Zwischen Hebelabend und Hebelfest gab es im Literaturmuseum Hebelhaus noch ein weiteres „Muss“ für Freunde der alemannischen Dichtkunst: die Ausstellung „Hebels Erben“ von Uli Führe.
Dass die Vernissage am Sonntagnachmittag zu einem halben Konzert mit Mundartlesung wurde, war ja zu erwarten bei einem Künstler, der vor allem als Liedermacher unterwegs ist und viele Hebeltexte vertont hat. Zwei davon, „Der allzeit vergnügte Tabakraucher“ und „Der Mann im Mond“, trug Führe auch vor.
Und er zeigt nun Porträts von Dichtern, die man mit Fug und Recht als „Hebelerben“ bezeichnen kann. Es passt also, wie Bürgermeister Philipp Lotter bei der Eröffnung sagte, dass diese Ausstellung im Hebelhaus stattfindet. Denn Johann Peter Hebel, dem dieser Ort gewidmet ist, sei selbst ein Grenzgänger zwischen den Formen gewesen: Pfarrer und Dichter, Volkserzähler und Lyriker, der aus seiner Heimat schöpfte und für alle Menschen geschrieben habe.
Uli Führe, so Lotter, teile diese Haltung und die Verbindung zu Hebel sei bei ihm keine abstrakte. Dafür bekam Führe auch vom Hebelbund Lörrach 2010 den Hebeldank und 2016 von der Gemeinde Hausen die Gedenkplakette.
Viel vom Sprachwitz des Liedermachers, der die alemannische Sprache durch seine Musik und seine Texte ganz im Sinne Hebels verstehe, war nun zu erleben.
Dass man nun Uli Führe auch als bildenden Künstler entdecken kann, war neu. Und man kann Lotter gern zustimmen, dass man in den Bildern dieselbe Handschrift wiedererkennt, die auch Führes Musik auszeichne: ein aufmerksamer Blick auf das Alltägliche, Freude am Detail, Humor und Wärme.
In diesem Jahr sind es 50 Jahre, dass Uli Führe mit alemannischen Programmen auftritt. In dieser Zeit ist er vielen Dichtern begegnet; ihre Texte haben ihn in seiner Laufbahn als Liedermacher begleitet.
Vor vier Jahren fing Führe an, viele der schreibenden Kollegen zu zeichnen, und so entstanden mehr als 50 Porträts von Hebels Erben, vom Säulenheiligen Hebel selber und auch Selbstbildnisse. Eine Auswahl davon ist im Literaturmuseum Hebelhaus zu sehen. Heidi Zöllner aus Hausen gab den Impuls zu dieser Ausstellung.
Führe erklärte bei der gut besuchten Vernissage, was ihn mit den Dichtern verbindet und wie er sie darstellt. Das reicht von Hebelpreisträger Gerhard Jung, der in diesem Jahr 100 würde, über Bruno Epple, bei dessen letztem Auftritt Führe dabei war, bis zu seinem langjährigen Freund Markus Manfred Jung, mit dem er viele Projekte gemacht hat, und den jungen neuen Mundartstimmen Sandhya Hasswani und Kathrin Ruesch. Über Epple sagte Führe, dieser sei einer der größten Alemannen, der nie den Hebelpreis bekommen habe, ihn aber verdient hätte. Unter den Porträtierten entdeckt man Lina Kromer, die erste Hebelpreisträgerin, von der Führe auch einen Text vertont hat, ebenso den Elsässer André Weckmann und den Kabarettisten Martin Schley, mit dem Führe viele Auftritte hatte.
Voller Hochachtung spricht der Liedermacher auch von Jeannot Weißenberger, dem Schopfheimer Urgestein und Kopf der „Knaschtbrüder“.
Führe hat vor allem Leute im Porträt festgehalten, die sich ernsthaft mit der Welt auseinandersetzen. Und da er Lyrik als große Bereicherung empfindet, hat er überall Textausschnitte aus deren Schaffen ins Bild eingeschrieben. Bei Hebel sind es auch mal starke Texte, die er aus dessen Briefen zitiert.
Auch die Farbwahl hat einen Grund, so hat sie bei Lina Kromer etwas Erdig-Verwurzeltes. Der Hintergrund ist oft symbolisch, wie bei Roland Hofmaier das Röttler Schloss, das so zerbrochen ist wie Hofmaiers hoffnungsvolle Karriere durch den frühen Tod.
Die Porträts sagen also viel über die verschiedenen Dichter aus, über ihre Charaktere und Mentalität, wie sie als Mensch sind und wie tiefgründig ihre Texte erscheinen. Mehr als nur eine Rundung war, dass vier Autoren, Weggefährten von Führe, zugegen waren, die teils eigene, aber auch fremde Texte der in der Ausstellung vertretenen Erben Hebels vortrugen: Initiatorin Heidi Zöllner las etwas von Jenny Wagner-Meister und Lina Kromer, Sandhya Hasswani ein Gedicht, mit dem sie früh beim Gerhard-Jung-Wettbewerb erfolgreich war.
Markus Manfred Jung erinnerte an seinen Vater Gerhard Jung und Manfred Marquardt, neben Hebel für ihn „die Größten“. Und Edgar Zeidler rückte elsässische Dichter wie Emile Storck, Nathan Katz, Adrien Finck und nicht zuletzt André Weckmann wieder ins Bewusstsein.
„Ausstellung: Hebels Erben“ bis 5. Juli, Literaturmuseum Hebelhaus Hausen, Samstag und Sonntag von 13.30 bis 17 Uhr.