Mehr als genug Spenden haben Hauser Reisen in Rottweil erreicht. Foto: Erb

Eine Stadt, eine ganze Region hält zusammen – am Mittwochvormittag ist der Hilfstransport von Hauser Reisen in Rottweil in Richtung rumänisch-ukrainische Grenze aufgebrochen. Mit an Bord: ein sechsköpfiges Team, das den Menschen vor Ort helfen möchte.

Kreis Rottweil - Plötzlich ging alles ganz schnell. Nachdem am Morgen bereits die Spenden von den vielen freiwilligen Helfern in den Bus verladen wurden, hieß es um kurz nach 11 Uhr Abfahrt. Für das sechsköpfige Team, bestehend aus Seniorchef Hans Keller, der bei der Abfahrt selbst hinterm Steuer sitzt, Armin Zepf, Jürgen Strauß, Margot Fijalkowski, Elora Hug, Marion Probst sowie unserem Redakteur Cornelius Eyckeler, der von der Fahrt und seinen Erlebnissen vor Ort hautnah berichtet, ist es eine Fahrt ins Ungewisse. Keiner weiß, was sie in Baia Mare, 50 Kilometer entfernt von der ukrainischen Grenze, erwartet.

"Wir sind überwältigt von der Spendenbereitschaft. Wir haben mit diesem Zuspruch nicht gerechnet. Die Leute haben für die Spenden extra frisch eingekauft", sind der Technische Leiter Stefan Beck und Geschäftsführer Axel Keller nahezu fassungslos über die Hilfsbereitschaft in der Region, was Beck zu dem Urteil kommen lässt: "Die Rottweiler sind coole Typen." So sei der dm-Markt auf der Rottweiler Saline gewissermaßen geplündert worden, um die Aktion mit Hygieneartikeln zu unterstützen.

Rückstau bis zur Autobahn

Angelaufen ist der Aufruf am Montagabend auf sämtlichen Social-Media-Kanälen, nachdem sich ein Privatmann am Sonntagmorgen bei Hauser Reisen gemeldet hatte, um auf die Situation vor Ort aufmerksam zu machen. Dieser hatte sich zunächst selbstständig auf den Weg an die Grenze gemacht, um die Flüchtlinge zu unterstützen. Nach kurzer Zeit waren sich alle Beteiligten einig: Wir starten eine Aktion.

"Wir haben am Dienstagmorgen noch diskutiert, ob wir nicht vielleicht zu wenig gemacht, zu wenig Werbung betrieben haben", erzählt Axel Keller. Doch nur kurze Zeit später zeigt sich: Die Region hält zusammen. "Die ersten Spenden kamen um 11 Uhr, obwohl erst um 15 Uhr Beginn war. Von 14.30 bis 17.30 Uhr war dann sehr viel los. Da gab es hier dann ein echtes Verkehrschaos, sodass die Polizei anrücken musste. Es gab einen Rückstau bis zur Autobahn", sagt der Technische Leiter.

Zum Thema: Krieg in der Ukraine - Wo und wie man jetzt helfen kann

Nicht lange überlegt

Ein Spender aus Hopfau erklärt seine Beweggründe folgendermaßen: "Eine Bekannte aus Rottweil hat mir geschrieben und mich auf die Aktion aufmerksam gemacht. Was soll man da lange überlegen. Ich hab geschaut, was ich machen kann." Am Ende habe er vor allem medizinische Ausrüstung wie Verbände und Medikamente gespendet – Artikel, die aktuell besonders benötigt werden.

Aufgrund der enormen Vielzahl an Spenden denkt Hauser Reisen bereits an weitere Fahrten. Am Freitag startet zunächst der Transport der Mission Stephanus. Für die nächsten zwei bis drei Tage wird zudem über eine Fahrt mit einer Spedition diskutiert. Das Zimmerner Unternehmen Bucherstahl, das bereits Konserven gespendet hat, würde hierfür die Beauftragung sowie Kosten übernehmen.

Weitere Transporte geplant

Der erste Hilfstransport dieser Art soll am heutigen Donnerstag sein Ziel in Baia Mare erreichen. Dort sollen zunächst die Spenden ausgeladen werden. Danach geht es für den Bus weiter, um ukrainische Flüchtlinge zu verteilen. "Wir wissen noch nicht wie lange es geht. Es kann aber auch sein, dass wir Flüchtlinge nach Deutschland bringen", erklärt Geschäftsführer Axel Keller und sagt im nächsten Atemzug: "Ein großes Dankeschön an die Bevölkerung und Entschuldigung für die Improvisation am Dienstag. Das ist eine Aktion der Rottweiler." Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite von Hauser Reisen.

Update, 2. März, 17.58 Uhr

Am Abend passiert der Rottweiler Hilfsgüterbus voraussichtlich die österreichische Grenze. Nach einer kurzen Pause geht es dann weiter bis nach Budapest – kurz rasten, ein paar Stunden schlafen. "Gegen 23 Uhr sollten wir in der ungarischen Hauptstadt sein", schätzt Seniorchef Hans Keller.

Die Stimmung im Bus ist gut – für die perfekte Verpflegung sorgt Margot Fijalkowski, die gute Seele an Bord, die sich wie die anderen auch spontan dazu entschieden hat, den Hilfstransport zu begleiten. Am frühen Morgen soll es wieder losgehen mit Kurs in Richtung ukrainisch-rumänische Grenze, um so schnell wie möglich, den ankommenden Flüchtlingen die so dringend benötigten Nahrungsmittel und Medikamente zukommen zu lassen.