Axel Kromer (hier im Jahr 2023 mit Nationalspielerin Xenia Smits) verfolgt die Frauen-WM, am Freitag kommt es mit dem HBW jedoch zu einer Terminkollision. Foto: Marco Wolf/dpa

Erst spielen die DHB-Frauen im WM-Halbfinale, danach der HBW Balingen-Weilstetten sein Topspiel. Das sagt der HBW-Geschäftsführer Axel Kromer über die beiden Spiele am Freitag.

Diese Terminplanung ist maximal unglücklich: Um 17.45 Uhr spielen die DHB-Frauen bei der Weltmeisterschaft im Halbfinale gegen Frankreich, um 20 Uhr steigt für den HBW Balingen-Weilstetten in Hagen das Topspiel der zweiten Bundesliga. Als früherer DHB-Sportvorstand und heutiger HBW-Geschäftsführer hat Axel Kromer natürlich an beiden Partien Interesse. Wie er damit umgeht, was er den DHB-Frauen zutraut und wie er seine bisherige Zeit in Balingen bewertet, hat er uns im Gespräch erzählt.

 

Herr Kromer, am Freitag spielen die DHB-Frauen um 17.45 Uhr ihr WM-Halbfinale, der HBW Balingen-Weilstetten tritt um 20 Uhr zum Zweitliga-Topspiel in Hagen an. Können Sie beide Spiele verfolgen?

Ich werde in Hagen sein und mich natürlich per Handy informieren. Aber ich werde mich im Vorfeld nicht auf das DHB-Spiel einlassen können, dazu ist unser eigener Auftritt zu wichtig. Im Nachgang werde ich selbstverständlich mit dem Bundestrainer in Kontakt sein, aber das gesamte Spiel werde ich nicht verfolgen können.

Wie eng ist Ihr Austausch mit Markus Gaugisch?

Wir sind regelmäßig im Kontakt – mit Markus und auch anderen Kolleginnen und Kollegen, die das Team betreuen. Ich war ja bis vergangenen Sommer selbst Teil des Stabs, viele Verbindungen bestehen weiter. Und klar: Da hängt noch Herzblut dran.

Haben Sie nach dem Sieg im Viertelfinale gegen Brasilien am Dienstag miteinander gesprochen?

Ja. Ich habe ihm gratuliert – mehr nicht. Ich mische mich selbstverständlich nicht ungefragt ein und am Dienstagabend gab es keine Frage (lacht).

Bundestrainer Markus Gaugisch und Axel Kromer stehen regelmäßig in Kontakt. Foto: Marijan Murat/dpa

Kam schon eine Antwort?

Markus hat sich über die Glückwünsche gefreut und bestätigt, dass sich die Stimmung und die Entwicklung im Team momentan sehr gut anfühlen.

Wie bewerten Sie die DHB-Leistung bis jetzt?

Ich löse die sportliche Bewertung bewusst von den Ergebnissen. Denn es ist schon so, wie zum Beispiel auch Dinah Eckerle gesagt hatte. Nicht in jedem WM-Spiel musste man auf Topniveau sein, um es zu gewinnen. Entscheidender ist daher für mich, wie sie spielen und die Leistung hat mich sehr gefreut. Besonders die Abwehr beeindruckt mich – aggressiv und aktiv, so dass die Gegnerinnen zu Fehlern gezwungen werden. Das ist im Frauenhandball derzeit ein echter Gewinn und das Prunkstück unseres Teams. Das hat mich schon in der Vorrunde in Stuttgart, als ich in der Halle war, beeindruckt.

Jetzt steht das Team im Halbfinale. Ist eine Medaille realistisch?

Von vier Mannschaften, die im Halbfinale stehen, werden drei eine Medaille holen. Da wird’s kein Team geben, das keine Medaille will. Deutschland hat bislang alle WM-Spiele gewonnen, wenn sie noch eines der beiden nächsten gewinnen, haben sie eine Medaille – auch wenn die Aufgaben schwerer werden. Ich traue es dem Team natürlich zu, fordere aber keine Medaille. Und man darf nicht unterschätzen, was es bedeutet, aus der Euphorie in den Heimhallen jetzt nach Rotterdam zu wechseln, wo die Stimmung bisher deutlich verhaltener war. Das wird auch mental eine Aufgabe.

Noch mal zurück zum HBW: Am Freitag treffen Sie auf Hagen, die in dieser Saison ganz vorne mitmischen. Kam das für Sie unerwartet?

Ich bin jetzt seit einem knappen Jahr beim HBW und habe letzte Saison schon die Rückrunde erlebt und mich natürlich auch intensiv mit der Vorrunde noch mal beschäftigt. Da war schon zu erkennen, dass es eigentlich in der zweiten Liga noch weniger Klarheit gibt, welche Mannschaften sich an welchem Wochenende wo durchsetzen als in der ersten Liga. Hagen hat herausragende Einzelspieler wie Pouya Norouzi oder Niclas Pieczkowski, der 2016 Europameister wurde. Dazu sie haben eine sehr akribisch arbeitende Mannschaft, die klar das System verfolgt. Trotzdem würde ich unseren Kader nicht tauschen – ich finde, wir haben den besseren Kader. Wir haben die Qualität, jetzt müssen wir sie in diesem schweren Auswärtsspiel zeigen. Ich traue unserer Mannschaft den Sieg zu und den peilen wir auch an.

Wie weit sind Sie in der Kaderplanung für die nächste Saison? Steht der Kader mehr oder weniger?

Diese letzte Aussage kann ich bestätigen: Der Kader steht mehr oder weniger. Wenn sich wirtschaftlich etwas verändert – entweder durch eine neue Liga oder einen neuen Partner – schauen wir natürlich, was noch möglich ist, um uns weiter zu verstärken. Das ist aber aktuell nicht vorhersehbar und daher auch nicht geplant. Daher planen wir personell grundsätzlich so, dass die Mannschaft für beide Ligen gerüstet ist.

Wie fällt Ihr Zwischenfazit nach knapp einem Jahr beim HBW Balingen-Weilstetten aus? Was sind die Ziele für die Zukunft?

Mir gefällt es sehr gut. Wir konnten viele Dinge schon gemeinsam vorantreiben, die einfach in der Doppelspitze machbarer waren als es im Vorfeld vielleicht für Felix (Anm. d. Red.: Felix König, ebenfalls HBW-Geschäftsführer) allein gewesen wäre. Ein eigenes Trainingszentrum bleibt ein Ziel, auch wenn wir da merken, dass manche Mühlen langsam mahlen. Sportlich wollen wir maximal erfolgreich sein – der Kampf um den Aufstieg ist das klare Ziel. Parallel müssen wir weiter Strukturen schaffen, um künftig auch höhere Ansprüche glaubhaft formulieren zu können.