Hangrutsch in Boll, Planung für den Kita-Neubau in Stetten, Neugestaltung der Zollernstraße: Trotz einer schwierigen Finanzlage investiert die Stadt Hechingen 2025 auf Rekordniveau. Ein Überblick über die anstehenden Projekte.
Rekordinvestitionen von über 15 Millionen Euro in die städtische Infrastruktur in Zeiten von zurückgehenden Steuereinnahmen und gestiegenen Kosten in allen Bereichen: Diese finanzielle Marschroute für das Jahr 2025 hat Bürgermeister Philipp Hahn bei der Haushaltseinbringung am Dienstagabend im Gemeinderat vorgegeben. Er sprach von „durchaus einem Sparhaushalt, der aber auch einen Gestaltungshaushalt unter erschwerten Bedingungen darstellt“. Unsere Redaktion fasst zusammen, was das für die Hechinger Bürger bedeutet.
Hechingen ist eine wachsende Stadt. Zum Stand 30. Juni 2024 zählte die Zollernstadt 19 711 Einwohner, zu demselben Zeitpunkt 2022 waren es noch 19 358 Personen. „Für den ländlichen Raum keine Selbstverständlichkeit“, wie Hahn betonte. Doch: In der Folge gebe es eine entsprechend hohe Nachfrage nach Kindergartenplätzen und Klassenzimmern. Daher liege der Fokus der Verwaltung in den kommenden Jahren auf den Kitas und Schulen. Für das Mammutprojekt Neubau des Kindergartens in Stetten soll bis Ende 2025 ein Bebauungsplan vorliegen. Geplant sind dort zwei U3-Gruppen mit je zehn Kindern und drei Ü3-Gruppen mit je 20 bis 25 Kindern.
Dazu sind im Haushalt 2025 100 000 Euro für die Planung der Grundschulerweiterung am Schloßberg um vier Unterrichtsräume und einen Bereich für die Ganztagesbetreuung eingestellt. Die Baukosten belaufen sich hierfür auf fünf Millionen Euro. Damit werde dem ab dem Schuljahr 2026/2027 stufenweise gültigen Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung Rechnung getragen. „Auch wenn die ganztägige Förderung uns fraglos vor große Herausforderungen stellt“, so das Stadtoberhaupt in seiner Rede.
Schwerpunkt Straßen und weitere Infrastruktur
Das „größte Straßensanierungsvorhaben, das die Verwaltung je gestemmt hat“ – die Neugestaltung der Zollernstraße – beginnt im Frühjahr 2025 und schlägt mit zwei Millionen Euro zu Buche. Ein großer Wunsch vieler Hechinger ist auch die Zufahrt zum Kirchlein Maria Zell in Boll, die infolge des Hangrutsches aus dem Jahr 2023 umverlegt werden muss. Kostenpunkt: rund 400 000 Euro. Schließlich müssen auch noch Gelder für die Killberg-IV-Erschließung (2,9 Millionen Euro), die Erneuerung der Straße Am Schloßberg (380 000 Euro) und den Ausbau des Radwegs im Feilbachtal (300 000 Euro) gezahlt werden.
Für Fußgänger erfreulich: Die maroden Fußwege entlang der Kreisstraße in Richtung Bisingen sollen dank hoher Fördergelder zum gemeinsamen Geh- und Radweg ausgebaut werden. 2025 steht der erste von vier Bauabschnitten an. Bezüglich dem Straßenzustand sagt Hahn: „Die Maßnahmen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man sich den Sanierungsrückstau vor Augen hält.“
Schwerpunkt Kultur und Soziales
Grundsätzlich betont der Bürgermeister: „Wir wollen, dass Hechingen auch in finanziell schwierigen Zeiten ein Ort bleibt, an dem Gemeinschaft und Zusammenhalt spürbar sind.“ Daher fördere die Verwaltung auch 2025 das Ehrenamt in all seinen Facetten – sei es in der Senioren- oder Nachwuchsarbeit. Das Kulturkonzept des städtischen Tourismusbüros wird dazu mit 110 000 Euro gestärkt. Weihnachtsmarkt, Tanz-Open-Air oder Tischlein-deck-Dich: „Wir werden unsere Besucher wieder verwöhnen.“
Ein besonderer Höhepunkt warte auf die Besucher des Hohenzollerischen Landesmuseums von Mai bis November 2025. Die Sonderausstellung „Dockomenta“ öffnet die Möglichkeit, Kunstgeschichte auf unterhaltsame Weise zu erleben.
