Auch wenn vom Land finanzielle Hilfe kommt: Von Entspannung ist der Kreis Rottweil weit weg, wie die Planung für 2026 zeigt. Sorgenkind ist vor allem der Sozialbereich.
„Diese Entwicklung kann einen das Fürchten lehren“, meinte der Kreiskämmerer Michael Kah bezogen auf den Finanzierungsbedarf in der Kinder- und Jugendhilfe. Man könnte es aber wohl genauso gut auf die Gesamtsituation ausweiten. Schon lange bereiten die steigenden Sozialausgaben Sorgen und verschärfen die ohnehin angespannte Haushaltslage. Da kann auch eine gute Nachricht des Landrats die Stimmung kaum heben.
Eine „beängstigende Finanzlage der Kommunen“, ein angepeilter Kreisumlagehebesatz von 32,75 Prozent, damit der Kreishaushalt 2026 trotz Minus überhaupt genehmigungsfähig werden kann, und eine Steigerung beim Sozialetat um 15 Prozent (14 Millionen Euro): Diese Eckpunkte bei der Haushaltseinbringung machten deutlich, dass der Kreis Rottweil auf ein finanziell herausforderndes Haushaltsjahr 2026 zusteuert.
Trotz Unterstützung vom Land keine Entspannung
Immerhin: In den Sozial-, Kultur- und Schulausschuss hatte Landrat Wolf-Rüdiger Michel jetzt eine positive Nachricht mitgebracht: Das Land habe in die Tasche gegriffen, was zu einer Verbesserung der Haushaltszahlen führen werde. Die konkreten Auswirkungen würden noch bis zur Sitzung am 1. Dezember eingearbeitet.
Michel relativierte die gute Nachricht aber gleich wieder. Der Anspannungsgrad im Planentwurf für 2026 könne trotzdem nicht zurückgenommen werden. Immerhin: Den geplanten Kreisumlagehebesatz von 32,75 Prozent werde die Verwaltung sicher nicht mehr mit großer Vehemenz verteidigen, kündigte er an.
Die großen Kennzahlen
Gleichwohl waren die Zahlen, die Kämmerer Michael Kah dem Gremium vortrug, noch unter Einbeziehung der Kreisumlage von 32,75 Prozent. Diese entsprechen einem Betrag von 89,5 Millionen Euro.
Das für 2026 geplante Haushaltsvolumen von 312,6 Millionen Euro sei um 27,3 Millionen höher als im Haushaltsplan 2025. 15 Millionen müssten aufgrund einer Verzögerung im Bereich Breitband aber noch abgezogen werden, informierte Kah über eine Aktualisierung.
Was die Investitionen – rund 35,5 Millionen Euro und damit fast doppelt so viel wie im Vorjahr – angeht, werde der Aufwand um 1,5 Millionen Euro sinken durch Änderungen in den Bereichen Breitband und Straßenbau, kündigte Kah an.
„Unsere Reserven sind quasi aufgebraucht“
Die freie Liquidität des Landkreises werde auf rund 745 000 Euro schrumpfen. „Unsere Reserven sind quasi aufgebraucht“, kommentierte der Kämmerer diesen Umstand. Der Schuldenstand werde zu Beginn 2026 rund 13,1 Millionen Euro betragen.
In den kommenden Jahren seien Kreditaufnahmen im Umfang von insgesamt 75,4 Millionen Euro geplant. Die Investitionen in den Jahren 2025 bis 2029 summierten sich auf 155 Millionen Euro. So viel zu den großen Kennzahlen.
Budgetkürzung bei den Schulen
Einsparpotenzial wurde im Schulbereich identifiziert. In die Beruflichen Schulen im Kreis sei in den vergangenen 20 Jahren viel Geld geflossen, was Baumaßnahmen und die Ausstattung angehe, erklärte Landrat Wolf-Rüdiger Michel.
Axel Rombach, in seiner Funktion als geschäftsführender Schulleiter, gab Michel Recht, dass man gut bedacht worden sei. Die Schulleiter hatten daher einen Vorschlag erarbeitet, der eine einmalige Kürzung der Schulbudgets für 2026 vorsieht: um drei Prozent (BS Schramberg um 36 400 Euro, BOS Oberndorf-Sulz um 22 700 Euro), EHG Rottweil um 45 800 Euro) beziehungsweise zwei Prozent (NBS Rottweil um 44 700 Euro). Rund 150 000 Euro könnten insgesamt auf diese Weise eingespart werden.
Rombach schlug vor, den eingesparten Betrag für die Stellenschaffung im Jugendamt zu verwenden, denn das könne in der Folge auch bei der Arbeit in den Schulen helfen.
Defizit ist kaum auszugleichen
Für den Kulturbereich liege der Zuschussbedarf 2026 bei 1,5 Millionen Euro, berichtete Kah weiter. Das größte Defizit aber gibt es im Sozialbereich: mit geplanten Erträgen von rund 57,7 Millionen Euro bei Aufwendungen von 155,5 Millionen. Der Zuschussbedarf (97,8 Millionen Euro) sei damit aktuell noch um 14 Millionen höher als 2025.
Allerdings stünden noch Nachzahlungen aus. Der Zuschussbedarf 2025 werde sich damit erhöhen und die Steigerung zu 2026 somit etwas moderater ausfallen, kündigte der Kämmerer an. Nichtsdestotrotz stellte Kah klar: Auch mit einer Kreisumlage von 32,75 Prozent würde man das Defizit nicht ausgleichen können.
Das große Sorgenkind im Sozialbereich sei die Eingliederungshilfe – eine Sozialleistung für Menschen mit Behinderung oder von Behinderung Bedrohte – mit einem Zuschussbedarf von 76,7 Millionen Euro im Vergleich zu planerisch 39,6 Millionen 2025. In der Kinder- und Jugendhilfe sei der Zuschussbedarf derweil auf 23,2 Millionen Euro angestiegen.
Woher kommt der enorme Finanzierungsbedarf?
Auf eine Nachfrage von CDU-Kreisrat Johannes Sauter, woher die enormen Steigerungen rührten, meinte Landrat Wolf-Rüdiger Michel, neben deutlichen Kostenerhöhungen sei ein Grund auch die Demografie: Immer mehr Menschen nähmen die Hilfen in Anspruch, und das müsse finanziert werden.
In den Bereichen Hilfe zur Pflege und Eingliederungshilfe habe man 2025 zu niedrig geplant, bekannte Sozialdezernentin Angela Jetter. Bei Ersterem werde man den Planansatz um rund zwei Millionen Euro überschreiten. Gründe seien etwa das Tariftreuegesetz, das die Vergütungen erhöhe, außerdem allgemeine Kostensteigerungen und höhere Fallzahlen. „Die Steigerung war in dem Maße nicht absehbar“, erklärte Jetter außerdem zum hohen Finanzierungsbedarf bei der Eingliederungshilfe.