Im oberbayerischen Traunreut fertigt Bosch intelligente Backöfen – samt Innenkamera. Foto: BSH

Die Bosch-Hausgerätetochter BSH hat sich 2025 wacker geschlagen, bleibt aber bei den geplanten Werksschließungen hart. Was bedeutet das für die Zukunft der Standorte?

Die Bosch-Tochter BSH, Europas größter Hausgerätehersteller, hält an den angekündigten Werksschließungen in Bretten bei Karlsruhe und im brandenburgischen Nauen fest. Es gehe dabei nicht um eine kurzfristige Ergebnisoptimierung, sagte BSH-Chef Matthias Metz, sondern sie sei notwendig, um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der BSH langfristig sicherzustellen.

 

BSH hatte im Oktober 2025 angekündigt, das Werk in Bretten bei Karlsruhe mit knapp 1000 Beschäftigten (Herde und Dunstabzugshauben) Ende März 2028 und das Werk im brandenburgischen Nauen mit rund 440 Mitarbeitern (Waschmaschinenproduktion) bis Mitte 2027 zu schließen. Seitdem gab es mehrfach Proteste gegen die Schließungspläne.

Schließung – „eine wirtschaftliche Notwendigkeit“

Das Thema dominierte auch die Bilanzpressekonferenz der BSH in München. „Die Entscheidungen sind uns nicht leicht gefallen“, betonten BSH-Chef Metz und Thorsten Lücke, der Finanzchef und Arbeitsdirektor ist. Man sei in sehr intensiven Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern – sowohl auf Konzernebene als auch auf lokaler Ebene an beiden Standorten. „Wir haben aber eine sehr klare Entscheidung getroffen, sorgfältig und intensiv Alternativen geprüft, so dass wir aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus an dieser Entscheidung festhalten“, sagte Lücke, auch wenn dies schmerzhaft für die Betroffenen sei.

Die Marktverhältnisse hätten sich geändert. Die BSH-Manager sprachen von einer „strukturellen Unterauslastung“. Als Beispiel nannten sie den Trend weg von klassischen Dunstabzugshauben, wie sie in Bretten gefertigt würden, hin zu Abzugshauben, die im Kochfeld integriert seien, zudem gebe es noch den Trend hin zu günstigen Einstiegslösungen. Die geplanten Werksschließungen begründeten die Manager nicht zuletzt auch damit, dass man Verantwortung für das Gesamtunternehmen und damit für rund 56000 Beschäftigte weltweit trage.

Hat Verantwortung für weltweit 56000 Beschäftigte: BSH-Chef Matthias Metz Foto: BSH

„Als globales Unternehmen mit deutschen Wurzeln ist und bleibt Deutschland unser Zuhause“, sagte Metz. Man habe in den vergangenen drei Jahren rund 300 Millionen in die deutschen Standorte investiert – darunter auch in Giengen (Kühlgeräte) und in Dillingen (Geschirrspüler). In Traunreut fertigt Bosch intelligente Backöfen mit Kamera. Die Staubsaugerentwicklung und -fertigung bleibe in Nordbayern, werde ab 2028 aber von Bad Neustadt nach Mellrichstadt umziehen.

Ergebniszahlen nennt die zum Bosch-Unternehmensbereich Konsumgüter gehörende BSH Hausgeräte GmbH traditionell nicht. Der Umsatz ist 2025 um 1,6 Prozent auf 15 Milliarden Euro zurückgegangen, währungsbereinigt lag das Wachstum bei 2,8 Prozent. „Wir haben uns in schwierigem Fahrwasser wacker geschlagen. Es war ein Jahr mit viel Gegenwind, in dem sich jedoch gezeigt hat, dass unser Zukunftsfahrplan wirkt, auch wenn wir unsere gesteckten Ziele nicht in allen Bereichen erreichen konnten“, sagte Metz. Man erlebe einen strukturellen Wandel. Hohe Zinsen, schwache Immobilienmärkte, eine verhaltene Konsumlaune und geopolitische Spannungen – das seien die neuen Realitäten. Der Wettbewerbsdruck habe sich nochmals verstärkt.

Im Wachstumsmarkt Nordamerika konnte BSH Marktanteile gewinnen, in Europa trotz Preisdrucks und rückläufiger Nachfrage ein Umsatzplus von 1,2 Prozent erzielen und ist hier nach wie vor Marktführer. Zugelegt hat der Hausgerätehersteller auch in der Region Emerging Markets – dazu zählen unter anderem die Türkei, Osteuropa, der Mittlere Osten, Indien und Afrika. Rückläufig war das Geschäft in China, wobei man aber die führende Position als einziger nicht-chinesischer Hausgerätehersteller behaupten konnte.

BSH setzt auf Innovationen – etwa einen sprachgesteuerten Backofen für den chinesischen Markt Foto: BSH

Mit Rückenwind oder einer Erholung der Märkte rechnet Metz 2026 nicht. An hohen Investitionen (2025 gut drei Prozent des Umsatzes) und Ausgaben für Forschung und Entwicklung (knapp 850 Millionen Euro und damit 5,6 Prozent des Umsatzes) will BSH festhalten.

Vor allem mit Innovationen will man punkten – Ende 2025 etwa ist man in den Markt für Airfryer (Heißluftfriteusen) eingestiegen. „In den ersten 100 Tagen wurden schon 100000 Geräte verkauft“, sagte Metz. Auch der weltweit erste Einbau-Saug- und Wischroboter kommt von Bosch, ebenso wie die weltweit erste Dampfschublade mit Dampfgarfunktion, um nur einige Beispiele zu nennen. In China hat man einen Backofen mit Sprachsteuerung – Mandarin – auf den Markt gebracht. Bald sollen auch Waschmaschinen und Trockner mit Sprachsteuerung folgen.