Hans Edelmann: Mensch und Wildtier brauchen gesunden Abstand.Foto: Privat Foto: Schwarzwälder Bote

Natur: Der Hausener Aktivist Hans Edelmann plädiert angesichts der Krise dafür, "die Lebensräume der Tiere zu bewahren"

Hausen a. T. (bv). Was hat der Plettenberg mit Corona zu tun? Der Umweltaktivist Hans Edelmann aus Hausen am Tann sieht durchaus Zusammenhänge. Die Corona-Krise zeige, dass Tieren und Pflanzen mehr Lebensraum gegeben werden müsse – überall auf der Welt. Auch auf dem vom Abbau bedrohten Plettenberg, der daher umso mehr zu schützen sei.

Edelmann, Kreisrat der Grünen, Aktivist beim Verein Natur- und Umweltschutz im Zollernalbkreis und Mitinitiator des Hausener Bürgerbegehrens gegen die Steinbruch-Erweiterung auf dem Plettenberg, verweist darauf, dass in diesen Tagen nicht nur viel über "Social Distancing" (soziale Distanzierung) geredet, sondern auch versucht werde, diese mit verschiedenen Maßnahmen umzusetzen: Im Supermarkt gelte Einkaufswagenpflicht, Parkbänke würden abgeriegelt und Fahrradschranken auf zu engen Wegen entfernt. Das Abstandhalten zu anderen Menschen sei in der jetzigen Situation sinnvoll und effektiv, um die Corona-Infektionsrate einzudämmen und abzuschwächen, es sei jedoch nur eine "nachgelagerte Maßnahme", also eine, die zur Schadensbegrenzung eingesetzt werde, wenn das Ereignis bereits eingetroffen sei. Effizient ist dies nach seiner Meinung allerdings nicht. Effizient wäre es laut Edelmann, "in präventive Maßnahmen zu investieren und Infektionserreger erst gar nicht in den Lebensraum der Menschen vordringen zu lassen". Das Problem bei präventiven Maßnahmen sei aber, "dass es dabei keine Helden und keine Möglichkeit gibt, sich laut zu profilieren". Präventive Maßnahmen seien leise, denn sie verhinderten, dass das Ereignis überhaupt eintrete.

"Die wirkungsvollste dieser präventiven Maßnahmen" ist es nach Ansicht von Edelmann, massiv in den Umwelt- und Artenschutz zu investieren. Das klinge, sagt er, zunächst absurd und viel zu weit weg von der Corona-Krise, aber: "Von Virologen und Umweltforschern wird bestätigt, dass die Ausbrüche von Infektionskrankheiten zunehmen." In den vergangenen Jahren habe es Ebola, die Vogelgrippe, das Atemwegssyndrom MERS, das Rift-Valley-Fieber, das Atemwegssyndrom SARS, das West-Nil-Virus und auch das Zika-Virus gegeben.

Jedes Mal seien ursprünglich Tiere die Träger der neuen Krankheitserreger gewesen. Auslöser der Infektionen seien aber nicht die Wildtiere und ihre natürlichen Erregerstämme, sondern die unnatürliche Nähe von Menschen und Wildtieren. Edelmann: "Wenn wir also in Zukunft präventiv handeln wollen, müssen wir vom ›Social Distancing‹ zum ›Animal Distancing‹ kommen." Es gehe darum, den Wildtieren künftig den Platz und die vielfältigen Ökosysteme zu geben, die sie benötigten, damit Mensch und Tier einen gesunden Abstand zueinander halten können. Dabei reiche es nicht, mit dem Finger auf China zu zeigen, weil dort auf irgendwelchen Märkten Fledermäuse verkauft würden. Der Naturschützer betont, "dass auch wir lernen müssen, dass Umwelt- und Gesundheitspolitik enger zusammenliegen als wir gedacht haben". Fazit: "Auch in unserer direkten Umgebung muss den Tier- und Pflanzenarten der Lebensraum gegeben werden, den sie brauchen, um sich von uns distanzieren zu können."

In diesem Zusammenhang kommt Edelmann auf den Plettenberg zu sprechen, der ein wichtiger Lebensraum für unzählige Vogel-, Insekten- und Pflanzenarten sei. Um kurzfristig Gewinne zu erzielen, werde zugelassen, dass dieser Lebensraum zerstört werde. Dabei sei klar, dass die Kosten einer Pandemie diejenigen für deren Verhinderung weit übersteigen.

"Wenn wir so weitermachen, ist die nächste Epidemie nur eine Frage der Zeit", zitiert er die Direktorin des UN-Umweltprogramms, Inger Andersen. Als eine der wenigen prominenten Politikerinnen denke auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) über präventive Maßnahmen nach. Edelmanns Fazit: "Lassen Sie uns handeln und nicht nur das Richtige, sondern das Notwendige tun. Lassen Sie uns leise Helden sein."

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