Der Markgräfler Trachtenverein sang zum Auftakt des Hebelschoppens alemannische Lieder. Foto: Bianca Flier

Zahlreiche Interessierte besuchten den 114. Hebelschoppen der Hebelfreunde Hertingen in Bad Bellingen.

Traditionsgemäß ließ Hebelvögtin Christa Heimann zur Eröffnung im Bad Bellinger Kurhaus das Hebelglöckle erklingen. Der Markgräfler Trachtenverein Kandern hieß die Gäste mit alemannischen Liedern willkommen.

 

Referent Elmar Vogt, Journalist und Geschichtsforscher, hatte sich für seinen Vortrag in umfangreiche Recherchen gestürzt. Im Vordergrund stand dabei die Rezeptionsgeschichte zu Johann Peter Hebels „Biblischen Geschichten“. Sie sind neben den bekannten „Alemannischen Gedichten“ und dem „Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes“ das bedeutendste Werk der Theologen und Heimatdichters.

Die ersten Veröffentlichungen kamen in den Jahren 1923/24 im Verlag Cotta heraus. Sie wurden und werden bis heute in ganz Europa in verschiedene Sprachen übersetzt, unter anderem ins Dänische, Englische, Italienische, Rätoromanische und Spanische. Hebel, der in Heidelberg auf Wunsch seiner Mutter Theologie studiert hatte und im Jahr 1819 vom Markgrafen Karl Friedrich zum Prälaten der evangelischen Landeskirche ernannt wurde, erhielt offiziell den Auftrag, „für den Gebrauch im evangelischen Unterricht in den Schulen Badens ein neues Lesebuch“ zu verfassen.

Die bis dahin gebrauchten „Biblischen Historien“ von Johann Hübner erschienen nicht mehr zeitgemäß. Hebel verwendete 59 Episoden aus dem Alten und Neuen Testament für sein Werk, das sowohl in Baden als auch im Ausland bis heute große Beachtung findet.

Viel Lob für Hebels „Biblische Geschichten“

Hervorragende Bewertungen, aus denen Referent Vogt ausführlich zitierte, loben Hebels „Biblische Geschichten“ als einzigartiges Werk. Gewürdigt werden vor allem seine konfessionelle Unvoreingenommenheit und seine klare Sprache. So heißt es in einem „Vorsichtig-kritischen Überblick über die deutsche Jugendliteratur“ von Albert Merget aus dem Jahr 1866: „Man merkt kaum, dass diese Geschichten von einem Geistlichen verfasst sind.“

Auch heutige Verleger äußern sich begeistert. Im Vorwort zu einer englischen Publikation aus dem Jahr 1961 wird Hebel gar mit Shakespeare auf eine Stufe gehoben. 2000 erschien im Verlag Alba in Barcelona eine spanische Übersetzung, zu welcher es heißt: „Es ist ein Buch ohne Dogmatismus, das in der Lage ist, Güte und Lehre, Religiosität und Frohsinn zu vereinen.“ Neben Verlegern und Übersetzern würdigten literarische und philosophische Größen wie Walter Benjamin und Heinrich Bölls Hebels inhaltliche Weisheit und sein Verständnis für das Populäre.

Referent Elmar Vogt mit Hebelvögtin Christa Heimann Foto: Bianca Flier

Hebel selbst schrieb nach dem Abschluss der Arbeit an den „Biblischen Geschichten“ an seine Freundin Gustave Fecht: „Es war immer mein Wunsch, dass sie gut seyn, und den Kindern nicht nur in der Schule sondern auch so lange sie leben werth bleiben mögen.“

Um dies zu unterstreichen, zitierte Referent Vogt zum Schluss noch Christoph Meckel, den Hebelpreisträger von 2018, mit den Worten: „Keine Ideologie hat Hebel beeinträchtigt oder verfälscht. Sein Glaube hat ihn nicht verengt, sondern aufgeschlossen gemacht für alles Lebendige.“ Für seinen mit zahlreichen Powerpoint-Illustrationen unterlegten Vortrag erhielt Elmar Vogt vom Publikum anhaltenden Applaus.

In seinem Grußwort betonte Bürgermeister Carsten Vogelpohl, der Hebelschoppen sei ein Glanzpunkt im Kulturleben des Markgräflerlands.

Umrahmung mit Musik und Poesie

Für stimmungsvolle Unterhaltung der Veranstaltung sorgten Urgesteine des Hebelschoppens wie Siegfried Bürgelin mit seinen Klaviervorträgen, Reinhard Geugelin mit Gedichtvorträgen, die seinem verstorbenen Bruder Hans-Frieder gewidmet waren, und „Saubi“ Saubermann mit seiner zauberhaften Basler Poesie. Das Duo „Mondzid“ bereicherte die Veranstaltung mit modernen alemannischen Liedern. Die Moderation lag in den Händen von Sonja Mannhardt.