Jona Schoch freute sich über den Sieg und glaubt aufgrund der zuletzt guten Leistungen: "Die Kurve geht nach oben!" Foto: Kara

Der HBW Balingen-Weilstetten hat sich gegen den Bergischen HC am Sonntag zwei wichtige Punkte geholt. Beim 30:28 (15:13)- Erfolg zeigten sich die Gastgeber in der Sparkassen Arena sehr fokussiert.

"Die Kurve geht nach oben", freute sich HBW-Rückraumspieler Jona Schoch nach dem glücklichen Ende der nervenaufreibenden Partie. Trainer Jens Bürkle hatte sein Team nach der Niederlage gegen Erlangen am Donnerstagabend gelobt: "Das war seit Wochen das Spiel mit den wenigsten Fehlern von uns. Wir haben heute viele Dinge wirklich gut gemacht."

Voll motiviert und giftig

Daran versuchten die Gallier gegen den Bergischen HC anzuknüpfen, sie zeigten sich auch voll motiviert und giftig, aber der Gegner war hervorragend eingestellt auf den HBW, so fanden die Hausherren zunächst kaum Lücken in der BHC-Abwehr. Ob es daran lag, dass einige Gäste-Akteure eine HBW-Vergangenheit hatten? So Keeper Tomas Mrkva, der von 2016 bis zum Wiederaufstieg 2019 das HBW-Trikot trug. Oder Fabian Gutbrod, der sogar gemeinsam mit HBW-Trainer Jens Bürkle auf der Platte stand und sich augenzwinkernd erinnerte: "Sprints waren jedenfalls nicht seine Stärke."

Taktikfuchs Jens Bürkle

Dafür aber die Taktik – und das stellte Bürkle auch gegen den Tabellenneunten unter Beweis, auch wenn er mit Tim Nothdurft den nächsten bitteren Ausfall zu beklagen hatte: In der Szene kurz vor der Pause gegen Erlangen zog sich der Linksaußen, der in der nächsten Saison das BHC-Trikot tragen wird, einen doppelten Bänderriss zu.

Für Nothdurft schickte Bürkle Patrick Volz aufs Parkett – und der machte seine Sache sehr gut. Begünstigt durch eine frühe Disqualifikation gegen den BHC-Kreisläufer Tom Kare Nikolaisen, dessen Ellbogen das Gesicht von Kristian Beciri traf, und mehreren Paraden von Mario Ruminsky, baute sich der HBW ein Vier-Tore-Polster (10:6) auf und agierte mit breiter Brust in dem Duell zweier Teams "auf Augenhöhe" (Gutbrod). Sympbolisch dafür: Vladan Lipovina, der aus dem Rückraum zwei Granaten mit 132 und 130 km/h in die Maschen setzte.

Auch Zaubertore fallen

Der Spielverlauf kam den Balingern entgegen, die nun oft ins Tempospiel kamen und viele "einfache" Tore gegen die bislang beste Deckung der Liga markieren konnten. Und so gelangen auch im stehenden Angriff plötzlich Zaubertore wie das 15:10 von Moritz Strosack. Nachdem der BHC allerdings unter maßgeblichem Anteil von Gutbrod verkürzt hatte, mahnte Bürkle seine Spieler: "Männer! Es gibt eigentlich nur eins: Kontakt mit Fabian Gutbrod. Egal wie, egal welcher Kniff: Wir brauchen Kontakt!" Bis zur Pause verkürzte der BHC dennoch auf 15:13. "Das war sicher das Problem in der ersten Halbzeit", resümierte HBW-Rückraumspieler Jona Schoch, "dass wir Probleme mit Gutbrod hatten, der konnte aus allen Lagen schießen."

Vier-Tore-Führung will nicht gelingen

In der zweiten Halbzeit fiel es sowohl Gutbrod als auch den Balingern nicht mehr ganz so einfach, die Tore zu markieren, aber Mario Ruminsky hielt seine Farben im Spiel. "Geht mit Überzeugung drauf!", forderte Bürkle beim 26:23-Zwischenstand eine Viertelstunde vor Schluss. Immer wieder gelang es nicht, auf vier Tore wegzuziehen, es blieb eng.

Knacks nach Roter Karte

Als Jona Schoch zehn Minuten vor Schluss per Roter Karte (Armschlag – "das habe ich falsch eingeschätzt, sorry") eliminiert wurde, kam ein Knacks ins Balinger Spiel. Schnell stand es 27:27, und die eigentlich sicher geführte Partie drohte den Balingern zu entgeleiten. Nach dem 28:28 erinnerte sich James Scott an Bürkles Aufforderung, mit Überzeugung abzuschließen, tankte sich durch und legte den Grundstein für eine abermalige Zwei-Tore-Führung, mit der es in die letzten vier Minuten ging.

Durchatmen nach der Schlusssirene

BHV-Trainer Sebastian Hinze, der in der nächsten Saison bei den Rhein-Neckar Löwen an der Seitenlinie stehen wird, verzweifelte immer mehr, weil HBW-Keeper Ruminsky einen Ball nach dem anderen entschäfte und damit dem HBW die Punkte sicherte, weil die sich die letzten Sekunden an Bürkles Aufforderung hielt: "Ruhe behalten!" Und nach dem 30:28-Abpfiff: Durchatmen!

Statistik

HBW: Simon Sejr Jensen, Mario Ruminsky; Vladan Lipovina 8/1, Elias Huber, Gregor Thomann, Daniel Tor Ingason 2, Fabian Wiederstein, Kristian Beciri 2, Luca Munzinger, Jonas Schoch, Björn Zintel 1, James Scott 3, Patrick Volz 2, Tobias Heinzelmann, Moritz Strosack 1.