Vereine könnten von den Sparplänen der Stadt VS doppelt betroffen sein – aufgrund sinkender Zuschüsse und steigender Nutzungsgebühren. Der Sportverband übt deshalb Kritik.
Die Haushaltsplan-Beratungen lassen viele Ehrenamtliche in der Doppelstadt aufhorchen. Denn wenn es nach den Plänen der Stadtverwaltung geht, trifft der Sparkurs die Vereine und Verbände in mehrfacher Hinsicht.
Geplant ist demnach eine zehnprozentige Kürzung der Zuschüsse an die Vereine und Verbände, gleichzeitig sollen beispielsweise die Hallennutzungsgebühren um weitere zehn Prozent steigen. Eine Tatsache, die unter anderem dem Sportverband bitter aufstößt, wie die Vorstandsmitglieder Michael Müller, Andreas Bayer und Stefan Weiner im Gespräch mit unserer Redaktion betonen.
Denn erst 2023 sind die Hallennutzungsgebühren erhöht worden. „Die Vereine haben ihren Obolus erbracht – es war abgemacht, dass dann erstmal Ruhe ist“, so Weiner. Im Sportbeirat habe dies Oberbürgermeister Jürgen Roth – das bestätigen Stadträte – zugesagt. Dass nun abermals Kürzungen beziehungsweise Kosten auf die Vereine zukommen, sei deshalb ein Wortbruch und nicht akzeptabel.
Betroffen seien dabei ebenso die sogenannten Verrechnungszuschüsse – also Fälle, in denen vonseiten der Stadt keine Miete erhoben, sondern diese als Zuschuss erlassen wird. Das sorgt bei den Verbänden für Sorgenfalten. Darauf hatte im Ausschuss für Jugend, Bildung und Soziales das beratende Mitglied Alfred Zahn (Jugendschutzbund) hingewiesen. Für einige Vereine sei es unmöglich, stattdessen eine Mietzahlung zu leisten, falls dies so angedacht sei.
Steigende Mitgliederbeiträge als Folge?
Die Erhöhungen, das betonen die Vorstände des Sportverbands, träfen insbesondere Familien – auf die erhöhte Kita-Gebühren zukommen – und ehrenamtlich Engagierte, wie Müller erklärt. Andreas Bayer hält das für eine „unsoziale Politik“, denn gerade Vereine und das Ehrenamt seien der Kitt einer Gesellschaft.
Dort drohen nun steigende Mitgliederbeiträge, um die geplanten Einsparungen und Gebührenerhöhungen abfangen zu können. Das habe sich aus Gesprächen mit zahlreichen Sportvereinen, die sich an ihre Interessenvertretung gewendet haben, herauskristallisiert. Weiner: „Die Vereine laufen Sturm – sie können sich das nicht weiter leisten.“
Mangelnde Kommunikation kritisiert
Die Vorstände haben deshalb das Gespräch mit den Fraktionen gesucht – ein Vorgang, den man sich im Zuge der Haushaltsberatungen auch von Oberbürgermeister Jürgen Roth gewünscht hätte. „Die Politik redet immer davon, die Bürger abzuholen – die Kommunikation in dem Fall war aber gleich Null“, macht Weiner deutlich. Dabei habe man in der Vergangenheit bewiesen, dass man als Sportverband stets um konstruktive Lösungen bemüht sei, die die Stadt weiterbringen.
Die Vorstände betonen, dass es nun an den Stadträten liegt, eine Entscheidung zu treffen. „Wenn sie wissen, wie wichtig die Vereinslandschaft für die Stadt ist, dann werden sie dagegen stimmen“, erklären sie unisono.
Transparenzhinweis: Unsere Redaktion hat folgende Stellungnahme der Stadtverwaltung vom 4. März 2026 ergänzt. Darin weißt man die Vorwürfe durch den Sportverband zurück.
Stadtverwaltung weist Vorwurf zurück
Die Stadt VS weist Vorwürfe des Sportverbands zurück, Oberbürgermeister Jürgen Roth habe einen Wortbruch begangen. In der Berichterstattung war dargestellt worden, Roth habe zugesagt, dass nach der Erhöhung der Hallennutzungsgebühren im Jahr 2023 zunächst keine weiteren Anpassungen geplant seien.
Wie die städtische Pressesprecherin Madlen Falke mitteilt, gehe aus den Beschlüssen zu den Sportförderrichtlinien eindeutig hervor, dass die Gebührensätze für drei Jahre festgelegt wurden. Gleichzeitig habe der Gemeinderat die Verwaltung beauftragt, im Jahr 2025 eine Neuberechnung der tatsächlichen Vollkosten vorzunehmen und diese für die Haushaltsanmeldung 2026/2027 vorzulegen. Eine automatische Preiserhöhung sei dabei ausdrücklich ausgeschlossen worden.
Die Stadtverwaltung betont zugleich, dass sie die Sorgen der Sportvereine und des Sportverbands ernst nehme. Der städtische Haushalt stehe jedoch wegen stark gestiegener Aufwendungen unter Druck. Deshalb müssten Stadt und Gemeinderat im Zuge der Haushaltskonsolidierung Einsparmöglichkeiten in verschiedenen Bereichen prüfen. Unabhängig davon erkenne die Stadt das Ehrenamt und die Arbeit der Vereine ausdrücklich an und schätze deren Engagement sehr.