Balingen-Weilstetten holt einen Sechs-Tore-Rückstand auf und bezwingt die HSG Nordhorn-Lingen noch mit 37:33 (16:19).
Die rund 600 Kilometer lange Anreise ins Euregium, eine Mehrzweckhalle der niedersächsischen Stadt Nordhorn, schien den Handballern des HBW Balingen-Weilstetten überhaupt nicht zu bekommen.
Am späten Sonntagnachmittag taten sich die Gäste äußerst schwer, ins Spiel zu finden. Vielleicht lag es aber auch an der äußerst intensiven und sehr offensiv ausgelegten 3:3-Deckung, die die HSG dort auf die Platte zauberte. Nach einer schnellen 3:1-Führung der Hausherren (4.) kämpften sich die „Gallier“ jedoch zurück und glichen nach knapp neun gespielten Minuten durch Sascha Pfattheicher aus (4:4).
Wer nun aber dachte, dass sich der HBW auf die sehr offensive Deckung entsprechend eingestellt hatte, wurde enttäuscht. Zwar gelang es den Gastgebern nicht, sich umgehend wieder abzusetzen, doch vom als Tabellenzweiten angereisten HBW kam im Angriff einfach zu wenig. Bei nahezu jeder Offensivaktion ging es ins Zeitspiel und so mussten Huber, Raguse und Co. sehr hart um jeden Treffer kämpfen.
Erschwerend kam für die Gäste gegen Ende des ersten Abschnitts hinzu, dass HSG-Schlussmann Kristian van der Merwe nun immer mehr Hände an den Ball bekam und so den Grundstein für die 19:16-Pausenführung der HSG Nordhorn-Lingen legte.
HBW verschläft den Re-Start
Auch beim Beginn des zweiten Abschnitts waren die Gäste mit den Gedanken wohl noch in der Kabine. Über sechs Minuten und 30 Sekunden lang erzielte der Favorit im hohen Norden keinen eigenen Treffer, und da die Hausherren drei Einschläge für sich verbuchen konnten, wuchs die Führung auf satte sechs Treffer an. Bennet Strobel war es dann vorbehalten, die „Gallier“ im zweiten Abschnitt anzumelden, indem er auf 17:22 verkürzte.
Als Elmar Erlingsson aus der eigenen Hälfte den alten Sechs-Tore-Abstand wiederherstellte, wurde es HBW-Cheftrainer Matthias „Matti“ Flohr zu bunt und er betätigte den Auszeit-Buzzer. „Wir müssen etwas anders machen“, lautete die kurze und prägnante Ansage an seine Schützlinge. Und die gehorchten aufs Wort. So war es ein 5:1-Lauf, der die Gäste wieder zurück ins Spiel brachte (42.). Und es wurde noch besser. Nur sieben Minuten später glich Elias Fügel für seine Farben aus (27:27).
Ruggiero-Matthes in bester Torhütermanier
In der Crunch-Time hatte der Tabellenzweite die größeren Reserven, den besseren Torhüter und nun einen sehr variablen Angriff. Die mitentscheidende Szene ereignete sich allerdings 250 Sekunden vor dem Ende in der eigenen Hälfte. Nach einem Fehlpass der HSG-Offensive schaltete Tim Ruggiero-Matthes geistesgegenwärtig und warf sich in bester Torhütermanier auf das Spielgerät. Dabei riskierte der Linksaußen Kopf und Kragen und musste zur weiteren medizinischen Untersuchung in die Katakomben.
So wechselte das Angriffsrecht und der HBW legte damit den Grundstein für den Auswärtssieg. Bester Werfer beim HBW war Sascha Pfattheicher mit zehn Treffern. Elias Huber glänzte mit neun Vorlagen und Daniel Rebmann war mit zehn Paraden ein sicherer Rückhalt für den HBW Balingen-Weilstetten, der durch den Sieg weiter ganz dick im Aufstiegsgeschäft mitmischt und nun am kommenden Sonntag gegen die Eulen Ludwigshafen nachlegen will. Anwurf ist dann um 17 Uhr in der Mey Generalbau Arena.
Pöhle: „super zufrieden“
„Wir wussten, dass Nordhorn ein sehr heimstarkes Team mit einer lauten Halle ist. Daher bin ich super zufrieden, dass wir hier gewinnen konnten. Mit dem 3:3 wurden wir gerade im ersten Abschnitt überrascht und vor Probleme gestellt, glücklicherweise haben wir im zweiten Durchgang bessere Lösungen gefunden und dann noch das Spiel gedreht“, so der ehemalige HSG-Akteur Georg Pöhle, der nun das Trikot der „Gallier“ trägt.
Statistik
HBW: Rebmann (10 Paraden), Nagy – Ruggiero-Matthes (1), Raguse (5), Huber (5), Grupe, Strobel (2), Grüner, Wente, Fügel (2), Heinzelmann (4), Pfattheicher (10/4), Dayan (1), Leimeter (6), Pöhle (1), Bauer.
Siebenmeter: 2/3 (Rebmann hält gegen Bandlow) - 4/4.
Zeitstrafen: 6 - 5.
Zuschauer: 2163 (im Euregium).