Die Fraktionen im Freudenstädter Gemeinderat haben unterschiedliche Ideen, um die Finanznot der Stadt zu lindern.
Von einer Silent-Disco über einen Pumptrack bis hin zu Feuerwerk –25 Anträge brachten die vier Fraktionen zum Haushalt 2026 ein.
FWV Fraktionsvorsitzende Beate Gernsheimer machte für die Freien Wähler (FWV) den Anfang – und brachte gleich eine Reihe an Anträgen ein.
Die Fraktion will vor der Sommerpause 2026 darüber informiert werden, welche Maßnahmen zur effizienten Verwaltung der städtischen Liegenschaften geplant sind oder bereits umgesetzt wurden.
Ebenfalls noch vor der Sommerpause soll die Stadtverwaltung einem Antrag nach einen Zwischenbericht zur Digitalisierung der Verwaltung und zur Erweiterung der digitalen Angebote für Bürger vorlegen.
Darüber hinaus stellte Gernsheimer den Antrag, dass die Verwaltung bis zu den Haushaltsberatungen 2027 eine Übersicht erstellt, wie die Stadt Bürokratie abbauen und wie viel Geld dadurch gespart werden kann.
Antrag: Personalkosten deckeln
Sparen will die FWV auch beim Personal: Die Fraktion fordert eine Deckelung der Personalkosten im Haushalt 2026 auf 23 Millionen Euro – angesetzt sind 23,4 Millionen.
Ihren bereits in der Vergangenheit gestellten Antrag, den Parkraum vor dem Skistadion und vor der Kniebishütte zu bewirtschaften, will die FWV nun auch ohne Abstimmung mit dem Nationalparkrat realisieren. Ebenso solle die Verwaltung prüfen, ob die Nahversorgung in Kniebis entwickelt werden kann – etwa mit einer „Marktscheune für Selbstvermarkter“.
Eine Einnahmequelle sieht die FWV auch bei den Parkplätzen am Panorama-Bad – die Stadt solle prüfen, ob dort Parkgebühren erhoben werden können. Für den Freibad-Parkplatz äußerte Gernsheimer ebenfalls eine Idee: Mit einer PV-Anlage über dem Parkplatz könnte die Stadt möglicherweise Pachteinnahmen generieren.
CDU Der erste Antrag des Fraktionsvorsitzenden Philipp Bohnet für die CDU dreht sich um den Wohnraum: „Konsequent voranzutreiben“ sind auch Sicht der Fraktion die Entwicklung des Grundstücks „Fetscher“ in der Musbacher Straße und des ehemaligen Feuerwehrhauses samt Grundstück, die Weiterentwicklung des Baugebiets Sonnenhalde sowie die Perspektiven am Notzeitweg. Für Dietersweiler, Wittlensweiler und auch kleinere Stadtteile wie Igelsberg wünscht sich die CDU neue Baugebiete.
Wie seine Vorrednerin befasste sich auch Bohnet mit den städtischen Liegenschaften. Er forderte eine zentrale Verwaltung für alle Gebäude.
Eine Plattform für Unternehmen
Ein Kernthema der CDU ist naturgemäß die Wirtschaft: „Die Wirtschaftsförderung soll unter dem Leitgedanken ‚Wirtschaft, Handwerk und Handel‘ eine Plattform entwickeln, auf der sich Unternehmen präsentieren und vernetzen können. Dies soll mit einem ‚Tag der Wirtschaft und des Handels‘ gestartet werden.“
Der Marktplatz ist für die CDU „das Herz unserer Stadt“. Gerade weil er multifunktional sei, brauche er ein abgestimmtes Gesamtkonzept, so ein weiterer Antrag der Fraktion.
Um Freudenstadt als „Standort für Sport und Bewegung“ zu entwickeln, wünscht sich die Fraktion einen Pumptrack, also eine Mountainbikestrecke, an der Turn- und Festhalle und der David-Fahrner-Halle. Auch ein neues Beachvolleyballfeld, etwa im Kurgarten, solle geprüft werden.
