Wer ist der Träger der 67. Hebel-Gedenkplakette? Dieses Geheimnis wurde am Samstag beim Hebelabend in Hausen gelüftet. Ein Abend ganz im Zeichen des Hebel-Jubiläumsjahrs.
Die Johann-Peter-Hebel-Gedenkplakette 2026 geht an den renommierten Historiker und Heimatforscher Volker Kronemayer. Der nunmehr 67. Träger dieser Auszeichnung, die Jahr für Jahr auf Vorschlag der Hebelkommission von der Gemeinde Hausen im Wiesental verliehen wird, bekam die Plakette vor allem für sein jahrzehntelanges Engagement als Vorstandsmitglied des Heimat- und Kulturvereins Badische Heimat. Zudem ist er Vorsitzender des Vereins für Heimat- und Brauchtumspflege Brühl/Rohrhof.
Besonders verdient gemacht in Sachen Hebel
Kronemayer, so erklärte Bürgermeister Philipp Lotter bei der Enthüllung des lange gehüteten Geheimnisses, habe sich in herausragender Weise um die Erforschung, Dokumentation und Vermittlung des Lebens und Wirkens von Johann Peter Hebel und die Geschichte des alemannischen Sprachraums verdient gemacht.
Ein besonderes Jahr für den berühmten Dichter
Kronemayer bekam diese hohe Auszeichnung des Hebeldorfs in einem besonderen Jahr verliehen, wie Lotter nicht müde wurde zu betonen. Denn in diesem Jahr jährt sich der Tod des berühmten Dichters zum 200. Mal.
Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung am 26. September wird in Schwetzingen am Hebelgrab zum 100. Mal ein Kranz niedergelegt. Der Hebelbund Lörrach hat zu diesem Anlass eine Busfahrt organisiert, zu der sich Interessierte anmelden können. Dies freilich sind nur zwei von vielen Veranstaltungen zu Ehren Hebels in diesem Jahr – in Basel, Lörrach, Schopfheim und Schwetzingen. Gleich am kommenden Sonntag geht es in Hausen weiter mit der 90. Verleihung des Hebelpreises.
„Der Geist Hebels lebt noch in uns“
Entsprechend lang fiel die Begrüßungsrede des Bürgermeisters aus. Die Landrätin und ihr Ehemann waren unter den Gästen, aber auch die Landtagsmitglieder Sarah Hagmann und Niklas Nüssle. Außerdem waren zahlreiche Plakettenträger wie Altbürgermeister Martin Bühler gekommen. „In seinen Worten und seiner Mundart lebt der Geist Hebels auch nach 200 Jahren noch in uns“, resümierte Lotter.
Die Laudatio für den neuen Plakettenträger hielt am Abend Gundula Sprenger. Vor gerade einmal zwei Monaten hat sie die Nachfolge Kronemayers als Vorsitzende der Regionalgruppe Schwetzingen des Vereins Badische Heimat übernommen. Sprenger wies auf weitere Ehrenämter und Verdienste des Geschichtsforschers hin, der mit seinen zahlreichen Publikationen viele Kenntnisse verbreitet habe. Sie beschrieb Kronemayer als bescheiden, humorvoll und aufgeschlossen, ein Teamplayer, den auch seine Bewunderung für Hebel 32 Jahre lang durch das Ehrenamt getragen habe. Hebel, so sagte Kronemayer im Gespräch, habe der Versuchung stets widerstanden, sich selbst zu inszenieren. „Unsere Gesellschaft könnte sehr viel mehr Hebel brauchen.“
Eingerahmt war die Preisverleihung in der Hausener Festhalle wie gewohnt in einen feierlichen Festakt mit bekannten, aber auch überraschenden Programmpunkten. Für die musikalische Umrahmung sorgte dabei die Hebelmusik Hausen unter der Leitung von Maximilian Schaffrina. Sie brachte Stücke wie „The Glacier Express“ von Larry Neck und zum Abschluss den Basler Marsch von Willi Haag zu Gehör - ein gesetzter Programmpunkt: Denn darin eingearbeitet ist auch das berühmte Baslerlied „Z’Basel am mym Rhy“, dessen Text auf Hebel zurückgeht.
Darauf und auf vieles mehr wies das neue Moderatoren-Duo Melanie Brunner und Wernfried Hübschmann hin. Mit ihren Hinweisen und Anekdoten führten sie die zahlreichen Gäste informativ durch den Abend und lüfteten dabei auch das Geheimnis um den Maler der Kulisse im Hintergrund. Paul Erich Aey hat das in Hausen allseits bekannte Gemälde im Jahr 1935 angefertigt, wie Hans Stiegeler zu berichten wusste.
Vreneli und Hanseli begeistern Publikum
Ein wenig Folklore durfte bei dem Festakt auch nicht fehlen. Genauso wie die Musiker trat auch die Volkstanzgruppe der Grundschüler unter der Leitung von Gabriele Kropf historisch gewandet auf. Die Vreneli und Hanseli, wie die Hausener Kinder in ihren Markgräfler Kostümen genannt werden, sind fester Bestandteil der alljährlichen Hebel-Feierlichkeiten.
Auf der Bühne legten sie einen beschwingten Tanz rund ums Holzmachen hin. Die Gunst des Publikums hatten sie mit dieser Aufführung schnell gewonnen.
Rap-Künstler übersetzt Hebel in die Neuzeit
Ein besonderer Höhepunkt am Abend war der Auftritt des Basler Rap-Künstlers Urs Baur alias „Black Tiger“. Literarisch eigentlich nicht sonderlich bewandert, wie er selbst sagte, widmete er sich auf Anfrage dennoch der Herausforderung, Werke des Mundartdichters in seinen ganz eigenen Sprechgesang sowie in die Neuzeit zu übersetzen.
Und so verlegte er das „Unverhoffte Wiedersehen“ in einen schmelzenden Gletscher, der die Vergangenheit wieder freigab. Aus dem russischen General Suwarow wurde ein unerträglicher Firmenchef. Und auch Hebels Kalendergeschichte „Kannitverstan“ funktionierte als neu interpretierter baseldytscher Sprechgesang erstaunlich gut. Ein Auftritt, der mehr als viele Worte deutlich machte, wie lebendig Hebels Werk noch immer ist.