Bürgermeister Christoph Enderle fühlt sich unfair behandelt: Während Loßburg versucht, sich aus dem Haushaltsloch zu sparen, steigt die Kreisumlage auf rund 5,7 Millionen Euro.
Das Haushaltsloch beschäftigt die Gemeinde Loßburg auch weiterhin. Mit einem Defizit von minus 2,9 Millionen Euro wäre die Kommune „als Betrieb insolvent“, macht Bürgermeister Christoph Enderle die angespannte Lage deutlich.
Zu den größten Kostenpunkten der Gemeinde zählen dabei vor allem die durch Tarif- und Besoldungserhöhungen gestiegenen Personalkosten in Höhe von fast 9 Millionen Euro. Gleichzeitig plant die Gemeinde umfangreiche Investitionen: Rund 5,7 Millionen Euro sollen etwa in öffentliche Einrichtungen, den ÖPNV und die Verwaltung fließen. Zur Finanzierung dieser Investitionen sind für den Zeitraum von 2026 bis 2029 jedoch keine neuen Kredite vorgesehen.
Stattdessen wolle die Gemeinde auf vorhandene Rücklagen zurückgreifen. „Wir haben in guten Jahren vorgesorgt für schlechte Jahre“, meint Gemeinderat Stefan Burkhardt (FWV). Kurzfristig könne der Haushalt zwar noch durch die vorhandenen liquiden Mittel stabilisiert werden – rund 9,1 Millionen Euro stehen als Finanzierungsspielraum zur Verfügung – für einen Haushaltsausgleich seien jedoch weitere Maßnahmen erforderlich.
Weniger Mehreinnahmen durch schwache Wirtschaft
Um Geld zu sparen hat die Gemeinde bereits an einigen Stellen Einschnitte vorgenommen: Die Straßenbeleuchtungszeiten, die Aufwandsentschädigung für Gemeinderäte und Ortsvorsteher sowie die Vereinsförderung wurden gekürzt. Gleichzeitig wurde versucht mehr Geld einzunehmen, etwa durch die Erhöhung der Hundesteuer oder höhere Eintrittspreise für das Hallenbad.
Allerdings zeigten zentrale Maßnahmen bislang nicht den erhofften Effekt: Aufgrund der schwachen Wirtschaftslage habe weder die Erhöhung der Grundsteuer noch der Gewerbesteuer zu den geplanten Mehreinnahmen geführt. Statt dem ursprünglich erwarteten Einsparvolumen von rund 792 000 Euro, schaffte es die Gemeinde lediglich auf rund 244 000 Euro – für einen Haushaltsausgleich bei Weitem nicht genug. Daher müssten auch im neuen Haushaltsjahr weitere Einsparmöglichkeiten geprüft werden.
Kritik an Zuständigkeit für Krankenhausfinanzierung
Doch während die Gemeinde versucht, an allen Ecken zu sparen, fließen gleichzeitig rund 5,7 Millionen Euro – eine Millionen mehr als noch in 2025 – an Kreisumlage ab. „Als kleiner Dorfbürgermeister verstehe ich die Welt nicht mehr“, erklärt Enderle in seiner Haushaltsrede in der jüngsten Gemeinderatssitzung. So sei der laufende Betrieb des Freudenstädter Krankenhauses für die Gemeinde der größte Kostenpunkt. Allerdings sei dieser eigentlich nicht Aufgabe der Gemeinde oder des Landkreises, bemängelt Enderle, sondern die des Bundes und der Krankenkasse.
„Ich komme mir vor wie auf der Farm der Tiere von George Orwell“, meint der Bürgermeister. Er fühle sich unfair behandelt – getreu dem Motto: Alle sind gleich, aber einige sind gleicher. Er sehe nicht ein, das Hallen- oder Freibad aufzugeben, sollte die Kreisumlage in 2027 tatsächlich um weitere zwei Prozent steigen. Natürlich müsse man Sparen, „aber mit Sinn und Verstand“, so Enderle.
Sein Appell an die Politik laute daher: „Wir benötigen keine Brandmauer, Politik muss funktionieren.“ Man müsse „das Machbare vom Wünschenswerten unterscheiden“. An die Gemeinderäte richtete der Bürgermeister sich indessen mit den Worten: „Bleiben Sie standhaft, halten sie unsere Gemeinde am Leben.“ Gesammelt stimmten die Räte dem Haushaltsplanentwurf 2026 zu. Endgültig verabschiedet werden, solle der Haushalt in der Gemeinderatssitzung am 28. April.