Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Hechingen Als Fotoapparate noch eine Seele hatten

Von
IDie Wunderwelt seiner Fotoapparate-Sammlung hat Winfried Keidel am Sonntag im Rahmen einer Führung im Landesmuseum erläutert. Fotos: Stopper Foto: Schwarzwälder-Bote

"Für mich haben diese Apparate noch eine Seele", sagt Winfried Keidel. Sein ganzes Leben hat er mit Fotografie verbracht. Am Sonntag führte er im Hohenzollerischen Landesmuseum durch die Ausstellung historischer Fotoapparate.

Hechingen. Aber was heißt schon historisch? Unter den zahlreichen Gästen der Führung waren viele, die zumindest eine dieser kleinen Maschinchen einst besessen haben, die mit ihnen Urlaube und Familienfeiern "geknipst" haben. Würfelblitze, Leuchtrahmensucher, Kodak, Agfa, Zeiss, Leica. Apparate, an denen Belichtungszeit und Blende mit Drehrädchen von Hand eingestellt werden mussten. 36 Bilder gingen auf einen Film. Ob die Urlaubsbilder "was geworden" waren, sah man erst, wenn der Film und die Abzüge zuhause wieder vom Fotogeschäft abgeholt wurden.

Winfried Keidel hat diese Entwicklung hautnah miterlebt. Kein Wunder, wenn man aus einer Familie stammt, die seit 1855 in Hechingen Fotografen waren. Als er klein war, stand im Fotostudio ein riesiger Holzkasten, fast schon ein Möbelstück. "Mit dem wurde sicher über 30 Jahre lang professionell gearbeitet", erzählt Winfried Keidel. Eine Aufnahme anfertigen, das konnte damals nur ein Fotograf.

Als Kind mit Kochlöffel Entwickler umgerührt

Schon als Kind hat er mit dem Kochlöffel in der Dunkelkammer die Entwicklerflüssigkeit umgerührt. Als Geschäftsinhaber hat er später viele der Kameras verkauft und selbst benutzt, die nun als Relikte einer vergangenen Zeit in den Vitrinen des Hohenzollerischen Landesmuseums ausgestellt sind. Gut vertreten ist die Nachkriegszeit, als das Fotografieren zum Massenhobby wurde. Einige Apparate aus dieser Zeit hat er in Zahlung genommen und seiner Sammlung einverleibt. Einfach aus Liebe zur Fototechnik.

Das alles klang mit, als er am Sonntag durch die Ausstellung führte. Zu sehen waren ehemalige Wunderdinge. Die erste Agfa-Kamera etwa, die eine Vollautomatik war. Man konnte die richtige Belichtung einstellen, während man durch den Sucher schaute. Oder die "Reporterkamera" von Agfa. Gemeint war damit, dass man hier kein schweres Stativ mehr mit sich herumtragen musste. Man konnte einfach aus der Hand fotografieren.

Der Gang durch die Ausstellung war ein Stück Industriegeschichte. Namhafte deutsche Kamerahersteller, die sich im Konkurrenzkampf mit technischen Neuerungen ständig zu übertrumpfen suchten. Die ersten Spiegelreflexkameras, die ersten Wechselobjektive. Auf eine Leica, mit der Wilfried Keidel selber noch fotografiert hat – ein teures Oberklassemodell – musste für jedes Objektiv der passende Sucher aufgeschraubt werden. Und der musste dann auch noch auf die richtige Entfernung eingestellt werden. Viele Möglichkeiten, etwas falsch zu machen, gab es damals.

"Aber die Feinmechanik in diesen Apparaten hat einen fasziniert", erzählte Winfried Keidel während seiner Führung, "man hatte Achtung vor den Leuten, die diese Apparate zusammengeschraubt haben". Und das etwas ältere Publikum nickte zustimmend. Die meisten Kameras werden heute in Fernost produziert.

Als diese Entwicklung einsetzte, als die Kameras immer mehr Elektronik enthielten, hat Wilfried Keidel aufgehört, Kameras zu sammeln. Und das war noch vor der Umstellung auf Digitalkameras, die auch für das Fotogeschäft Keidel einen der größten Umbrüche der Firmengeschichte mit sich brachte. Für Winfried Keidel haben Digitalkameras keine Seele mehr.

Trotz Nostalgie: Respekt für Digitalkameras

Andererseits. Sein Sohn Martin Keidel, der heute das Geschäft führt, benutzt nun hochwertigste Profi-Apparate. Da kann von einer Aufnahme eine wandfüllende Vergrößerung angefertigt werden. "Die hat eine Schärfe, das war früher unvorstellbar", erzählt er und strahlt voller Berufsstolz. Es gibt eben immer noch Aufnahmen, die können nur Profis machen.

 Wer diese Führung verpasst hat: Am Sonntag, 19. Februar, von 15.30 Uhr an wird sie noch einmal wiederholt.

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.