Vor Monaten wurde die alte Lammerberg-Realschule in Tailfingen abgerissen. Die neue soll bis 2028 fertig sein – sie ist die derzeit größte Bauinvestition der Stadt Albstadt. Foto: Rapthel-Kieser

In den Albstädter Gemeinderat ist am Donnerstag der Haushaltsplan 2026 eingebracht worden. Er wird von der Notwendigkeit diktiert, zu sparen, wo immer es geht.

Überraschungen waren nicht zu erwarten gewesen, und die Stadt hatte auch keine zu bieten. Die Rezession dauert an und trifft alle Kommunen, den Industriestandort Albstadt aber mit besonderer Härte. Zudem ist alles, vom Bleistift bis zur Betonschalung, teurer geworden, und ganz besonders das Personal – die Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre machen sich auf der Sollseite bemerkbar. Albstadts Ergebnishaushalt ist 2026 defizitär, und auch bei den Investitionen sind keine großen Würfe drin: Das ursprünglich vorgesehene Programm hätte eine Nettoneuverschuldung in Höhe von 22 Millionen Euro erfordert; die hätte das Regierungspräsidium nie genehmigt. Nach dem hausinternen Streichkonzert sind sechs Millionen übrig geblieben.

 

Dabei hätte es schlimmer kommen können: Die Gewerbesteuereinnahmen werden im städtischen Entwurf mit 25 Millionen Euro angesetzt; das ist eine halbe Million weniger als im Vorjahr. Der große Kollaps ist ausgeblieben, nicht zuletzt aufgrund der vor Jahresfrist beschlossenen Erhöhung des Hebesatzes auf 365 Prozentpunkte, aber von den Zahlen der fetten Jahre ist man weit entfernt. Die Einnahmen aus der Grundsteuer B liegen knapp unter acht Millionen Euro; das entspricht den Vorjahreszahlen, durchaus zur Genugtuung von Stadtkämmerin Michael Wild: Der Hebesatz war infolge der Reform der Steuererhebung erhöht worden, und zwar mit dem Ziel der Aufkommensneutralität. Dieses Ziel ist erreicht worden.

Die gesamten Steuereinnahmen der Stadt sollen 2026 mit 69,7 Millionen Euro etwas höher, die Schlüsselzuweisungen mit 42,3 Millionen Euro etwas niedriger als 2025 ausfallen. Alles in allem kalkuliert die Kämmerei mit Einnahmen in Höhe von 164,9 Millionen Euro.

Ausgaben übersteigen Einnahmen um 1,7 Millionen Euro

Denen stehen misslicherweise Ausgaben von 166,2 Millionen gegenüber, rund vier Millionen mehr als 2025: Die Personalkosten steigen aufgrund von Tarif- und Besoldungserhöhungen um 1,7, die Sachausgaben um zwei auf 31,2 Millionen Euro. Der Zuwachs ist der Inflation geschuldet; laut Wild hat kein Amt im Haus mehr Geld gefordert als im Vorjahr: „Wir sind jetzt ziemlich ausgemostet.“ In der Rechnung sind allerdings auch 14,8 Millionen Euro Abschreibungen enthalten – wäre der Ergebnishaushalt 2026 kein doppischer, sondern ein kameralistischer, dann wäre unterm Strich eine schwarze Zahl gestanden. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Neun Millionen Euro Liquidität

Immerhin, für den Finanzhaushalt kann die Stadt einen Zahlungsüberschuss von neun Millionen Euro aufbieten – davon gehen allerdings 5,2 Millionen für die Schuldentilgung weg. 2025 hatte das Investitionsprogramm noch 31,8 Millionen Euro umfasst, 2026 sind es noch 15 Millionen. Größter Rechnungsposten ist mit 11,7 Millionen der Bau und hier der Neubau der Lammerberg-Realschule, die 2028 fertig werden soll. Die Sanierung der Ebinger Kirchgraben- und der Lautlinger Ignaz-Demeter-Schule wird fortgesetzt, desgleichen die Neugestaltung des Onstmettinger Parks.

Stadtkämmerin Michaela Wild Foto: Kistner

Was aus dem geplanten Onstmettinger Zentralkindergarten und der Hallensanierung wird, ist dagegen offen; die Stadt prüft laut Oberbürgermeister Roland Tralmer derzeit verschiedene Optionen. Die Gebäudebestandsoptimierung (GBO) geht weiter; im Fokus ist weiterhin die ehemalige Riedschule in Onstmettingen alias „Haus der 1000 Waagen“, doch auch hier, versichert Tralmer, seien noch keine Entscheidungen gefallen.

Pro-Kopf-Verschuldung beträgt 1547 Euro

Ungeachtet der Selbstbeschränkung bei den Investitionen werden die Schulden 2026 von 54,3 auf 72,6 Millionen Euro anwachsen, denn zur erwähnten Nettoneuverschuldung von sechs Millionen Euro kommen noch nicht wahrgenommene Kreditermächtigungen aus dem Vorjahr hinzu – früher hätte man sie „Haushaltsreste“ genannt. Die Pro-Kopf-Verschuldung beläuft sich danach auf 1547 Euro; nominell liegt der Betrag über dem 2010 beschlossenen Deckel von 1400 Euro. Berücksichtigt man jedoch die Inflation, bleibt noch Luft nach oben.

Der Haushaltsplanentwurf 2026
wandert nun in die Ausschüsse und Ortschaftsräte. Vom Gemeinderat verabschiedet wird der Haushalt am Donnerstag, 11. Dezember.