Die Stadt Freudenstadt steht finanziell massiv unter Druck. Trotzdem sichert sie wichtige Zukunftsfelder – vor allem im Bildungs- und Sicherheitsbereich.
Oberbürgermeister Adrian Sonder präsentierte seine Einschätzung der wenig erfreulichen Haushaltslage im Rahmen seiner Haushaltsrede klar und transparent. „Fakt ist, unsere üblichen Sparmöglichkeiten für magere Zeiten sind mit dem Haushalt 2026 ausgeschöpft“, sagte er. Rücklagen und liquide Mittel seien aufgezehrt, das Jahr 2026 sei deshalb auch ein „schmerzhafter Wendepunkt“.
Das voraussichtliche Defizit erwartet Sonder aufgrund der Eckdaten in der Größenordnung von 2,85 Millionen Euro. Das Wachstum des Gesamtetats basiere überwiegend auf gestiegener Steuerkraft. Bei der Stadt Freudenstadt bleibe davon allerdings wenig. Das meiste fließe in die Kreis- und Finanzausgleichsumlage. Hinzu kämen beispielsweise um 670 000 Euro gestiegene Personalaufwendungen allein schon aufgrund der Tariferhöhungen. Trotzdem werde man auf der Einnahmeseite die Sätze der Grund- und Gewerbesteuer nicht antasten, versprach er. „Um die Bürgerschaft und die Wirtschaft in der aktuellen Situation nicht zusätzlich zu belasten.“
Investition in Bildung und Kinderbetreuung
Ein riesiger Ausgabeposten sei darüber hinaus die Kreisumlage mit 18,6 Millionen Euro, die deutlich über den 12,8 Millionen Euro an Gewerbesteuer liege. Freudenstadt habe damit ein strukturelles Problem. Erschwerend komme ein steigender Abmangel im Kindergartenbereich hinzu. Die Situation werde sich in den kommenden Jahren aufgrund der geplanten weiteren Erhöhung der Kreisumlage auch nicht besser.
Den Ausgleich des Abmangels beim Bäderbetrieb und im Tourismusbereich verteidigte Sonder mit Verweis auf den Gegenwert und auch die Arbeitsplätze in der Branche, von denen die Stadt profitiere. Insgesamt 4,5 Millionen Euro würden „gezielt und maßvoll“, beispielsweise in Bildung und Kinderbetreuung, in öffentliche Sicherheit und wichtige Zukunftsprojekte investiert. Sonder hob die Bedeutung der Bildung für den Standort besonders hervor.
Sondervermögen löst strukturelle Probleme nicht
Im Gegenzug nehme die Verschuldung aber zu. Das Sondervermögen des Bundes in Höhe von 14 Millionen Euro bezeichnete Sonder als „Lichtblick“, mit dem man aber nicht neue Projekte anstoßen, sondern die Verschuldung nur verlangsamen könne. „Das ist eine wichtige Botschaft bevor neue Begehrlichkeiten entstehen.“
Nicht einsetzen könne man das Sondervermögen dafür, beispielsweise Kostensteigerungen im Ergebnishaushalt abzufangen. Strukturelle Probleme der Kommunen würden durch das Sondervermögen deshalb auch nicht gelöst.
Gewerbeentwicklung in Freudenstadt
Abschließend betonte Sonder, dass die Gewerbeentwicklung in Freudenstadt schon aufgrund der vorhandenen Strukturen und der Topografie nicht unbegrenzt möglich ist. Andere Städte in vergleichbarer Größe hätten es da leichter.
Er stellte klar, dass die Bürger auch spüren werden, wie es der Kommune geht. Von lieb gewonnenen Dingen werde man sich trennen. Aber: „Man kann den Menschen die Wahrheit aber zumuten, daraus wächst Vertrauen.“
Die wichtigsten Eckdaten der Haushalts
Ergebnishaushalt
Gesamterträge: 81,5 Millionen Euro. Davon Steuern: 39,9 Millionen (12,8 Millionen Gewerbesteuer), Zuweisungen und Zuwendungen: 31,1 Millionen Euro, Öffentliche und private Entgelte: 6,8 Millionen Euro, Kostenerstattungen und Zinsen: 1,8 Millionen Euro, Sonstige ordentliche Erträge: 1,9 Millionen Euro. Gesamtaufwendungen: 84,4 Millionen Euro. Davon Personalaufwendungen: 23,4 Millionen Euro (670 000 Euro mehr als 2025), Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen: 13,2 Millionen Euro, Abschreibungen und Zinsen: 6,1 Millionen Euro, Transferaufwendungen: 39,5 Millionen Euro. 18,6 Millionen Euro davon entfallen auf die Kreisumlage. Sonstige ordentliche Aufwendungen: 2,2 Millionen Euro. Im Finanzhaushalt liegen die Gesamtauszahlungen bei 8,1 Millionen Euro. 4,6 Millionen sind für Baumaßnahmen vorgesehen, 1,7 Millionen für sonstigen Vermögenserwerb und Investitionsfördermaßnahmen, 500 000 Euro für den Erwerb von Grundstücken und 1,3 Millionen Euro für die Tilgung von Krediten. Auf der Einnahmeseite mit 8,1 Millionen Euro schlägt der Zahlungsmittelüberschuss aus laufender Verwaltungstätigkeit mit 1,7 Millionen Euro zu Buche, Investitionszuwendungen und Beiträge liegen bei 1,6 Millionen Euro, Veräußerungserlöse bei 1,9 Millionen und die geplante Kreditaufnahme bei 2,9 Millionen Euro. Der Schuldenstand steigt von 16,1 auf 17,7 Millionen Euro.
Das sagt der Kämmerer
Kämmerer Jochen Kaupp stellte den Haushaltsplan unter das Motto „Minimalziel erreicht“. Es sei aufgrund verwaltungsinterner Anstrengungen gelungen, einen Haushaltsplan vorzulegen, bei dem die entstehenden Tilgungsverpflichtungen aus den laufenden Erträgen erwirtschaftet werden können. Im Herbst 2025 habe das noch ganz anders ausgesehen, sagte Kämmerer Kaupp.