Um die schwierige Finanzsituation der Stadt Haigerloch zu konsolidieren, will Bürgermeister Heiko Lebherz die Grundsteuer B erhöhen und die Grundsteuer C einführen. Foto: Kost

Allen Finanzspritzen des Bundes zum Trotz wird die Schuldenlast der Stadt Haigerloch ein neues Rekordniveau erreichen. Das offenbarte der Haushaltsentwurf für 2026.

Stadtkämmerer Tobias Wannenmacher stellte in der ersten Sitzung des Haigerlocher Gemeinderates im neuen Jahr den Entwurf für den Haushalt 2026 vor – und dabei konnte einem schon die Spucke wegbleiben. Er geht von einer Netto-Neuverschuldung von 8,1 Millionen Euro aus, und wenn das Jahr rum ist, wird nach seinen Prognosen die städtische Verschuldung von bisher 16,5 Millionen Euro auf dann 24,6 Millionen Euro anwachsen – ein noch nie dagewesener Wert in der über 50-jährigen Stadtgeschichte.

 

Gigantische Projekte

Wie kommt das? Nun, die Stadt hat in jüngster Zeit ein paar gigantische Investitionsprojekte wie den Kindergartenbau in Weildorf, die Generalsanierung der Witthauhalle, die Brandschutzertüchtigung im Gymnasium oder den Umbau eines früheren Wohn- und Geschäftshauses im Haigerlocher Baumäckerweg auf den Weg gebracht; diese Projekte müssen im Haushaltsjahr 2026 weiter oder zu Ende finanziert werden. Fast alle mit hohen Millionenbeträgen. Damit nicht genug: Die Stadt will in diesem Jahr in die Sanierung des kirchlichen Kindergartens in Owingen einsteigen (erste Rate 800 000 Euro), die Beschaffung zweier Fahrzeuge für die Feuerwehr finanzieren (810 000 Euro) oder den Breitbandausbau fortsetzen (786 000 Euro). Dazu gesellt sich eine zweite Rate für die Sanierung der Brücke beim Hospach (600 000 Euro) und noch viel Dies und Das. Exemplarisch genannt seien hier nur die Planungskosten für den Neubau eines Kindergartens in Stetten mit 100 000 Euro. Insgesamt summieren sich die für 2026 vorgesehen Investition auf eine Gesamtsumme von 17,2 Millionen Euro. 13,2 Millionen Euro davon für die Fortführung der erwähnten Maßnahmen eingeplant, aber auch zwei Millionen Euro für den Grunderwerb und die Erschließung des Gewerbegebietes „Lichtäcker“.

10,1 Millionen Euro für das Personal

Und auch das städtische Personal will jeden Monat seinen Zahltag haben: Allein die Personalaufwendungen belaufen sich 2026 auf 10,1 Millionen Euro. Tarif- und Besoldungssteigerungen sind dafür der Grund, außerdem sind nahezu alle Stellen bei der Stadt wieder besetzt; insbesondere im Bauhof. Aus der eigenen Tasche lässt sich das alles kaum finanzieren, auch wenn Tobias Wannenmacher mit höheren Einnahmen aus verschiedenen Steuerarten als noch im vergangenen Jahr rechnet (siehe Info-Rubrik). Diese Vorteile werden jedoch wieder aufgefressen, weil die Stadt höhere Summen für Umlagen an den Finanzausgleich des Landes (FAG) und den Landkreis entrichten muss – zusammengerechnet 10,6 Millionen Euro.

Fazit: Im Jahr 2025 kam die Stadt noch ohne neue Schulden aus, dieses Jahr wird das nicht klappen: Dem Stadtkämmerer bleibt nichts anderes übrig, als Kredite aufzunehmen; und zwar in einer Größenordnung von 8,9 Millionen Euro.

Und wer jetzt denkt, Moment mal, die Stadt bekommt doch als finanzschwache Kommune aus dem Sondervermögen des Bundes knapp 6,5 Millionen Euro? Ja, das stimmt. Das Geld ist aber längst verplant. Es fließt zwischen 2026 und 2030 vornehmlich in die Sanierung des Schulzentrums (fünf Millionen Euro). Der Gemeinderat hat nun bis zur nächsten Gemeinderatssitzung am Dienstag, 24. Februar, um sich mit dem 272-seitigen Zahlenwerk ausführlich zu befassen, dann soll der Haushalt verabschiedet werden.