Für das Kurhaus beantragte die CDU eine Prüfung der Umgestaltung der als „Bären-Ausstellung“ genutzten Räume: „Vorgesehen ist, diese Flächen im Anschluss an die Wandelhalle in eine Café-Bar-Lounge umzuwandeln.“ Dazu sei eine Neuausrichtung des Kurgartens geplant, so der Antrag.
BA-Grüne Elisabeth Gebele beantragte für die BA-Grüne-Fraktion, zu prüfen, inwieweit bei der Überlandhilfe ein Kostenersatz für Wartungs- und Instandhaltungskosten von Sonderfahrzeugen der Feuerwehr eingeführt werden kann.
Daneben will die Fraktion die Verwaltung damit beauftragen, einen Bericht zu Strombedarf, Kosten und CO2-Relevanz der Straßenbeleuchtung bei den Stadtwerken Freudenstadt einzuholen. Dem Gemeinderat solle aufgezeigt werden, welche finanziellen und ökologischen Einsparungen durch eine Reduzierung der Einschaltdauer um weitere zwei bis drei Stunden pro Nacht und den verstärkten Einsatz von Halbschaltungen und Dimmkonzepten möglich wären.
Open-Source auf städtischen Computern?
Einen Sparvorschlag hat die Fraktion auch für die Verwaltung selbst: Demnach sollen die städtischen Computer so weit wie möglich auf Open-Source-Software umgestellt werden.
Wie die FWV wünschen sich auch BA-Grüne Bürokratieabbau auf Grundlage des Regelungsbefreiungsgesetzes.
Daneben beantragte die Fraktion, privates Feuerwerk unter dem Jahr nicht mehr zu genehmigen. Außerdem solle die Stadt prüfen, inwieweit bestehende Schutzbereiche ausgeweitet und die Zeiten für privates Silvesterfeuerwerk weiter eingeschränkt werden können.
Die Fraktion mag es lieber leise: Gebele beantragte zu prüfen, wie eine sogenannte Silent-Disco, sprich Kopfhörerparty, das städtische Veranstaltungskonzept ergänzen kann. Als möglich Veranstaltungsorte nannte sie die Forbachgärten und den Marktplatz.
SPD Karl Müller beantragte für die SPD-Fraktion ein verbindliches Monitoring für alle kommunalen Projekte, das sicherstellen soll, dass über Fortschritt, Kosten und Probleme transparent in den Gremien berichtet wird.
Außerdem fordert die SPD eine Videoüberwachung an Containern im Stadtgebiet, die besonders von illegalen Müllablagerungen betroffen sind.
Rad- und Fußverkehr statt Schwerlastfahrzeuge
Um die Sicherheit von Schülern zu erhöhen, sollen dem Willen der Fraktion nach Maßnahmen in der Turnhallestraße ergriffen werden, etwa eine Sperrung für Schwerlastverkehr über 3,5 Tonnen. In der unteren Reichsstraße sollen Möglichkeiten zur Sperrung oder Verkehrsreduzierung und eine sinnvolle Bündelung des Verkehrs geprüft werden. Stärken will die SPD den Rad- und Fußverkehr – mit einem überarbeitenden Konzept der Stadt.
Um die Stadtfinanzen aufzubessern, fordert die SPD eine Erhöhung des Hebesatzes der Gewerbesteuer um fünf Prozent. Es gehe nicht um eine einseitige Belastung, sondern um eine faire und verantwortungsbewusste Abwägung mit Blick auf die finanzielle Stabilität der Kommune, so Müller.
AfD Raimond Lamparter verzichtete für die AfD auf Anträge. Er forderte aber die Einhaltung des Konnexitätsprinzips sowie eine Entlastung bei der Kreisumlage und gab als Ziel aus, den Schuldenberg „nicht weiter anwachsen zu lassen und ihn perspektivisch abzubauen“.