Schwerpunkt Hallen-Freibad
Jährlich 100 000 Badegäste, wichtig für den Schwimmunterricht der Schulen und für die Schwimmkurse des DLRG. Das Hallenbad lässt sich die Stadt 2025 1,88 Millionen Euro kosten. Für Warmwasserliebhaber wichtig zu wissen: Die Energiesparmaßnahmen werden 2025 nicht weitergeführt. Dazu kündigt Hahn erneut Veranstaltungen mit Wasserspielgeräten an.
Was bedeutet das für die finanzielle Situation der Stadt?
Im Ergebnis-, auch Verwaltungshaushalt genannt, steht 2025 unter dem Strich ein Minus von 19,9 Millionen Euro. Dieser Fehlbetrag wird durch die Überschüsse und Rücklagen aus den Jahren 2019 bis 2023 ausgeglichen. Für die Zukunft sind die liquiden Mittel aber aufgebraucht. Kreditaufnahmen von 4,5 Millionen Euro sind für das Jahr 2025 vorgesehen.
Haushalt 2024 mit besserem Ergebnis als erwartet
Ein großer Vorteil bei der Finanzierung des Haushalts 2025 ist das voraussichtliche Ergebnis des Haushalts 2024. Dieses fällt wohl positiv aus, obwohl bei der Verabschiedung mit einem Minus von rund 18 Millionen Euro gerechnet wurde. Ein Hauptgrund: Die Baxter-Gewerbesteuermillionen sind nicht so eingebrochen wie erwartet; weiter habe es in diesem Einnahmenfeld Nachzahlungen gegeben. 2025 werde das aber nicht mehr so sein. Hahn sagt daher: „2025 wird ein Jahr sein, das nicht einfach wird.“
Die Eckdaten zum Hechinger Haushalt 2025
Ordentliches Ergebnis im Ergebnishaushalt:
Fehlbetrag von rund 19,9 Millionen Euro bei Einnahmen in Höhe von 54,8 Millionen Euro und Ausgaben von 74,7 Millionen Euro.
Grundsteuer A und B:
Erträge von rund 2,75 Millionen Euro. Der Hebesatz für die Grundsteuer A liegt bei 340 Prozent; für die Grundsteuer B bei 400 Prozent.
Gewerbesteuer:
Einnahmen von rund 17 Millionen Euro kalkuliert.
Schulden ohne Eigenbetriebe:
9,7 Millionen Euro. Damit ist jeder Hechinger mit 493,30 Euro belastet. 2026 steigt der Schuldenstand voraussichtlich auf 15,9 Millionen Euro.
Einkommensteuer:
Die Stadt Hechingen ist laut Zensus 2022 gewachsen und hat zum Stichtag 30. Juni 2024 19711 Einwohner. Einnahmen aus Einkommenssteuer liegen bei 12,7 Millionen Euro.
Kindergartenbeiträge:
Regelgruppe 1. Kinder 248 Euro; Ganztagesbetreuung 1. Kind 321 Euro.
Personalkosten bei der Stadtverwaltung:
15,8 Millionen Euro (Erhöhung im Vergleich zu 2024 um 4,5 Prozent). Der Stellenumfang steigt um 0,46 auf 213,74 Stellen ohne Eigenbetriebe.
Hundesteuer:
Einnahmen aus Hundesteuer belaufen sich auf 97 000 Euro
Vergnügungssteuer:
Einnahmen aus Vergnügungssteuer belaufen sich auf 700 000 Euro.
Kreditaufnahme:
Vorgesehen sind Kreditaufnahmen in Höhe von 4,5 Millionen Euro.
Kreisumlage
Die Kreisumlage, die die Stadt an den Landkreis zahlt, erhöht sich um 13,3 Prozent auf 14,1 Millionen Euro (2024: 12,5 Millionen Euro).