Zehn Stunden und sechs Minuten war Susanne Bitzer aus Boll unterwegs. Dann hatte sie den Berglauf »Swiss alpine« in Davos geschafft - und das Dutzend voll. Foto: (sb)

Susanne Bitzer bezwingt ihrenzwölften Berglauf "Swiss alpine", trotz Sturz und Krämpfen erreicht sie Ziel.

Hechingen-Boll - Zehn Stunden und sechs Minuten war Susanne Bitzer aus Boll unterwegs. Dann hatte sie den Berglauf "Swiss alpine" in Davos geschafft - und das Dutzend voll.

Bitzer ist seit 1980 Mitglied im Ski-Club Hechingen. Darüber hinaus ist sie Ausschussmitglied, Zollerburgläuferin und Mitorganisatorin des Hohenzollernberglaufes. Als Jugendliche galt ihre sportliche Leidenschaft dem wettkampfmäßigen nordischen Skilanglauf, bis sie zum Berglauf und zum Marathon wechselte.

Den Berglauf in Davos, der über 67,6 Kilometer geht und über drei Pässe und durch sechs Täler führt, hat sie mittlerweile ein Dutzend Mal absolviert. 1986 war sie sogar die schnellste Teilnehmerin, bei den folgenden Läufen war sie immer unter den ersten zehn in der Gesamtwertung der Damen.

400 Kilometer kommen monatlich zusammen

Ab dem Jahre 2000 widmete sie sich mehr dem Familien- und Berufsleben. "In der damaligen Zeit habe ich mich eigentlich nur für mich selbst sportlich betätigt", bekennt sie. 2012 lief sie ihren vorerst letzten "Swiss alpine". 2017 stand eine Operation an, deren Folgen es erst einmal zu überstehen galt.

Aber Susanne Bitzer wäre nicht Susanne Bitzer, wenn sie die Hände in den Schoß gelegt und die Laufschuhe an den Nagel gehängt hätte. Als ihr die Ausschreibung für den Extrem-Marathon 2020 ins Haus flatterte, stand der Entschluss schnell fest. "Diesen Lauf mache ich mit." Ein tägliches Training schloss sich an - mit dem Resultat, dass monatlich etwa 400 Kilometer zusammen kamen.

Allerdings war es ein Training mit Einschränkungen, sagt sie. Denn für den hochalpinen Berglauf in Davos sind 2606 Höhenmeter zu bewältigen - und dies über Stock und Stein. "Das ist bei uns kaum zu trainieren", sagt Bitzer.

Ausgerechnet auf dem Weg bergab kommen die Krämpfe

Die ersten 35 Kilometer des Laufes in Davos seien noch ganz in Ordnung gewesen. Aber dann kamen die Krämpfe und das ausgerechnet bergab. "Bergab ist eine besondere Belastung, die man einfach trainieren muss", bekennt die Läuferin. Und wenn ihr dann Zuschauer zuriefen, "ab jetzt geht’s den Berg runter", war das für sie keine echte Aufmunterung.

Ganz im Gegenteil: 20 Kilometer vor dem Lauf-Ende musste sie dann auch noch einen Sturz und weitere Krämpfe überstehen. Froh war sie da über die mentale Unterstützung ihrer Angehörigen und Freunde, die sie ermutigten und ihr "Gel und klebrige Riegel" zum Essen reichten. "Ich habe nicht nach Hunger- oder Durstgefühl gegessen und getrunken. Essen und Trinken geschah alle 20 bis 30 Minuten, genau nach Plan", erzählt sie.

Durchhalten wichtiger als Zeit und Platzierung

Zum Glück konnte sie sich, wie sie selber erklärt, psychisch wieder fangen und lief fortan einfach langsamer und kontrollierter, um nicht in einen "Krampfmodus" zu fallen. "Zeit und Platzierung waren mir egal. Für mich ging es nur um’s Durchhalten", sagt sie. Und sie hielt durch. Nach zehn Stunden und sechs Minuten erreichte eine erschöpfte, aber dafür stolze und glückliche Susanne Bitzer das Ziel.

Wer nun glaubt, dass bei Susanne Bitzer jetzt Schluss mit der Lauferei ist, irrt gewaltig. Das Laufen lässt sie einfach nicht los. Sie hat "Lust auf einen reinen Berglauf." Und sie weiß auch schon welchen: Angepeilt hat sie im nächsten Jahr den "Jungfrau-Marathon" – eine Strecke über 42 Kilometer in den Alpen, die praktisch nur bergauf geht.