten, die sie als gelernte Bürogehilfin beherrschte.

Dann geriet das Geschäft in Schieflage. Ihr Chef kündigte der Belegschaft, bot ihr aber eine Stelle in seiner zweiten Firma an. Auch hier ging es um Fenstern und Türen aus Polen, diesmal allerdings auch um die Montage dieser Bauteile. Und damit war die Firma für Baumängel verantwortlich, was sich noch übel auswirken sollte. Auch in der zweiten Firma fehlte bald das Geld, obwohl die Auftragslage gut war. "Ich dachte, das liegt daran, dass mein Chef so gutmütig ist und niemand was abschlagen kann", so die Angeklagte. Und so war sie auch bereit, als ihr angeboten wurde, als Geschäftsführerin in die Firma einzusteigen. Er habe mit seiner alten Firma Probleme, da sei es besser, wenn sie in der neuen Firma vorne dran stehe, wurde ihr wohl erklärt.

"Ich dachte, wenn ich die Kontrolle über die Finanzen habe, klappt es besser", erklärte sie dem Richter. Aber ihr Geschäftspartner hinterging sie, ließ offenbar Kunden Rechnungen auf das Konto seiner Frau überweisen. Dann machte ein Großkunde Baumängel geltend, zog sein bereits gezahltes Geld wieder zurück. "Und plötzlich war nichts mehr auf dem Konto", schildert die Angeklagte die Situation.

Spätestens da hätte Insolvenz angemeldet werden müssen. Aber ihr Kompagnon habe ihr vorgegaukelt, er erhalte bald Geld, berichtete sie vor dem Amtsgericht. Die Sache zog sich hin, weil Sozialversicherungsbeiträge nicht bezahlt werden konnten – auch das ein Straftatbestand.

Und die Geschäftsführerin? "Ich hab den Kopf in den Sand gesteckt, keine Briefe mehr geöffnet", erzählte sie. Irgendwann las sie Briefe vom Finanzamt dann doch, ging damit zu ihrem Scheidungsanwalt. "Der ist erschrocken und hat mich gleich zum Insolvenzgericht geschickt", erzählt sie.

Die Firma war damit erledigt, der juristische Ärger begann. Denn als Geschäftsführerin ist sie haftbar für den Schaden. Vor Gericht versteckte sie sich nicht hinter ihrem Kompagnon. "Ich war zu blauäugig, meine Schuld, ich hätte mich besser informieren sollen." Dass sie vor Gericht ohne Wenn und Aber zu ihren Fehlern steht und auch seither energisch versucht hat, den Schaden wieder gut zu machen, trug ihr sichtbar Sympathien von Richter und Staatsanwalt ein.

Ihr Kompagnon sitzt ebenfalls auf der Anklagebank. Wie er sein desaströses Verhalten rechtfertigt, war noch nicht Gegenstand der Verhandlung. Hier wird eine Verständigung angestrebt.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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