Das Duell auf Augenhöhe in Stuttgart ging für James Scott (am Ball) und den HBW unglücklich verloren – jetzt richten sich die Blicke auf das Heimspiel gegen den HSV Hamburg. Foto: Eibner

Das Drama in der Stuttgarter Porsche-Arena hat bei den Balinger Handballern Spuren hinterlassen. Auch Trainer Jens Bürkle trauert den verlorenen Punkten hinterher.

"Wir hätten hier gerne was mitgenommen", sagte Bürkle nach der unglücklichen 26:27-Niederlage seines HBW beim TVB Stuttgart; dabei war ihm die Enttäuschung anzusehen. "Die Chance war auf jeden Fall da", trauerte er möglichen Punktgewinnen hinterher. In puncto Kampf und Einsatz konnte man seinem Team nichts vorwerfen, beide Mannschaften lieferten sich einen packenden Fight auf Augenhöhe, "doch wir waren in den entscheidenden Momenten das kleine bisschen schlechter als Stuttgart, und so hat Stuttgart auch verdient gewonnen", zeigte sich Bürkle als fairer Sportsmann.

TVB jubelt

Beim Sieger war den Spielern die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. "Es fällt eine Riesenlast von uns ab. Wir hatten viele Schwankungen in unseren Leistungen, das war auch heute so", gab TVB-Kapitän Patrick Zieker zu, "Hut ab vor der Mannschaft, dass sie dieses Spiel gewonnen hat. Diese Punkte sind Gold wert – gerade in einem Derby gegen einen direkten Konkurrenten."

Bürkle trauert

Das war es auch, was den Balingern besonders wehtat. "Ich glaube, wir hatten hier unsere Momente im Spiel", glaubt Trainer Bürkle, "gerade beim 24:25 ›droht‹ das Spiel zu unseren Gunsten zu kippen, und wir setzen eigentlich die entscheidenden Nadelstiche." Und trotzdem wird es nichts aus dem (zumindest) Punktgewinn. "Insgesamt bin ich mit ein paar Dingen nicht zu hundert Prozent zufrieden", sagt Bürkle, dem die Leistung zu schwankend war und manche Aktionen "zu wild". Mit dem Ergebnis, dass der TVB Stuttgart den HBW nun – punktgleich – aufgrund des besseren Torverhältnisses in der Tabelle überholt hat – statt dass der HBW die Chance genutzt hätte, die Mannschaft von Trainer Roi Sánchez zu distanzieren. Der war "wahnsinnig stolz auf die Mannschaft, dass sie dieses Spiel ohne Linkshänder im Rückraum gewonnen hat."

Mageburg marschiert

Ganz oben in der Tabelle stürmt der SC Magdeburg weiter verlustpunktfrei und als Tabellenführer durch die Bundesliga, Rekordmeister THW Kiel musste dagegen einen Punktverlust hinnehmen. Im Topspiel am Sonntag setzte sich Magdeburg mit 33:28 gegen die SG Flensburg-Handewitt durch – den nächsten Gegner des TVB Stuttgart am Sonntag – und verschärfte damit die sportliche Krise des Vizemeisters. Kiel kam nicht über ein 21:21 (9:10)-Remis bei Pokalsieger TBV Lemgo hinaus. Spitzenreiter ist stattdessen der SCM. Am kommenden Sonntag kommt es zwischen diesen beiden Teams zum Showdown beim THW.

Flensburg schwächelt

"Ich finde, die Mannschaftsleistung war einfach unglaublich heute", sagte Magdeburgs Michael Damgaard, der mit sieben Treffern bester Torschütze des Spiels war. Den Flensburgern, die immer mehr den Kontakt zur Spitzengruppe verlieren, halfen dagegen auch die jeweils vier Tore von Aaron Mensing und Hampus Wanne nicht. "Momentan ist es hart für uns, diese Auswärtsspiele wie in Kiel oder Magdeburg zu bestreiten, weil wir da nicht auf Augenhöhe sind", sagte Flensburgs Trainer Maik Machulla. "Aber ich sag es noch mal ganz deutlich: Diese Ansprüche, die wir haben –darum unterschreibt auch jeder einen Vertrag in Flensburg, weil wir oben dabei sein wollen – die werden wir behalten." Die Stuttgarter werden sich warm anziehen müssen.

Balinger Kampfansage

Abgeschlagener Tabellenletzter bleibt indes GWD Minden, das beim 27:31 (14:13) bei Aufsteiger HSV Hamburg die siebte Niederlage im siebten Spiel kassierte. Die Hamburger rangierten auf Platz 5 und muss am Donnerstagabend (19.05 Uhr) zum HBW Balingen-Weilstetten. "Auch wenn Hamburg kein normaler Aufsteiger ist, müssen sie erst einmal in der Sparkassen-Arena bestehen", schickt HBW-Rechtsaußen Moritz Strosack eine Kampfansage in den Norden. "Wir haben schon sehr gute Heimspiele gezeigt – warum also nicht auch am Donnerstag?", fragt sich Strosack. Denn das Drama in Stuttgart ist spätestens nach den Trainingseinheiten am Montag abgehakt: "Jetzt geht der Blick voraus!"